Kaffeediffusion

Ein Blog über alles, nichts und das Dazwischen.

Manchmal fällt es mir schwer, mich auf den eigentlich zu vermittelnden Inhalt zu konzentrieren, wenn ich mich auf sozialen Plattformen im Netz bewege. Zu oft habe ich das Bedürfnis, mich mehr mit dem Rahmen, sprich: der Plattform an sich, auseinanderzusetzen und vergesse dann schnell, warum ich eigentlich dort bin. Sicherlich sind diese Gedanken dann nicht sinnlos, und doch kommt schnell eine gewisse Leere auf, immerhin beschäftigt man sich mit der Plattform und nutzt sie nicht nur als Werkzeug, um dritte Inhalte zu behandeln, einzubinden, zu anderen Themen zu schreiben.

Diese Dränge, die Neugier nach den Funktionsweisen der Plattformen in sich, konnte ich bei mir auch im Bezug auf das Fediverse feststellen. So habe ich immer wieder unterschiedliche Plattformen ausprobiert, mir deren Sinn und Zweck angelesen. Ja, das war schon sehr interessant, und doch kann ein soziales Netzwerk nicht überleben, wenn alle so an die Sache herangehen würden. Wenn sich ein soziales Netzwerk also immer nur mit sich selbst beschäftigen würde, würde es vermutlich untergehen – natürlich schreibe ich hier im Konjunktiv von dieser Vorstellung, da sie zum Glück gerade auf das Fediverse nicht zutrifft.

Insbesondere im Zuge des Twitter-Chaos in letzter Zeit hat das Fediverse einen nicht abstreitbaren Zulauf erhalten und bei mir wieder diese medientheoretische Neugier geweckt: Nachdem sich Neulinge kurz vorgestellt haben und erste Fragen geklärt waren, scheinen viele einfach so weiter gemacht zu haben, wie sie zuvor auf Twitter aufgehört haben. Während also neue Mastodon- und somit Fediverse-Nutzer die Plattform als Werkzeug für sich entdeckt haben, konnte ich gerade bei mir selbst feststellen, mich mehr damit zu beschäftigen, wie sich diese Nutzerentwicklung auf das dezentrale Netzwerk als ganzes auswirkt – mittlerweile ist mir bewusst geworden, dass mir das Fediverse irgendwie so sehr ans Herz gewachsen ist, dass ich die eigentliche Idee dahinter immer mehr verdrängt habe.

Für mich ist das Fediverse nicht mehr ein soziales Netzwerk, mit dem ich mich digital hätte vernetzen können – das Fediverse ist für mich zu einer Art Meta-Plattform (im Sinne von übergeordnete Plattform) geworden, weil es den Gedanken eines freien Internets oder auch Webs hochzuhalten scheint in einer Zeit, in der kommerzielle Webseiten und Dienste unseren Alltag prägen. Mittlerweile projiziere ich gewisse Hoffnungen in das Fediverse hinein, auch oder vielleicht auch weil ich mich, vor meiner Zeit im Fediverse, selbst nie richtig in ein soziales Netzwerk eingebunden habe, obwohl so viele im Netz irgendwie sehr auf ihr persönliches Netzwerk, ihre „guten Kontakte“ bedacht zu sein scheinen.

Demgegenüber kommen mir die sozialen Interaktionen im Fediverse immer sehr freundschaftlich vor, nicht so aggressiv, nicht so egozentrisch, wie auf anderen Diensten und Netzwerken durchaus üblich. Dem Fediverse hängt ein gewisser Grundgedanken von Freundlichkeit an, vermutlich weil es sich in der digitalen Nische bewegt. Und weil ich mich für diese digitale Nische so sehr interessiere, frage ich mich immer wieder, wie sie wohl von der zunehmenden Aufmerksamkeit beeinflusst werden könnte.

Die ursprüngliche Euphorie, das Fediverse könne nun die großen proprietären Dienste ablösen, muss ich für mich selbst hinterfragen: Das hieße nämlich auch, dass das Fediverse anders wäre, als bisher, zumindest, wenn man davon ausgeht, dass auch die Nutzerinnen und Nutzer selbst ihre Plattform beeinflussen. Wenn man davon ausgeht, dass die Nutzergemeinschaft selbst ein soziales Netzwerk ausmacht, setzt man eine nicht aufzuhaltende Unbeständigkeit des Netzwerks selbst voraus – und nein, das ist nicht so negativ gemeint, wie es sich vielleicht anhören mag. Immerhin hieße diese Annahme auch, dass ein soziales Netzwerk selbst grundlegend auf den Interessen der Nutzer basierte.

Die Frage ist aber, wie genau sich das in die bestehenden Landschaft der sozialen und weniger sozialen Dienste einfügen ließe. Große Plattformen bleiben nicht selten einfach nur groß, weil sie einmal groß geworden sind, immerhin „ist ja jeder dort“. Das schließt zwar keine Nutzerwanderungen aus – Mastodon und Twitter sind da das beste Beispiel – und doch bleibt abzuwarten, ob je der notwendige Kipppunkt erreicht werden kann. Die Frage ist vielleicht weniger, ob „wir“ wollen, dass dieser Wendepunkt erreicht wird; ich denke nicht, dass eine bestehende Nutzergemeinschaft einen wesentlichen Einfluss auf die Nutzerbewegungen anderer Plattformen haben kann.

Dabei möchte ich aber auch nicht behaupten, dass das Fediverse keinen Einfluss auf neue Nutzer haben könnte oder hat. Vielleicht können wir gemeinschaftlich den Grundgedanken der Freundlichkeit im Fediverse beibehalten – vermutlich aber nur, wenn wir Neulinge nett empfangen. Sicherlich scheint diese Schlussfolgerung zu logisch, als dass man sie dediziert erörtern müsste – und doch scheint mir Freundlichkeit gerade im digitalen Raum nicht selbstverständlich. Vielleicht können „wir“ das ändern, zumindest im Fediverse.

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Ja, ich habe hier neulich einen Text veröffentlicht, in dem ich mich selbst ermahnt habe, bis zur Veröffentlichung von Debian 12 “Bookworm” auf der stabilen Kubuntu-Plattform zu bleiben, und ja, Kubuntu hat nicht wirklich irgendwelche gravierenden Fehler gehabt, die mich zum Wechsel hätten bewegen können. Und doch wollte ich, gerade, weil der Debian-Freeze immer weiter voranschreitet, wieder zu Debian zurück. Bei mir läuft jetzt ein Debian Testing mit GNOME 43, ich bin gespannt, ob ich nicht doch den ein oder anderen Fehler melden kann und werde. Debian ist und bleibt meine Lieblingsdistribution. Auch während meinen Experimenten in der GNU/Linux-Welt ist Debian sowohl als Projekt als auch als Betriebssystem eine Größe, die ihresgleichen sucht. Sowohl philosophisch als auch auf technologischer Ebene kann ich am ehesten mit Debian mitgehen, die verschiedenen Zweige der Distribution machen sie noch einmal viel interessanter, je nach dem, wie und zu welchen Zeitpunkt man das eigene System wie auch immer einsetzen möchte. Vielleicht bleibe ich einfach bei Debian, vielleicht springe ich doch hin und wieder, denn natürlich haben auch andere Distributionen ihren Reiz. Da wäre beispielsweise Ubuntu MATE als eine unglaublich nutzerfreundliche Distribution, oder Linux Mint, oder auch: meine erste Distribution überhaupt. Und dann gibt es Projekte wie Siduction, wie wahnsinnig interessant und immer wieder einen Blick wert sind.

Gerade, weil ich mich auch gern tiefer mit GNU/Linux auseinandersetzen möchte und auseinandersetze — irgendwo hat jeder ein Hobby :D — fällt es mir schwer, einfach stehenzubleiben, auch wenn das, was zu einem gewissen Zeitpunkt auf der Platte ist in noch so vielen Punkten schlicht und ergreifend fantastisch funktioniert. Doch: Debian ist und bleibt meine Lieblingsdistribution. ;)

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In letzter Zeit habe ich mich viel mit ablenkungsfreien Editoren oder Textverarbeitungsprogrammen beschäftigt. Beispiele für derartige Programme wären etwa der „FocusWriter“ oder der Markdown-Editor „Ghostwriter“ aus dem KDE-Umfeld. Doch während ich mich mit diesen Anwendungen beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, dass ich mich selbst durch die Funktionsweise, die ich ja erkunden wollte, ablenken lassen habe.

Diesen Text schreibe ich wieder in LibreOffice Writer, ja, hier gibt es zwar eine Vielzahl an Knöpfen mehr, die Frage, ob man diese braucht, stellt sich weiterhin. Aber: LibreOffice stellt für mich eine sehr vertraute Schreibumgebung dar, und gerade diese Vertrautheit hilft dabei, sich konzentrieren zu können. Jede Software braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit, jede Software möchte anfangs erkundet werden, doch wenn man diesen Prozess einmal hinter sich hat, ist es besonders leicht, einfach daran kleben zu bleiben.

LibreOffice ist für mich zu einem universalen Werkzeug geworden: Ich schreibe hier gerne Texte, bin für Präsentationen darauf angewiesen und nutze auch LibreOffice Draw für das Bearbeiten und Ergänzen von PDF-Dateien. LibreOffice ist eine richtige Büro-Suite und am Ende des Tages so vollständig, dass kaum Wünsche ausbleiben. Bevor ich GNU/Linux genutzt habe, habe ich Windows-bedingt auch Word benutzt, damit haben wir schon in der Grundschule einfache Dokumente verfasst, in der weiterführenden Schule ging es dann in dieser Richtung weiter. Doch als ich mich mit GNU/Linux auseinandergesetzt habe, viel mir der Übergang zu LibreOffice wirklich nicht schwer. Das ist eigentlich erstaunlich, gerade, wenn man die unterschiedliche Menüführung der einzelnen Büro-Suiten bedenkt.

Mittlerweile habe ich die standardmäßige Menüführung von LibreOffice derartige verinnerlicht, dass ich andere Anwendungen zu gern damit vergleiche. Word scheint mir mit seinen Registerkarten wahnsinnig umständlich. Hier mal ein Beispiel: Ich habe meinen Eltern ihr LibreOffice mit der Registerkarten-Ansicht konfiguriert, um ihnen den Einstieg ein bisschen zu erleichtern. Als ich dann aber gefragt wurde, wie man Sache XY umsetzt, habe ich mich schlicht und ergreifend selbst nicht reingefunden und schnell auf die Standardansicht zurückgestellt.

Mittlerweile bin ich so sehr an diese Ansicht gewöhnt, dass sie mich nicht mehr wirklich ablenkt. Mittlerweile weiß ich, wo die Funktionen sind, die ich tatsächliche brauche und welche ich dann doch ignorieren kann, sollte, aber nicht unbedingt muss. Libreoffice ist eben eine Textverarbeitungssoftware, und das ist auch kein Problem.

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Über die Zeit, in der ich diesen kleinen Blog hier geschrieben habe, ist er mir mehr und mehr ans Herz gewachsen. Anders als auf anderen Plattformen oder Blogs, in denen ich mich gezwungen sehe, auch mal sinnvolle Texte zu schreiben, habe ich diesen Blog bisher immer gut als einen gewissen Ausgleichsfaktor nutzen können.

Gerade bei politischen Inhalten bin ich sehr vorsichtig geworden, bevor ich einen Text veröffentliche, schlicht und ergreifend weil viele politische Themen mittlerweile eine extrem differenzierte Auseinandersetzung zu fordern scheinen, die ich nicht immer gewährleisten kann, wenn ich mich aufrege, wütend, traurig, enttäuscht, hoffnungsvoll oder euphorisch bin.

Dieser Blog hier hingegen kommt mir wesentlich persönlicher vor, wesentlich ruhiger, viel entspannender. Die 'Kaffeediffusion' ist zu einem persönlichen Gedankentagebuch geworden. Doch obwohl, oder vielleicht gerade weil es so motivierend für mich sein kann, hier Texte zu veröffentlichen, Frage ich mich wieder und wieder, ob ich nicht doch die Fediverse-Föderation anschalten sollte, ich bin mir sehr sicher, dass die Texte hier dann tendenziell mehr Leuten angezeigt werden würden (da ich den Blog dann über mein Friendica-Profil spiegeln würde).

Die Frage ist aber: Will ich das wirklich? Möchte ich wirklich mehr gelesen werden? Momentan verlinke ich in meinem Mastodon- und Friendica-Profil auf den Blog, teile aber keine Beiträge, wodurch wesentlich weniger Aufmerksamkeit darauf gelenkt werden dürfte — natürlich wären die Neuansichten auch mit einem solchen Teilen nicht wirklich viel höher, aber doch bemerkbar für mich.

Bevor ich auf diese Instanz umgezogen bin, habe ich meinen writefreely-Blog unter blog.fedi.tech auch föderiert und gespiegelt, und tatsächlich immer wieder Kommentare dazu bekommen. Mal abgesehen davon, dass diese ausnahmslos sehr nett und auf das Thema bezogen waren, frage ich mich, ob ich das mit diesem Blog hier wieder tun möchte.

Momentan denke ich, dass ich die Föderationsfunktion ersteinmal nicht anschalten, konkret also keine einzelnen Artikel über Micro- oder Macrobloggingdienste teilen werde. Am Ende des Tages ist das einfach nicht sonderlich wichtig für mich, ich benutze diesen Blog hier primär, um mir das von der Seele zu schreiben, was ich auf anderen Plattformen und Blogs nicht loswerden will oder kann — und dafür eignet sich das ruhige writefreely-Umfeld wirklich sehr gut.

Ich weiß nicht, ob es am integrierten Markdown-Editor, der Plattform an sich, der Gemeinschaft dahinter oder irgendeiner persönlichen Wahrnehmung liegt, aber: Wenn ich hier Texte schreibe, kann ich mich auf irgendeine Art und Weise entspannen und eine Auszeit nehmen von der Ernsthaftigkeit, die viele Teile des heutigen Webs einzunehmen scheint, die ich aber nicht immer adäquat ausfüllen kann und möchte.

An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal ein großes Danke an Jan richten — danke für die erstklassige Moderation dieser writefreely-Instanz: Danke, dass ich hier in ruhe schreiben darf, und das nicht in mitten von Spamartikeln sondern zwischen interessanten anderen öffentlichen Blogeinträgen und Texten dieser Instanz. Auch dafür möchte ich mich bedanken, ich freue mich immer wieder über die Texte im Reader.

Danke also an alle Beteiligten. :)

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Vor einiger Zeit habe ich hier einen Eintrag veröffentlicht, in dem ich beschrieben habe, in der kommenden, nunmehr vergangenen Zeit, weniger “micro-bloggen” zu wollen, und mich (wieder) mehr meinen längeren Texten widmen möchte. Dabei ist mir aufgefallen, wie sich mein Nutzungsverhalten von Mastodon mit der Zeit mehr und mehr gewandelt hat.

Für mich war Mastodon lange Zeit ein Weg zum Veröffentlichen von irgendwelchen Gedankenschnipseln, das passt ja auch irgendwie zum Konzept derartiger Kurznachrichtendienste.

Momentan fühlt sich Mastodon, zumindest für mich, mehr nach einer interaktiven Fragestunde an. Mal ein wenig nachfragen, unter fremden Beiträgen Interesse bekunden, schön und gut: So richtig veröffentlicht habe ich auf Mastodon aber seit längerem nicht so wirklich.

Stattdessen schreibe ich mal hier, mal dort einen etwas längeren Text, oftmals in Intervallen auch mal hier den ein oder anderen Eintrag. Dieses Vorgehen scheint mir entschleunigend zu wirken, der schnellen Natur weiter Teile des Webs entgegen.

Das ist auch mal interessant. :D

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Im Internet scheinen Extreme oftmals ihresgleichen zu suchen, egal, ob es dabei um skurrile oder politische Inhalte geht. Doch auch die Darstellungsformen sind in sich irgendwie kompromisslos: Die großen pseudo-sozialen Netzwerke bedienen nicht selten sehr spezifische Anwendungsszenarien, zum Beispiel Kurznachrichten oder Bilderfeeds.

Mittellange Texte sind dabei wirklich nicht sonderlich verbreitet: Ein Twitter-Post eignet sich dazu nicht, andere Plattformen sind am Ende des Tages nicht auf derartige Versuche ausgelegt und Plattformen, die sich so etwas ähnliches auf die Fahnen schreiben, zum Beispiel medium.com, sind auch nicht wirklich bekannt, geschweige denn sonderlich international verbreitet.

Für Texte, die nicht wahnsinnig kurz aber auch nicht wahnsinnig lang sind, scheint es nicht viele Plätze zu geben, die auch von der Internet-Bevölkerung angenommen werden: Obwohl es technisch wesentlich aufwendiger ist, Videos zu speichern und abzuspielen, Audio-Dateien zu horten oder Bilder festzuhalten, entscheiden sich viele Nutzerinnen und Nutzer tendenziell für derartige Plattformen.

Wer dann Texte schreiben und trotzdem gesehen werden möchte, kann schnell in die Röhre schauen, gerade im nicht-englischsprachigen Teil des Webs. Aber muss das so sein? Hier auf writefreely beispielsweise lässt sich angenehm schreiben und veröffentlichen, geborgen in einer freundlichen Gemeinschaft. Doch der Mainstream ist unsere kleine dezentrale Community hier lange nicht — und ich glaube auch nicht, dass sie das sein muss oder in naher Zukunft sein wird.

Trotzdem würde ich mich, als Verfechter des Veröffentlichungsmediums Text, darüber freuen, wenn das Konzept der geliebten Satzkonstellationen mit Inhalt (wieder) mehr Beachtung bekommt von denjenigen, die das Internet “einfach nur nutzen”.

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Es ist schwer, mit der täglichen Nachrichtenflut angemessen umzugehen: Einerseits möchte ich besser nichts verpassen, andererseits fehlen mir manchmal schlicht und ziemlich ergreifend Zeit und Energie, mich mit der gesamten Nachrichtenlage auseinanderzusetzen — in einem Maße, nach dem ich nicht nur mit Halbwissen um mich werfen könnte, würde ich einmal danach gefragt werden.

Eine naheliegende Lösung für dieses Problem scheinen mir RSS-Feeds und -Reader zu sein, immerhin sind meine Anforderungen nicht sonderlich hoch: Einige Feeds sollen sich möglichst nach frei wählbaren Kategorien sortieren und chronologisch anzeigen lassen, so weit, so trivial. Doch wenn es um einen Web-Zugriff, Speicherfunktionen und das Lesen im Feed-Reader selbst geht, scheinen sich zumindest die kostenfreien Angebote der bekannten Dienstleister immer um durch den einen Wehrmutstropfen, die eine Beschränkung selbst auszuschließen.

Am Desktop habe ich kein Problem mit irgendwelchen Feedreadern: Liferea und Akregator bieten mir alles, was ich mir nur wünschen könnte, sind aber nicht Web-basiert. Sprich: Von einem dritten Gerät darauf zuzugreifen, kann ich mir zumindest mit diesen Optionen schoneinmal abschminken.

Die kommerziellen Feedreader im Web bewerben gerade heutzutage oftmals ihre Premium-Pläne mit fehlenden Funktionen der Testversionen: Die Suche wird dadurch natürlich alles andere als einfacher.

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In der letzten Zeit habe ich meine GNU/Linux-Distribution häufig gewechselt, bin von Debian aus zu vielen anderen Systemen gesprungen, nicht weil ich mit Debian ein Problem gehabt hätte, nein, weil mich andere Distributionen auch gereizt haben. Doch mit der Zeit hat sich dieses Interesse zu einem gewissen Druck entwickelt, den ich eigentlich vermeiden wollte: Freie Software ist mein Hobby und nimmt einen Großteil meiner Freizeit ein, und das finde ich gut.

Es ist und bleibt für mich spannend, die Entwicklungen der verschiedenen Distributionen verfolgen und ferner auch kommentieren zu dürfen, es macht mir großen Spaß, neue oder für mich unbekannte, freie Anwendungen ausprobieren und langfristig nutzen zu dürfen. Trotzdem brauche ich erst einmal eine gewisse Pause vom ständigen Distributionswechsel.

Ich möchte mich in der nächsten Zeit auch auf meine Texte konzentrieren und dabei auf eine Distribution zählen können, die mir nicht unter den Füßen wegbricht, relativ aktuelle Software nutzt und ausliefert und gleichzeitig wenig Wartungsaufwand liefert. Es bleiben immer Schwierigkeiten, die über Kompromisse möglichst gut eingegrenzt werden wollen – nicht, weil irgendeine Distribution besonders „schlecht“ wäre, nein, weil sich Anwendungsfälle natürlicherweise voneinander unterscheiden:

Für mich beispielsweise dürfen gerade die grundlegenden Anwendungen einer Arbeitsumgebung keine Fehler bereiten. LibreOffice, Firefox, ein E-Mail-Programm (momentan Thunderbird) und eine Notizverwaltung (momentan CherryTree) sind etwa die Programme, auf die ich tagtäglich zählen können möchte und muss. Eine Arbeitsumgebung sollte dabei nicht zu abstrakt, nicht zu spartanisch und gleichzeitig nicht zu überladen und abgedreht sein: Meine Favoriten sind in dieser Hinsicht KDE und Xfce. Aber für welche Distribution habe ich mich nun entschieden? Warum ist das nicht mehr Debian?

Die erste Frage lässt sich leicht und schnell beantworten: Aktuell sitze ich vor Kubuntu 22.04, der aktuellen und tatsächlich nicht wirklich veralteten LTS-Version von Ubuntu, die den KDE-Desktop nutzt und wunderbar integriert ausliefert. In letzter Zeit hatte ich Lust, KDE zu nutzen, und Kubuntu zu installieren war in der Hinsicht wirklich die richtige Entscheidung, hat diese Installation doch meine Liebe zu KDE ein gutes Stück angefacht: KDE ist wunderbar vollständig, die LTS-Version 5.24 trifft genau meinen Geschmack. Ich habe das Gefühl, dass all die Funktionen, die ich mir je wünschen könnte, ganz natürlich in KDE enthalten sind – und nein, diese Oberfläche ist mir nicht zu unübersichtlich. Ich versuche nicht, KDE voll und ganz umzugestalten, eine andere Oberfläche nachzubauen oder einen exotischen „Workflow“ durchzusetzen.

Ich nutze KDE mehr oder weniger, wie es aus der Tüte gefallen ist, natürlich mit ein paar kleineren Anpassungen, die sich allerdings im und am Gesamtkonzept von Plasma orientieren, das heißt im Konkreten: Angepinnte Favoriten und Schnellstarter, ein paar Konfigurationen in Dolphin und einige nachinstallierte Anwendungen, fertig. Plasma kommt mir persönlich sehr durchdacht vor, sowohl, was die Funktionalität angeht, als auch die Aufmachung in Handhabung und Erscheinungsbild. Als Xfce-Nutzer habe ich einige Zeit gebraucht, mich in KDE einzuarbeiten, doch jetzt, nachdem ich in den vergangenen Wochen immer wieder mit dieser grafischen Oberfläche herumgespielt habe, kommt mir KDE mindestens ebenso vertraut vor, wie Xfce, scheint mir dabei aber etwas vollständiger. Ich mag Xfce, ich mag KDE, trotzdem glaube ich, dass ich in der nächsten Zeit erst einmal bei letzterem bleiben werde.

Ja, ich habe Debian Stable mit KDE ausprobiert, ja ich finde die Distribution wirklich gut. Leider kommt es bei meiner Hardware und Bullseye-KDE zu ein paar Problemen, etwa bei der Sitzungsverwaltung. Sicherlich könnte ich diese Probleme in der nächsten Zeit angehen, bei einigen Dingen habe ich bereits Lösungen oder zumindest Umgehungsmöglichkeiten gefunden, und doch ist mir aufgefallen, dass Kubuntu LTS momentan einfach eine besser integrierte Plasma-Umgebung bietet. Ich bin allerdings sehr gespannt, was die Bookworm-Zukunft, kurz Debian 12, bringt. Momentan ist der Plan, Kubuntu mindestens bis zum Erscheinen von Bookworm auf der Platte zu belassen, das System läuft einfach sehr gut. Ich vermute aber, dass ich mich spätestens am Veröffentlichungstag nicht mehr zurückhalten können werde, Debian als eine meiner absoluten Lieblingsdistributionen wieder auf die Platte zu lassen.

Kubuntu jedenfalls arbeitet wirklich zauberhaft. Eigentlich sind mir so gut wie keine Probleme aufgefallen, jedenfalls erinnere ich mich momentan an keine wirklichen Fehler. Ich finde es schade, dass Firefox nur noch als Snap-Paket angeboten wird. Die Zentralisierung des Snap-Repos in den Händen von Canonical halte ich für ausgesprochen unschön, wobei Snapd an sich freie Software ist und bleibt. Eine unfassbare Scheußlichkeit ist diese zentrale Paketquelle aber nicht zwingend, da zumindest bei *Ubuntu auch die regulären Paketquellen von Canonical verwaltet werden. Außerdem gründet die Verteilung vom Firefox-Snap maßgeblich auf dem proaktiven Handeln von Mozilla, das Firefox-Snap-Paket wird nicht vom Canonical gebaut, sondern kommt direkt von den Entwicklern, was diesem eine gewisse Legitimität zu geben scheint. Nicht zuletzt, da sich die technischen Aspekte rund um Snap in letzter Zeit wirklich gebessert haben, bin ich (vorerst) bereit, das Firefox-Snap-Paket zu nutzen, meide dieses Paketformat aber ansonsten.

Meine Hauptargument gegen Snap ist die moralische Frage, warum Canonical nicht mehrere Snap-Repositories zulassen könnte. Ich hoffe dahingehend, das sich in der Zukunft vielleicht doch noch etwas tut. Snap ist mittlerweile zumindest auf der Ubuntu-Plattform etabliert, ich denke nicht, dass sich das in Zukunft ändert, auch eine vollständige Absage des Projekts durch Canonical halte ich für unwahrscheinlich, zu groß scheint der Erfolg zu sein, den das wirklich unfassbar große Snap-Repo mittlerweile hat.

Eine „Befreiung“ der Snap-Store-Plattform halte ich dahingehend für wahrscheinlicher und ehrlich gesagt auch für wünschenswerter. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass sich Snap keinesfalls vor Flatpak verstecken müsste, im Gegenteil: Aspekte wie die Isolierung der jeweiligen Anwendungen scheinen bei Snap besser umgesetzt worden zu sein, als bei Flatpak, das schnell zu einer Sicherheitslücke werden kann, immerhin haben viele Flatpak-Anwendungen regulären Schreibzugriff auf das home-Verzeichnis und werden durch die Plattform nicht automatisch aktualisiert, siehe dazu Flatkill.org.

Ich selbst bin überrascht, wie gut mir Kubuntu gefällt, wie gut die Distribution läuft und denke, dass ich sie für einige Monate nutzen werde – vermutlich etwa sechs Monate, immerhin läuft ja gerade der Bookworm-Freeze, der im Sommer abgeschlossen werden dürfte. Dann kehre ich höchstwahrscheinlich wieder zu meinem geliebten Debian zurück, bis dahin bleibe ich wohl vorerst beim Tochtersystem Kubuntu.

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Wer writefreely kennt, weiß vermutlich auch, dass dieser Blog etwas von der Standard-Ansicht abweicht, nicht wirklich stark, aber ein kleines bisschen. Eine der großen Stärken von writefreely ist, dass sowohl Benutzeroberfläche als auch die voreingestellt Darstellung der Blogs sehr simpel ist. So lässt sich das ganze sehr einfach handhaben und ist, meiner Meinung nach, auch wesentlich barrierefreier, was nie schaden kann.

Aber mit dem voreingestellten Darstellungs-Farbschema war ich nicht ganz zufrieden, irgendwie war mir das einfache Weiß etwas zu simpel, vor allem aber etwas zu kalt. Nachdem ich ein kleines bisschen mit den Farben herumgespielt habe, habe ich mich auf den etwas wärmeren gelblichen Orangeton festgelegt, der noch heute die Hintergrundfarbe stellt.

Sicherlich hätte ich auch einen dunklen Hintergrundton wählen und die Schriftfarbe hell einstellen können, andererseits ist diese Kombination gerade bei geringer Bildschirmhelligkeit nicht immer einwandfrei lesbar — und genau das ist der einzige Zweck, den ein Farbschema in einem Blog erfüllen muss, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach.

Brauche ich ein komplexes Webseiten-Layout, wenn ich einfach nur Texte veröffentlichen möchte? Nein. Brauche ich ein abgefahrenes, gar modernes Farbschema? Nein.

Ein Farbschema muss einfach lesbar und dabei irgendwie angenehm sein, und ich glaube, das aktuelle Farbschema leistet da gute Arbeit.

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Unternehmen, die auf freie Software setzen, auch als Geschäftsmodell, sind keine Seltenheit, im Gegenteil: Ein Großteil der heutigen Entwicklung von Linux, aber auch von Linux-Distributionen wird heute von Unternehmen vorangetrieben, als Endnutzer ist es so gut wie unmöglich, keine kommerzielle Software zu nutzen, selbst, wenn es sich um freie Programme handelt.

Angefangen bei systemd bis hin zu Distributionen wie Ubuntu: Das Verhältnis der Unternehmen und Anwender hat sich festgefahren, es gibt keine Aussicht, dass sich das in absehbarer Zeit ändern könnte – warum auch, immerhin funktioniert das ganze ja irgendwie, die meisten Gemeinschaften bleiben vergleichsweise unabhängig, selbst wenn große Konzerne wie Google oder selbst Microsoft nicht selten zu wichtigen Sponsoren werden.

Eine andere Frage ist aber, inwiefern sich dieses Verhältnis von der rein technischen Ebene auf eine übertragene auswirkt und in welchen Maß sich das zunehmende Einkaufen von Unternehmen in die freie digitale Welt negativ auf diese auswirkt. GNU/Linux hat den Antlitz eines Betriebssystems für Hippie-Hacker über Jahre hinweg gewahrt; dass Großkonzerne wie Red Hat-Besitzer IBM immer wichtiger geworden sind, ist nicht unbedingt sonderlich negativ, oder überhaupt in irgendeiner Weise besonders aufgefallen.

Trotzdem bleibt es für diese Unternehmen unausweichlich, auf kurz oder lang Profit mit ihrer Software, respektive ihren Distributionen zu machen, nicht zuletzt weil man sich dauerhaft gegen die etablierte prorprietäre Konkurrenz beweisen muss und halten möchte. Wenn beispielsweise öffentliche digitale Infrastruktur diskutiert wird, sind Unternehmen, die zumindest Supportlösungen für eingesetzte Software anbieten, so gut wie unumgänglich geworden – dann ist es mir doch lieber, sollten Firmen wie SUSE dahinterstehen, statt Microsoft. Dann ist es mir doch lieber, wenn auf dem Desktop die Distro einer Firma läuft, die auf freie Software setzt, anstatt das Betriebssystem eines Konzerns, der das Konzept unfreier Programmentwicklung maßgeblich mitgeprägt hat.

In seinen Talks geht auch Richard Stallman, seines Zeichens Grüner der freie-Software-Bewegung immer wieder darauf ein, dass das Preisschild, das manche ihrer Software umhängen, eine Nebensächlichkeit ist, solange es sich dabei um freie Software handelt. Und ja, in der praktisch-pragmatischen Realität ist das vermutlich auch richtig, trotzdem frage ich mich, wie es überhaupt zu ener derartig kommerziell geprägten Lage rund um freie Software kommen konnte. Braucht freie Software wirklich dieses Verhältnis von Unternehmen und Kunden? Ist es wirklich nötig, dass kommerzielle Anbieter derartig tief in vermeintlichen Gemeinschaftsprojekten verankert sind, ganz egal ob als Sponsor oder Schirmherr?

Sicher, diese Frage ist vollkommen irrelevant, da das Zusammenspiel kommerzieller und nicht-kommerzieller Akteure sich in Zukunft vermutlich so oder so kaum ändern wird. Trotzdem ist es interessant, diese Frage überhaupt zu stellen: GNU ist nicht aus kommerziellen Interessen heraus entstanden, Projekte wie Debian halten sich bis heute als unabhängige Entwicklergemeinschaften und selbst kommerzielle Distributoren wie SUSE haben mit der Zeit einige Kontrolle der Gemeinschaft überlassen, nicht zuletzt mit Gemeinschaftsprojekten wie openSUSE oder Fedora auf Red Hat-Seite.

Vielleicht ist das Kind also doch nicht in den Brunnen gefallen, vielleicht gibt es gar keinen Brunnen. Vielleicht sollte die Wahl der Distribution oder das Projekt, in dem man mithelfen möchte, in der heutigen Situation doch aufgrund technischer Faktoren und weniger nach streitbaren philosophischen Kriterien ausgewählt werden.

Wie dem auch sei, die Frage an sich stellt sich immer wieder, und wie sich auch das Kräfteverhältnis mittelfristig wenig ändern wird, bleiben wohl auch die spannenden oder bewegenden Fragen, die damit zusammenhängen, erhalten.

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