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    <title>News &amp;mdash; Aus Hypergrid und Umgebung</title>
    <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/tag:News</link>
    <description>Ein Blog über OpenSimulator und andere virtuelle Welten</description>
    <pubDate>Mon, 20 Apr 2026 13:00:08 +0200</pubDate>
    <item>
      <title>Asset Apocalypse: Und dann ging es ganz schnell mit dem OSgrid</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/asset-apocalypse-und-dann-ging-es-ganz-schnell-mit-dem-osgrid</link>
      <description>&lt;![CDATA[Seit gestern nacht ist das OSgrid offline. Und es wird auf unbestimmte Zeit offline bleiben. Mit etwas Verspätung hat das OSgrid die offizielle Verlautbarung nun auch ins offizielle Blog gestellt. Wie könnte es anders sein – der Grund ist immer noch der malade Asset-Server. !--more--&#xA;&#xA;Im OSgrid dampft die Kacke ja schon länger, was den Asset-Server angeht. In den letzten Jahren hat es mehrere Versuche gegeben, das Problem zu beheben. Umzug auf stärkere Hardware. Andere Organisation. Danach kamen verschiedene Versuche, den Asset-Server irgendwie zu reparieren oder zu optimieren. Jeweils, um mehr Leistung rauszukitzeln. Brachte alles nichts.&#xA;&#xA;Im Gegenteil: Mit jedem Umzug gingen Assets kaputt. Immer wieder hieß es: „Ja, die nächsten Monate müßt ihr damit leben, daß Assets nicht zur Verfügung stehen werden. Das ist ein Nebeneffekt. Aber danach wird alles tutti sein.“ Ein „danach“ gab es aber nie, denn jede Maßnahme endete mit mehr dauerhaft kaputten Assets.&#xA;&#xA;Anfang Februar war dann klar: Was dem Asset-Server zu schaffen macht, sind die Unmengen an Assets, die sich seit 2007 angesammelt haben. Zum einen, so schätzten die Admins, werden mindestens 60% davon eh nicht mehr gebraucht. Zum anderen waren nicht wenige Assets eh kaputt. Und an genau diesen kaputten Assets blieb der seit Monaten laufende Reparaturprozeß ständig hängen, so daß er noch Jahre hätte laufen müssen, obwohl er eigentlich bald hätte durch sein müssen.&#xA;&#xA;Das, so stellte sich heraus, ließ sich realistischerweise nur auf eine Art lösen: indem der Asset-Server einmal komplett leergeräumt und anschließend von den aktiven Nutzern wieder per IARs und OARs befüllt wird. Zum Putzen sollte das OSgrid etwa eine Woche offline bleiben. Die Gridbewohner sollten also zum einen ihre – ohnehin samt und sonders extern angehängten – Sims als OARs und zum anderen ihre Inventare als IARs sichern. Wer kein Land hat, konnte auf mindestens einer speziell dafür vorgesehenen Sim, die täglich gesichert wurde, Boxen aufstellen mit Sachen, die erhalten bleiben sollten.&#xA;&#xA;Erst hatten die Leute etwa vier Wochen Zeit. Dann stoppte man die Ankündigung, um die Maßnahme noch einmal zu überdenken. Dann nahm man den Stop zurück und gab den Leuten sechs Wochen.&#xA;&#xA;Von da an ging es mit dem OSgrid noch schneller bergab. Ich weiß nicht, ob es daran lag, daß etliche Nutzer sich gleichzeitig komplette Inventare mit zigtausend Objekten drin – von denen wahrscheinlich etliche oder gar alle wiederbeschaffbar wären und der Rest zur Not zu einem Avatar in einem anderen Grid ausgelagert werden könnte – als IARs rausschreiben wollten.&#xA;&#xA;Jedenfalls luden Objekte und Texturen im OSgrid auf einmal fürchterlich langsam. Noch dazu stürzte das OSgrid auf einmal praktisch täglich ab. Und nach jedem Crash und Neustart waren mehr Assets kaputt. So manch ein IAR-Export lief nicht mal komplett durch, bevor das Grid wieder abstürzte und wieder mehr Assets kaputtmachte. Im Grunde waren alle Versuche, Content aus dem OSgrid zu sichern, zunehmend zwecklos, weil der Content mit großer Wahrscheinlichkeit eh im Eimer war.&#xA;&#xA;Mir selbst war es kürzlich passiert, daß ich beim Login feststellte, daß alles, was an meinen OSgrid-Jupiter angehängt war, nicht mehr funktionierte. Alles. Den Body konnte ich aus einer Box holen, in der er noch intakt war. Aber die Haare waren eingestellt, die konnte ich nicht einfach aus einer Box holen. Und die Brille war nicht nur eingestellt, sondern modifiziert. Die mußte ein anderer Jupiter aus dem Hypergrid vorbeibringen.&#xA;&#xA;Am vorgestrigen Montag war ein Punkt erreicht, wo selbst IARs, die die Admins exportierten, so kaputt waren, daß sie unbrauchbar waren. Das ganze OSgrid war im Grunde derartig instabil geworden, daß sie keine andere Wahl hatten, als das Grid von jetzt auf gleich offline zu nehmen.&#xA;&#xA;Jetzt sind noch aufwendigere Sanierungsmaßnahmen anberaumt worden. Der Asset-Server wird früher oder später wahrscheinlich sowieso geputzt werden. Aber die Admins planen jetzt wohl auch einen aufwendigen Totalumbau des Asset-Server, um ihn zuverlässiger zu bekommen. Was genau sie da vorhaben, geht aus der Ankündigung nicht so wirklich hervor.&#xA;&#xA;Auf jeden Fall ist wohl mit einer Auszeit von dem einen oder anderen Monat zu rechnen.&#xA;&#xA;Wer sich jetzt ärgert, keine Sicherungen nach der Ankündigung gemacht zu haben: Mal ehrlich – je später ihr die gemacht hättet, desto kaputter wären die jetzt. Idealerweise solltet ihr ein ganzes Sortiment an noch älteren Sicherungen haben aus Zeiten, als noch nicht soviel im OSgrid kaputt war.&#xA;&#xA;Und die beste Sicherung ist immer noch, seine Sachen nicht nur bei einem einzigen Avatar in einem einzigen Grid im Inventar zu haben.&#xA;&#xA;#OpenSim #News]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit gestern nacht ist das <a href="https://osgrid.org" rel="nofollow">OSgrid</a> offline. Und es wird auf unbestimmte Zeit offline bleiben. Mit etwas Verspätung hat das OSgrid <a href="https://www.osgrid.online/news/maintenance-mode/" rel="nofollow">die offizielle Verlautbarung nun auch ins offizielle Blog gestellt</a>. Wie könnte es anders sein – der Grund ist immer noch der malade Asset-Server. </p>

<p>Im OSgrid dampft die Kacke ja schon länger, was den Asset-Server angeht. In den letzten Jahren hat es mehrere Versuche gegeben, das Problem zu beheben. Umzug auf stärkere Hardware. Andere Organisation. Danach kamen verschiedene Versuche, den Asset-Server irgendwie zu reparieren oder zu optimieren. Jeweils, um mehr Leistung rauszukitzeln. Brachte alles nichts.</p>

<p>Im Gegenteil: Mit jedem Umzug gingen Assets kaputt. Immer wieder hieß es: „Ja, die nächsten Monate müßt ihr damit leben, daß Assets nicht zur Verfügung stehen werden. Das ist ein Nebeneffekt. Aber danach wird alles tutti sein.“ Ein „danach“ gab es aber nie, denn jede Maßnahme endete mit mehr dauerhaft kaputten Assets.</p>

<p>Anfang Februar war dann klar: Was dem Asset-Server zu schaffen macht, sind die Unmengen an Assets, die sich seit 2007 angesammelt haben. Zum einen, so schätzten die Admins, werden mindestens 60% davon eh nicht mehr gebraucht. Zum anderen waren nicht wenige Assets eh kaputt. Und an genau diesen kaputten Assets blieb der seit Monaten laufende Reparaturprozeß ständig hängen, so daß er noch <em>Jahre</em> hätte laufen müssen, obwohl er eigentlich bald hätte durch sein müssen.</p>

<p>Das, so stellte sich heraus, ließ sich realistischerweise nur auf eine Art lösen: <a href="https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/asset-reset-das-osgrid-wird-alle-inventare-blank-putzen" rel="nofollow">indem der Asset-Server einmal komplett leergeräumt</a> und anschließend von den aktiven Nutzern wieder per IARs und OARs befüllt wird. Zum Putzen sollte das OSgrid etwa eine Woche offline bleiben. Die Gridbewohner sollten also zum einen ihre – ohnehin samt und sonders extern angehängten – Sims als OARs und zum anderen ihre Inventare als IARs sichern. Wer kein Land hat, konnte auf mindestens einer speziell dafür vorgesehenen Sim, die täglich gesichert wurde, Boxen aufstellen mit Sachen, die erhalten bleiben sollten.</p>

<p>Erst hatten die Leute etwa vier Wochen Zeit. Dann stoppte man die Ankündigung, um die Maßnahme noch einmal zu überdenken. Dann nahm man den Stop zurück und gab den Leuten sechs Wochen.</p>

<p>Von da an ging es mit dem OSgrid noch schneller bergab. Ich weiß nicht, ob es daran lag, daß etliche Nutzer sich gleichzeitig komplette Inventare mit zigtausend Objekten drin – von denen wahrscheinlich etliche oder gar alle wiederbeschaffbar wären und der Rest zur Not zu einem Avatar in einem anderen Grid ausgelagert werden könnte – als IARs rausschreiben wollten.</p>

<p>Jedenfalls luden Objekte und Texturen im OSgrid auf einmal fürchterlich langsam. Noch dazu stürzte das OSgrid auf einmal praktisch täglich ab. Und nach jedem Crash und Neustart waren mehr Assets kaputt. So manch ein IAR-Export lief nicht mal komplett durch, bevor das Grid wieder abstürzte und wieder mehr Assets kaputtmachte. Im Grunde waren alle Versuche, Content aus dem OSgrid zu sichern, zunehmend zwecklos, weil der Content mit großer Wahrscheinlichkeit eh im Eimer war.</p>

<p>Mir selbst war es kürzlich passiert, daß ich beim Login feststellte, daß alles, was an meinen OSgrid-Jupiter angehängt war, nicht mehr funktionierte. <em>Alles</em>. Den Body konnte ich aus einer Box holen, in der er noch intakt war. Aber die Haare waren eingestellt, die konnte ich nicht einfach aus einer Box holen. Und die Brille war nicht nur eingestellt, sondern modifiziert. Die mußte ein anderer Jupiter aus dem Hypergrid vorbeibringen.</p>

<p>Am vorgestrigen Montag war ein Punkt erreicht, wo selbst IARs, die die Admins exportierten, so kaputt waren, daß sie unbrauchbar waren. Das ganze OSgrid war im Grunde derartig instabil geworden, daß sie keine andere Wahl hatten, als das Grid von jetzt auf gleich offline zu nehmen.</p>

<p>Jetzt sind noch aufwendigere Sanierungsmaßnahmen anberaumt worden. Der Asset-Server wird früher oder später wahrscheinlich sowieso geputzt werden. Aber die Admins planen jetzt wohl auch einen aufwendigen Totalumbau des Asset-Server, um ihn zuverlässiger zu bekommen. Was genau sie da vorhaben, geht aus der Ankündigung nicht so wirklich hervor.</p>

<p>Auf jeden Fall ist wohl mit einer Auszeit von dem einen oder anderen Monat zu rechnen.</p>

<p>Wer sich jetzt ärgert, keine Sicherungen nach der Ankündigung gemacht zu haben: Mal ehrlich – je später ihr die gemacht hättet, desto kaputter wären die jetzt. Idealerweise solltet ihr ein ganzes Sortiment an noch älteren Sicherungen haben aus Zeiten, als noch nicht soviel im OSgrid kaputt war.</p>

<p>Und die beste Sicherung ist immer noch, seine Sachen nicht nur bei einem einzigen Avatar in einem einzigen Grid im Inventar zu haben.</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:News" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">News</span></a></p>
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      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/asset-apocalypse-und-dann-ging-es-ganz-schnell-mit-dem-osgrid</guid>
      <pubDate>Wed, 05 Mar 2025 22:41:52 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Asset Reset: Das OSgrid wird alle Inventare blank putzen</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/asset-reset-das-osgrid-wird-alle-inventare-blank-putzen</link>
      <description>&lt;![CDATA[Daß der Assetserver im OSgrid ein Problemfall ist, ist ja inzwischen allgemein bekannt. Jetzt hat sich herausgestellt, wie kaputt der ist. Die aktuellen Reparaturmaßnahmen, die auch schon seit Monaten laufen, sind immer noch bei nur 20%.&#xA;&#xA;Wenn man etwas anziehen oder anderweitig rezzen will, liegt die Wahrscheinlichkeit, daß es kaputt ist, auch schon mal bei über 50%, wenn man es schon länger hat. Es hat immer geheißen, das ist ein Nebeneffekt erst der Servermigration, jetzt der laufenden Reparatur, das geht in ein paar Monaten vorbei. Stand jetzt würde die Reparatur noch jahrelang so weitergehen.&#xA;&#xA;Also hat sich die Gridadministration zu einem drastischen Schritt entschlossen, dem die kompletten Inventare aller Avatare zum Opfer fallen werden. !--more--&#xA;&#xA;18 Jahre Assetsammelei&#xA;&#xA;Wo das Problem liegt, ist identifiziert worden. Erstens ist das OSgrid locker das älteste aller OpenSim-Grids. Diesen Sommer wird es seinen 18. Gridgeburtstag feiern. Bis dahin wollen sie es wohl fit haben.&#xA;&#xA;Aber in 18 Jahren hat sich so einiges an Kram angesammelt. Von diesen ganzen Assets ist zweitens die Mehrzahl nirgendwo mehr in Verwendung. Das sind häufig beispielsweise WIPs oder alte Stände oder dergleichen, Sachen, die so nie als Endprodukte vorgesehen waren. Das können auch Bauten sein, die mal für bestimmte Sims gebaut wurden, aber die Sims gibt’s nicht mehr. Will sagen, eigentlich kann das weg. Natürlich könnte man den Asset-Server manuell bereinigen. Aber der erkennt nur, was in-world gerezzt ist inklusive den Inhalten von Boxen bis zu einer gewissen Tiefe. Was in Inventaren ist, kann dabei nicht berücksichtigt werden.&#xA;&#xA;Drittens und vor allem sind viele Assets schlicht und ergreifend komplett im Eimer. Ich rede hier nicht einfach von Sachen, bei denen Bestandteile fehlen aufgrund der Umschichterei oder die deswegen gänzlich abhanden gekommen sind – wobei das vermutlich auch zum Problem beiträgt, weil diese Sachen noch nicht wieder zusammengefunden haben.&#xA;&#xA;Vielmehr rede ich besonders von Mesh, das aus Second Life geklaut wurde. Das ist ja früher in rauhen Mengen und auch mal entsprechend schlampig importiert worden, vor allem der Beifang vom Copybotten ganzer Sims, der dann in „Stuff“-Boxen landete. Gerade da hat man ja allerhöchstens das Nötigste gemacht und kein bißchen auf Zustand und Qualität geachtet. Solche kaputten Sachen sind es, die den Assetserver vom OSgrid ausbremsen, weil der verbissen versucht, die zu reparieren.&#xA;&#xA;Oben drauf kommen Assets, die etwa seit der großen Wiederherstellungsaktion 2014/2015 nicht mehr in einem Stück sind. Oder solche, die bei Umzügen des Assetservers kaputtgingen, die dann auch nie jemand repariert hat. Oder auch uralte Skripte, die ganz einfach nicht mehr funktionieren. Und dergleichen.&#xA;&#xA;Tiefenreinigung&#xA;&#xA;Nun hat es sich als wenig praktikabel erwiesen zu hoffen, daß das noch irgendwie automatisiert reparabel ist.&#xA;&#xA;Den Leuten zu sagen, sie sollen mal gucken, was sie an kaputtem Kram in den Inventaren haben, bringt auch nichts. Erstens weiß man das nicht unbedingt. Zweitens, wenn es aus dem Inventar gelöscht wird, existiert es als Assets weiter auf dem Server. Und drittens hat gerade das OSgrid Unmengen an Avataren, die schon ewig nicht mehr genutzt wurden. Da kann man nicht hoffen, daß die Eigentümer sich da einloggen und die Inventare händisch pflegen.&#xA;&#xA;Jetzt soll das OSgrid aber wohl bis zum 18. Geburtstag im Sommer wieder fit werden. Also hat man sich vor ein paar Tagen zu einem harten Schnitt entschlossen, der die einzige noch gangbare Lösung ist. Und das ist, den Asset-Server komplett leerzuräumen.&#xA;&#xA;Die Idee ist wie folgt: Die Nutzer sollen ihre Sims als OARs und, sofern sie dafür Land zur Verfügung haben, ihre Inventare als IARs sichern. Später sollen sie die dann wieder einspielen können. Damit soll auch der Asset-Server neu befüllt werden, und zwar nur mit den Assets, die auch wirklich gebraucht werden.&#xA;&#xA;Und so sieht der Plan jetzt aus: Bis zum 21. März sollen die Einwohner des OSgrid ihre Inventare als IARs und ihre Sims als OARs sichern. Dann wird das OSgrid offline genommen. Es soll dann laut Plan eine Woche offline bleiben. In dieser Zeit wird der Asset-Server komplett gelöscht. Danach kommt es wieder online, und die IARs und OARs können wieder hochgeladen werden, wodurch der Asset-Server dann nur mit dem befüllt wird, was auch wirklich gebraucht wird.&#xA;&#xA;Unerwartete Konsequenzen&#xA;&#xA;Ziel des Plans ist es also, daß die OSgrid-Einwohner zurückkehren in ein sehr viel besser funktionierendes OSgrid. Fakt ist aber: Die Administration hat bei den Einwohnern sowieso schon viel Vertrauen verspielt. Mit dem Schritt, allen Einwohnern den kompletten Inhalt ihrer Inventare wegzunehmen, haben sie noch einen draufgesetzt. Sie behaupten zwar, hinterher läuft das OSgrid besser. Aber davor steht für die meisten der Verlust mehrerer Jahre an Arbeit und Contentsuche. Außerdem haben die OSgrid-Admins auch bei den vorherigen Maßnahmen das Blaue vom Himmel versprochen und nicht eingehalten.&#xA;&#xA;Nicht wenige von denen, die Sims ans OSgrid angehängt haben – Land mieten kann man da ja nicht –, exportieren also jetzt schon ihre Sims als OARs, aber nicht, um sie Ende März oder Anfang April wieder ins OSgrid einzuspielen. Statt dessen packen sie die Gelegenheit beim Schopfe und ziehen mit den OARs einfach in andere Grids um. Interessanterweise profitieren davon gerade auch kommerzielle Grids.&#xA;&#xA;Vor allem das Wolf Territories Grid von Lone Wolf wächst gerade wie verrückt. Zunächst einmal ist es ohnehin schon das größte Grid in OpenSim. Vor allem in puncto Fläche hat es das OSgrid schon lange überholt, und das, obwohl man im krassen Gegensatz zum OSgrid keine Sims anhängen, sondern nur Land mieten kann. Und die Wolf Territories gelten nicht gerade als billiges Grid.&#xA;&#xA;Aber man bekommt etwas fürs Geld: Das Grid ist erst drei Jahre alt, wurde aber von vornherein auf immense Größe ausgelegt. Durch eine moderne Architektur und verteilte Server skaliert es wesentlich besser als das OSgrid, das älteste Grid überhaupt – gestartet 2007 –, das in Teilen auf uralter Technologie läuft. Beispielsweise muß man sich im OSgrid wie früher auch im Metropolis Metaversum von 2008 den Papierkorb im Inventar zusätzlich über das Webinterface leeren, und Gruppen im OSgrid funktionieren bis heute nicht über das Hypergrid. Überhaupt konnte das OSgrid nur so groß werden, weil jeder Simbetreiber seine Sims selbst hosten und extern anhängen muß. Und während das OSgrid als Testgelände der Entwicklung auf Vanilla-OpenSim in einer instabilen Bleeding-Edge-Entwicklerversion läuft, setzen die Wolf Territories auf den modernisierten und optimierten Softfork OpenSim Core ++, vormals OpenSim-NGC.&#xA;&#xA;Viele begreifen auch: Wat nix kost’, is’ nix. Das Anhängen von Sims ist im OSgrid immer noch kostenlos – bis natürlich auf das eigene Hosting der Sim, und sei es zu Hause. Das OSgrid finanziert sich nur aus Spenden – zu denen vor allem auf der Lbsa Plaza gleich mehrfach aufgerufen wird – und durch eine jährliche Auktion, zu der kreative Bewohner neue Kreationen spenden, die dann vom OSgrid versteigert werden. Die Einnahmen gehen ausschließlich ans OSgrid, das sie vor allem für seinen maladen Assetserver braucht. Die Wolf Territories haben dagegen durch das Vermieten von Land eine sehr viel stabilere und verläßlichere Einnahmequelle.&#xA;&#xA;Die Wolf Territories lassen IAR-Importe nur in äußersten Notfällen zu; das ist eine Einschränkung. Aber wer mit seinem Land vom OSgrid umzieht, hat auf dem eigenen Land Zugriff auf den Admin Mode, auch bekannt als God Mode, und kann seinem eigenen neuen Avatar in den Wolf Territories auch Sachen direkt zuschicken, die No-Transfer sind. Das heißt: Das Inventar wird Stück für Stück übertragen, zumindest das, was man auch wirklich behalten will und nicht neu beschaffen kann. Da könnte man sogar noch überprüfen, ob es noch intakt ist.&#xA;&#xA;Erwartbare Probleme&#xA;&#xA;Fakt ist nämlich: Jetzt aktuell sind viele Sachen in den Inventaren von OSgrid-Avataren ohnehin kaputt. Häufig fehlen etwa Texturen, weil der Assetserver sie nicht zuordnen kann. Oder die Sachen sind zwar im Inventar eingetragen, aber der Assetserver kennt sie gar nicht mehr.&#xA;&#xA;Das ist übrigens in vielen Fällen durchaus reparabel: Man muß zunächst einmal wissen, in welchem Grid diese Sachen noch intakt sind. Das geht am besten, wenn sie eben nicht aus dem OSgrid kommen, aber auch, wenn man die Sachen auch noch bei einem Alt außerhalb des OSgrid hat. Dann geht man in dieses andere Grid, zieht die im OSgrid defekten Sachen da an bzw. hängt sie an den Avatar und geht zurück ins OSgrid. Ein Weilchen sollte man sie noch anbehalten, dann sollten sie wieder funktionieren.&#xA;&#xA;Zum einen kennt den Trick allerdings fast niemand. Zum anderen: Wer überprüft alle Assets vor dem Versenden an andere Avatare oder gar den kompletten Inhalt des eigenen Inventars vor dem Sichern eines IAR? Gerade bei IARs hat das zur Folge, daß man damit Unmengen an kaputtem Content sichert. Beim Zurückspielen eines IAR kann dafür gesorgt werden, daß Assets, die auf dem Assetserver schon vorhanden sind, nicht neu eingespielt werden, sondern statt dessen auf schon vorhandene Kopien verwiesen wird. Das ist aber kein Default, also wird das kaum jemand machen – es sei denn, im OSgrid oder anderswo machen die Admins das zum Default oder legen es gar fest, falls das gehen sollte.&#xA;&#xA;Ein anderes Problem ist die Informationspolitik des OSgrid. Da setzt man nämlich nicht auf anerkannte freie Standards. Als Einwohner hinterlegt man zwar eine E-Mail-Adresse. Die wird aber nie für Mitteilungen genutzt. Ich selbst habe in knapp vier Jahren nicht eine einzige Mail vom OSgrid erhalten. Es gibt einen Newsletter, aber der wird im offiziellen Blog nur ganz unten erwähnt und verlinkt. Und eine so essentiell wichtige Mitteilung sollte niemals über etwas laufen, was opt-in ist. Ach ja, das Blog scheint keinen Feed zu generieren. Als wäre das noch nicht genug, ist das offizielle OSgrid-Forum mausetot, und alles an Kommunikation inklusive Support wird nur noch über Discord abgefackelt.&#xA;&#xA;Das wird dazu führen, daß diejenigen, die nur selten online sind, von dieser ganzen Geschichte genau überhaupt nichts erfahren. Aber auch wenn man sich ab und an ins OSgrid einloggt, sieht man im Viewer unter „Upcoming Event“ etwas so Vages, daß man eher geneigt ist, es komplett zu ignorieren. Sehr viele Einwohner des OSgrid werden schlicht und ergreifend nichts von dieser ganzen Geschichte erfahren, und zwar gerade auch solche, die sonst aktiv in OpenSim sind, ihren OSgrid-Avatar aber nur selten nutzen. Ab Juni werden dann viele völlig überraschenderweise dastehen mit leerem Inventar, womöglich auch mit leergeputzter selbstgehosteter Sim und schlimmstenfalls ohne jegliche Sicherung.&#xA;&#xA;Aber auch viele aktive Einwohner des OSgrid werden möglicherweise nicht Bescheid wissen. Die offiziellen OSgrid-Informationskanäle verlangen, daß man sich diese Informationen selbst beschafft. Nicht jeder dürfte das tun. Auf OpenSimWorld wurde das Ganze auch nur von einem ganz normalen Nutzer verbreitet und versinkt allmählich auf hintere Seiten. Und wenn man dann auch da nicht oder kaum aktiv ist – außer um gelegentlich eine Veranstaltung anzukündigen – und die eigene Bubble auch nicht Bescheid weiß, dann steht man am Ende auch total überrascht da mit immensen Verlusten an wichtigem, unersetzlichem Content.&#xA;&#xA;Der einzige Hinweis in-world ist ein großes gelbes rotierendes Fragezeichen auf den Plazas im OSgrid. Wenn man es anklickt, bekommt man eine Notecard mit Anweisungen. Aber weder das Fragezeichen selbst noch die Notecard sagt direktweg im Klartext, worum es geht. Das Fragezeichen selbst wirkt noch nicht einmal wirklich interessant; die meisten werden es also ignorieren. Und auch nicht jeder im OSgrid kommt mindestens einmal auf einer der Plazas vorbei.&#xA;&#xA;Es gibt auch eine Varsim, auf der diejenigen Avatare Sachen aus ihrem Inventar in Boxen einlagern können, die kein eigenes Land haben, und die täglich als OAR gesichert wird. Der Standort dieser Sim kann auch nur über dieses Fragezeichen in Erfahrung gebracht werden. Ich weiß auch nicht, ob die Sim für Hypergridder zugänglich ist.&#xA;&#xA;Ein Besuch meiner In-World-Schwester Juno am gestrigen Donnerstag auf der Lbsa Plaza zeigte: Wer nicht gerade ein alter Hase ist, der sich entsprechende Maßnahmen selbst ausknobeln kann, und den offiziellen Informationen selbsttätig folgt, steht dieser ganzen Situation total hilflos gegenüber. So mangelhaft ist die Informationspolitik des OSgrid, vor allem das Vermögen, den Nutzern die Situation in einer Form zu erklären, die nicht nur Entwickler und Administratoren verstehen.&#xA;&#xA;Unschöne Nebenwirkungen&#xA;&#xA;Das Herausschreiben gerade von OARs per Kommandozeile wird auch nur sehr rudimentär erklärt mit dem grundlegendsten möglichen Befehl. Der bewirkt allerdings, daß die Schöpfer und Eigentümer der Objekte auf der Sim nicht mitgespeichert werden. Wenn das OAR wieder eingespielt wird, gehört auf einmal alles auf der Sim demjenigen, der es eingespielt hat, und der ist dann auch der Schöpfer.&#xA;&#xA;Genau das wird denjenigen auf die Füße fallen, die Rezzrechte auf anderer Leute Sims haben. Nach dem Wiedereinspielen des OAR gehören ihnen auf einmal ihre bisherigen Sachen nicht mehr. Da darf sich dann der Sim-Eigner dran machen, mit God Mode womöglich hunderte Objekte jemand anderem zu übertragen, wenn das denn überhaupt geht. Davon bin ich möglicherweise selbst auch betroffen.&#xA;&#xA;Eine andere Nebenwirkung scheint von vielen geradezu herbeigesehnt zu werden – und das ist das Verschwinden von Content, der als veraltet gilt. Für einige fallen darunter schon Mesh-Sachen, die Mitte, Ende der 2010er aus Second Life gestohlen und – im Gegensatz zu Athena – nie überarbeitet wurden.&#xA;&#xA;Ganz besonders beziehen sie sich aber auf den Großteil des legalen Content in OpenSim, insbesondere Layerkleidung. Die kann heutzutage noch sehr nützlich sein – beziehungsweise wieder, seit Bakes-on-Mesh auch in OpenSim angekommen ist. Aber „die Leute“ wollen ja nur die neuesten, besten, heißesten Mesh-Luxusartikel aus Second Life haben. Und wenn beispielsweise massenhaft Layer-Strümpfe und -Strumpfhosen verschwinden – was soll’s? Selfst feinbestrumpfte Damenbeine sind doch nicht annähernd so sexy wie nackte, oder? Das heißt, außer wenn die Strumpfbänder zu sehen sind, weil der Rocksaum noch höher liegt.&#xA;&#xA;Wer sich als weiblicher Avatar für eine schnee- und eisbedeckte Weihnachtssim entsprechend warm anzieht, statt wie üblich mehr Haut freizulegen als nicht, macht in OpenSim ganz augenscheinlich ebenso etwas falsch, wie wer irgendetwas am Avatar trägt, das nicht aus Second Life geklaut ist.&#xA;&#xA;Jedenfalls werde ich versuchen, so einiges an noch nützlicher, schwer zu bekommender Layerkleidung in noch mindestens einem anderen Grid anzubieten, damit sie erhalten bleibt.&#xA;&#xA;Wie wird es weitergehen?&#xA;&#xA;Solange das OSgrid diese Maßnahme noch nicht durchgezogen hat, ist ja auch noch nicht klar, wie es danach mit dem Grid weitergehen wird. Möglicherweise wird es tatsächlich endlich wieder performanter. Aber vor allem angesichts der vielen Nutzer und Sims, die in die Wolf Territories umziehen, wird die große Zeit des OSgrid als der ewige Spitzenreiter in allen Disziplinen vorbei sein. Es wird nicht mehr das größte Grid nach Fläche sein, es wird möglicherweise gar wieder unter die Größe von Second Life fallen. Es wird auch endgültig nicht mehr das Grid mit den meisten aktiven Nutzern sein.&#xA;&#xA;Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, daß das OSgrid ja immer eigentlich eine Testumgebung für die Entwickler war und nur als „Leuchtturmgrid“ so groß geworden ist. Sich auf ein Grid zu verlassen, das eine instabile Entwicklerversion von OpenSim fährt, ist vielleicht nicht die schlaueste Idee.&#xA;&#xA;#OpenSim #News]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Daß der Assetserver im <a href="https://osgrid.org" rel="nofollow">OSgrid</a> ein Problemfall ist, ist ja inzwischen allgemein bekannt. Jetzt hat sich herausgestellt, <em>wie</em> kaputt der ist. Die aktuellen Reparaturmaßnahmen, die auch schon seit Monaten laufen, sind immer noch bei nur 20%.</p>

<p>Wenn man etwas anziehen oder anderweitig rezzen will, liegt die Wahrscheinlichkeit, daß es kaputt ist, auch schon mal bei über 50%, wenn man es schon länger hat. Es hat immer geheißen, das ist ein Nebeneffekt erst der Servermigration, jetzt der laufenden Reparatur, das geht in ein paar Monaten vorbei. Stand jetzt würde die Reparatur noch jahrelang so weitergehen.</p>

<p>Also hat sich die Gridadministration zu <a href="https://www.osgrid.online/news/asset-reset/" rel="nofollow">einem drastischen Schritt</a> entschlossen, dem die kompletten Inventare aller Avatare zum Opfer fallen werden. </p>

<h2 id="18-jahre-assetsammelei">18 Jahre Assetsammelei</h2>

<p>Wo das Problem liegt, ist identifiziert worden. Erstens ist das OSgrid locker das älteste aller OpenSim-Grids. Diesen Sommer wird es seinen 18. Gridgeburtstag feiern. Bis dahin wollen sie es wohl fit haben.</p>

<p>Aber in 18 Jahren hat sich so einiges an Kram angesammelt. Von diesen ganzen Assets ist zweitens die Mehrzahl nirgendwo mehr in Verwendung. Das sind häufig beispielsweise WIPs oder alte Stände oder dergleichen, Sachen, die so nie als Endprodukte vorgesehen waren. Das können auch Bauten sein, die mal für bestimmte Sims gebaut wurden, aber die Sims gibt’s nicht mehr. Will sagen, eigentlich kann das weg. Natürlich könnte man den Asset-Server manuell bereinigen. Aber der erkennt nur, was in-world gerezzt ist inklusive den Inhalten von Boxen bis zu einer gewissen Tiefe. Was in Inventaren ist, kann dabei nicht berücksichtigt werden.</p>

<p>Drittens und vor allem sind viele Assets schlicht und ergreifend komplett im Eimer. Ich rede hier nicht einfach von Sachen, bei denen Bestandteile fehlen aufgrund der Umschichterei oder die deswegen gänzlich abhanden gekommen sind – wobei das vermutlich auch zum Problem beiträgt, weil diese Sachen noch nicht wieder zusammengefunden haben.</p>

<p>Vielmehr rede ich besonders von Mesh, das aus Second Life geklaut wurde. Das ist ja früher in rauhen Mengen und auch mal entsprechend schlampig importiert worden, vor allem der Beifang vom Copybotten ganzer Sims, der dann in „Stuff“-Boxen landete. Gerade da hat man ja allerhöchstens das Nötigste gemacht und kein bißchen auf Zustand und Qualität geachtet. Solche kaputten Sachen sind es, die den Assetserver vom OSgrid ausbremsen, weil der verbissen versucht, die zu reparieren.</p>

<p>Oben drauf kommen Assets, die etwa seit der großen Wiederherstellungsaktion 2014/2015 nicht mehr in einem Stück sind. Oder solche, die bei Umzügen des Assetservers kaputtgingen, die dann auch nie jemand repariert hat. Oder auch uralte Skripte, die ganz einfach nicht mehr funktionieren. Und dergleichen.</p>

<h2 id="tiefenreinigung">Tiefenreinigung</h2>

<p>Nun hat es sich als wenig praktikabel erwiesen zu hoffen, daß das noch irgendwie automatisiert reparabel ist.</p>

<p>Den Leuten zu sagen, sie sollen mal gucken, was sie an kaputtem Kram in den Inventaren haben, bringt auch nichts. Erstens weiß man das nicht unbedingt. Zweitens, wenn es aus dem Inventar gelöscht wird, existiert es als Assets weiter auf dem Server. Und drittens hat gerade das OSgrid Unmengen an Avataren, die schon ewig nicht mehr genutzt wurden. Da kann man nicht hoffen, daß die Eigentümer sich da einloggen und die Inventare händisch pflegen.</p>

<p>Jetzt soll das OSgrid aber wohl bis zum 18. Geburtstag im Sommer wieder fit werden. Also hat man sich vor ein paar Tagen zu einem harten Schnitt entschlossen, der die einzige noch gangbare Lösung ist. Und das ist, den Asset-Server komplett leerzuräumen.</p>

<p>Die Idee ist wie folgt: Die Nutzer sollen ihre Sims als OARs und, sofern sie dafür Land zur Verfügung haben, ihre Inventare als IARs sichern. Später sollen sie die dann wieder einspielen können. Damit soll auch der Asset-Server neu befüllt werden, und zwar nur mit den Assets, die auch wirklich gebraucht werden.</p>

<p>Und so sieht der Plan jetzt aus: Bis zum 21. März sollen die Einwohner des OSgrid ihre Inventare als IARs und ihre Sims als OARs sichern. Dann wird das OSgrid offline genommen. Es soll dann laut Plan eine Woche offline bleiben. In dieser Zeit wird der Asset-Server komplett gelöscht. Danach kommt es wieder online, und die IARs und OARs können wieder hochgeladen werden, wodurch der Asset-Server dann nur mit dem befüllt wird, was auch wirklich gebraucht wird.</p>

<h2 id="unerwartete-konsequenzen">Unerwartete Konsequenzen</h2>

<p>Ziel des Plans ist es also, daß die OSgrid-Einwohner zurückkehren in ein sehr viel besser funktionierendes OSgrid. Fakt ist aber: Die Administration hat bei den Einwohnern sowieso schon viel Vertrauen verspielt. Mit dem Schritt, allen Einwohnern den kompletten Inhalt ihrer Inventare wegzunehmen, haben sie noch einen draufgesetzt. Sie behaupten zwar, hinterher läuft das OSgrid besser. Aber davor steht für die meisten der Verlust mehrerer Jahre an Arbeit und Contentsuche. Außerdem haben die OSgrid-Admins auch bei den vorherigen Maßnahmen das Blaue vom Himmel versprochen und nicht eingehalten.</p>

<p>Nicht wenige von denen, die Sims ans OSgrid angehängt haben – Land mieten kann man da ja nicht –, exportieren also jetzt schon ihre Sims als OARs, aber nicht, um sie Ende März oder Anfang April wieder ins OSgrid einzuspielen. Statt dessen packen sie die Gelegenheit beim Schopfe und ziehen mit den OARs einfach in andere Grids um. Interessanterweise profitieren davon gerade auch kommerzielle Grids.</p>

<p>Vor allem das <a href="https://wolf-grid.com" rel="nofollow">Wolf Territories Grid</a> von <a href="https://opensimsocial.com/users/lonewolf" rel="nofollow">Lone Wolf</a> wächst gerade wie verrückt. Zunächst einmal ist es ohnehin schon das größte Grid in OpenSim. Vor allem in puncto Fläche hat es das OSgrid schon lange überholt, und das, obwohl man im krassen Gegensatz zum OSgrid keine Sims anhängen, sondern nur Land mieten kann. Und die Wolf Territories gelten nicht gerade als billiges Grid.</p>

<p>Aber man bekommt etwas fürs Geld: Das Grid ist erst drei Jahre alt, wurde aber von vornherein auf immense Größe ausgelegt. Durch eine moderne Architektur und verteilte Server skaliert es wesentlich besser als das OSgrid, das älteste Grid überhaupt – gestartet 2007 –, das in Teilen auf uralter Technologie läuft. Beispielsweise muß man sich im OSgrid wie früher auch im Metropolis Metaversum von 2008 den Papierkorb im Inventar zusätzlich über das Webinterface leeren, und Gruppen im OSgrid funktionieren bis heute nicht über das Hypergrid. Überhaupt konnte das OSgrid nur so groß werden, weil jeder Simbetreiber seine Sims selbst hosten und extern anhängen muß. Und während das OSgrid als Testgelände der Entwicklung auf Vanilla-OpenSim in einer instabilen Bleeding-Edge-Entwicklerversion läuft, setzen die Wolf Territories auf <a href="https://github.com/OpenSim-NGC/OpenSim-Tranquillity" rel="nofollow">den modernisierten und optimierten Softfork OpenSim Core ++</a>, vormals OpenSim-NGC.</p>

<p>Viele begreifen auch: Wat nix kost’, is’ nix. Das Anhängen von Sims ist im OSgrid immer noch kostenlos – bis natürlich auf das eigene Hosting der Sim, und sei es zu Hause. Das OSgrid finanziert sich nur aus Spenden – zu denen vor allem auf der <a href="https://opensimworld.com/hop/75039" rel="nofollow">Lbsa Plaza</a> gleich mehrfach aufgerufen wird – und durch eine jährliche Auktion, zu der kreative Bewohner neue Kreationen spenden, die dann vom OSgrid versteigert werden. Die Einnahmen gehen ausschließlich ans OSgrid, das sie vor allem für seinen maladen Assetserver braucht. Die Wolf Territories haben dagegen durch das Vermieten von Land eine sehr viel stabilere und verläßlichere Einnahmequelle.</p>

<p>Die Wolf Territories lassen IAR-Importe nur in äußersten Notfällen zu; das ist eine Einschränkung. Aber wer mit seinem Land vom OSgrid umzieht, hat auf dem eigenen Land Zugriff auf den Admin Mode, auch bekannt als God Mode, und kann seinem eigenen neuen Avatar in den Wolf Territories auch Sachen direkt zuschicken, die <a href="https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/grundbegriffe-in-opensim-rechte" rel="nofollow">No-Transfer</a> sind. Das heißt: Das Inventar wird Stück für Stück übertragen, zumindest das, was man auch wirklich behalten will und nicht neu beschaffen kann. Da könnte man sogar noch überprüfen, ob es noch intakt ist.</p>

<h2 id="erwartbare-probleme">Erwartbare Probleme</h2>

<p>Fakt ist nämlich: Jetzt aktuell sind viele Sachen in den Inventaren von OSgrid-Avataren ohnehin kaputt. Häufig fehlen etwa Texturen, weil der Assetserver sie nicht zuordnen kann. Oder die Sachen sind zwar im Inventar eingetragen, aber der Assetserver kennt sie gar nicht mehr.</p>

<p>Das ist übrigens in vielen Fällen durchaus reparabel: Man muß zunächst einmal wissen, in welchem Grid diese Sachen noch intakt sind. Das geht am besten, wenn sie eben nicht aus dem OSgrid kommen, aber auch, wenn man die Sachen auch noch bei einem <a href="https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/alts-ein-nutzer-mehrere-avatare" rel="nofollow">Alt</a> außerhalb des OSgrid hat. Dann geht man in dieses andere Grid, zieht die im OSgrid defekten Sachen da an bzw. hängt sie an den Avatar und geht zurück ins OSgrid. Ein Weilchen sollte man sie noch anbehalten, dann sollten sie wieder funktionieren.</p>

<p>Zum einen kennt den Trick allerdings fast niemand. Zum anderen: Wer überprüft alle Assets vor dem Versenden an andere Avatare oder gar den kompletten Inhalt des eigenen Inventars vor dem Sichern eines IAR? Gerade bei IARs hat das zur Folge, daß man damit Unmengen an kaputtem Content sichert. Beim Zurückspielen eines IAR kann dafür gesorgt werden, daß Assets, die auf dem Assetserver schon vorhanden sind, nicht neu eingespielt werden, sondern statt dessen auf schon vorhandene Kopien verwiesen wird. Das ist aber kein Default, also wird das kaum jemand machen – es sei denn, im OSgrid oder anderswo machen die Admins das zum Default oder legen es gar fest, falls das gehen sollte.</p>

<p>Ein anderes Problem ist die Informationspolitik des OSgrid. Da setzt man nämlich nicht auf anerkannte freie Standards. Als Einwohner hinterlegt man zwar eine E-Mail-Adresse. Die wird aber nie für Mitteilungen genutzt. Ich selbst habe in knapp vier Jahren nicht eine einzige Mail vom OSgrid erhalten. Es gibt <a href="https://www.osgrid.online/subscribe/" rel="nofollow">einen Newsletter</a>, aber der wird im <a href="https://www.osgrid.online/" rel="nofollow">offiziellen Blog</a> nur ganz unten erwähnt und verlinkt. Und eine so essentiell wichtige Mitteilung sollte niemals über etwas laufen, was opt-in ist. Ach ja, das Blog scheint keinen Feed zu generieren. Als wäre das noch nicht genug, ist <a href="https://accounts.osgrid.org/?q=forum" rel="nofollow">das offizielle OSgrid-Forum</a> mausetot, und alles an Kommunikation inklusive Support wird nur noch über Discord abgefackelt.</p>

<p>Das wird dazu führen, daß diejenigen, die nur selten online sind, von dieser ganzen Geschichte <em>genau überhaupt nichts erfahren</em>. Aber auch wenn man sich ab und an ins OSgrid einloggt, sieht man im Viewer unter „Upcoming Event“ etwas so Vages, daß man eher geneigt ist, es komplett zu ignorieren. Sehr viele Einwohner des OSgrid werden schlicht und ergreifend nichts von dieser ganzen Geschichte erfahren, und zwar gerade auch solche, die sonst aktiv in OpenSim sind, ihren OSgrid-Avatar aber nur selten nutzen. Ab Juni werden dann viele völlig überraschenderweise dastehen mit leerem Inventar, womöglich auch mit leergeputzter selbstgehosteter Sim und schlimmstenfalls ohne jegliche Sicherung.</p>

<p>Aber auch viele aktive Einwohner des OSgrid werden möglicherweise nicht Bescheid wissen. Die offiziellen OSgrid-Informationskanäle verlangen, daß man sich diese Informationen selbst beschafft. Nicht jeder dürfte das tun. Auf <a href="https://opensimworld.com" rel="nofollow">OpenSimWorld</a> wurde das Ganze auch nur <a href="https://opensimworld.com/post/116621" rel="nofollow">von einem ganz normalen Nutzer</a> verbreitet und versinkt allmählich auf hintere Seiten. Und wenn man dann auch da nicht oder kaum aktiv ist – außer um gelegentlich eine Veranstaltung anzukündigen – und die eigene Bubble auch nicht Bescheid weiß, dann steht man am Ende auch total überrascht da mit immensen Verlusten an wichtigem, unersetzlichem Content.</p>

<p>Der einzige Hinweis in-world ist ein großes gelbes rotierendes Fragezeichen auf den Plazas im OSgrid. Wenn man es anklickt, bekommt man eine Notecard mit Anweisungen. Aber weder das Fragezeichen selbst noch die Notecard sagt direktweg im Klartext, worum es geht. Das Fragezeichen selbst wirkt noch nicht einmal wirklich interessant; die meisten werden es also ignorieren. Und auch nicht jeder im OSgrid kommt mindestens einmal auf einer der Plazas vorbei.</p>

<p>Es gibt auch eine Varsim, auf der diejenigen Avatare Sachen aus ihrem Inventar in Boxen einlagern können, die kein eigenes Land haben, und die täglich als OAR gesichert wird. Der Standort dieser Sim kann auch nur über dieses Fragezeichen in Erfahrung gebracht werden. Ich weiß auch nicht, ob die Sim für Hypergridder zugänglich ist.</p>

<p>Ein Besuch meiner In-World-Schwester Juno am gestrigen Donnerstag auf der Lbsa Plaza zeigte: Wer nicht gerade ein alter Hase ist, der sich entsprechende Maßnahmen selbst ausknobeln kann, <em>und</em> den offiziellen Informationen selbsttätig folgt, steht dieser ganzen Situation total hilflos gegenüber. So mangelhaft ist die Informationspolitik des OSgrid, vor allem das Vermögen, den Nutzern die Situation in einer Form zu erklären, die nicht nur Entwickler und Administratoren verstehen.</p>

<h2 id="unschöne-nebenwirkungen">Unschöne Nebenwirkungen</h2>

<p>Das Herausschreiben gerade von OARs per Kommandozeile wird auch nur sehr rudimentär erklärt mit dem grundlegendsten möglichen Befehl. Der bewirkt allerdings, daß die Schöpfer und Eigentümer der Objekte auf der Sim nicht mitgespeichert werden. Wenn das OAR wieder eingespielt wird, gehört auf einmal alles auf der Sim demjenigen, der es eingespielt hat, und der ist dann auch der Schöpfer.</p>

<p>Genau das wird denjenigen auf die Füße fallen, die Rezzrechte auf anderer Leute Sims haben. Nach dem Wiedereinspielen des OAR gehören ihnen auf einmal ihre bisherigen Sachen nicht mehr. Da darf sich dann der Sim-Eigner dran machen, mit God Mode womöglich hunderte Objekte jemand anderem zu übertragen, wenn das denn überhaupt geht. Davon bin ich möglicherweise selbst auch betroffen.</p>

<p>Eine andere Nebenwirkung scheint von vielen geradezu herbeigesehnt zu werden – und das ist das Verschwinden von Content, der als veraltet gilt. Für einige fallen darunter schon Mesh-Sachen, die Mitte, Ende der 2010er aus Second Life gestohlen und – im Gegensatz zu Athena – nie überarbeitet wurden.</p>

<p>Ganz besonders beziehen sie sich aber auf den Großteil des legalen Content in OpenSim, insbesondere Layerkleidung. Die kann heutzutage noch sehr nützlich sein – beziehungsweise wieder, seit Bakes-on-Mesh auch in OpenSim angekommen ist. Aber „die Leute“ wollen ja nur die neuesten, besten, heißesten Mesh-Luxusartikel aus Second Life haben. Und wenn beispielsweise massenhaft Layer-Strümpfe und -Strumpfhosen verschwinden – was soll’s? Selfst feinbestrumpfte Damenbeine sind doch nicht annähernd so sexy wie nackte, oder? Das heißt, außer wenn die Strumpfbänder zu sehen sind, weil der Rocksaum noch höher liegt.</p>

<p>Wer sich als weiblicher Avatar für eine schnee- und eisbedeckte Weihnachtssim entsprechend warm anzieht, statt wie üblich mehr Haut freizulegen als nicht, macht in OpenSim ganz augenscheinlich ebenso etwas falsch, wie wer irgendetwas am Avatar trägt, das nicht aus Second Life geklaut ist.</p>

<p>Jedenfalls werde ich versuchen, so einiges an noch nützlicher, schwer zu bekommender Layerkleidung in noch mindestens einem anderen Grid anzubieten, damit sie erhalten bleibt.</p>

<h2 id="wie-wird-es-weitergehen">Wie wird es weitergehen?</h2>

<p>Solange das OSgrid diese Maßnahme noch nicht durchgezogen hat, ist ja auch noch nicht klar, wie es danach mit dem Grid weitergehen wird. Möglicherweise wird es tatsächlich endlich wieder performanter. Aber vor allem angesichts der vielen Nutzer und Sims, die in die Wolf Territories umziehen, wird die große Zeit des OSgrid als der ewige Spitzenreiter in allen Disziplinen vorbei sein. Es wird nicht mehr das größte Grid nach Fläche sein, es wird möglicherweise gar wieder unter die Größe von Second Life fallen. Es wird auch endgültig nicht mehr das Grid mit den meisten aktiven Nutzern sein.</p>

<p>Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, wenn man bedenkt, daß das OSgrid ja immer eigentlich eine Testumgebung für die Entwickler war und nur als „Leuchtturmgrid“ so groß geworden ist. Sich auf ein Grid zu verlassen, das eine instabile Entwicklerversion von OpenSim fährt, ist vielleicht nicht die schlaueste Idee.</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:News" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">News</span></a></p>
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      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/asset-reset-das-osgrid-wird-alle-inventare-blank-putzen</guid>
      <pubDate>Fri, 14 Feb 2025 21:09:28 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Das 3rd Rock Grid wird abgeschaltet</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/das-3rd-rock-grid-wird-abgeschaltet</link>
      <description>&lt;![CDATA[Und wieder werden wir eins der ältesten OpenSim-Grids verlieren, dieses Mal wieder mit Ansage. Und dieses Mal trifft es das 3rd Rock Grid, das drittälteste Grid, gestartet schon 2008. Am 15. Mai soll es abgeschaltet werden. !--more--&#xA;&#xA;Die Ursachen&#xA;&#xA;Allerdings hat das Grid über die Gründe wenig Kontrolle.&#xA;&#xA;Alles fing damit an, daß der Sysadmin das Grid von heute auf morgen verlassen hat. Er brach sämtlichen Kontakt ab und reagierte auch auf keine Anfragen mehr. Normalerweise wäre das ja kein Problem; man bestimmt einen neuen Sysadmin oder heuert einen neuen an, und weiter geht’s.&#xA;&#xA;Im 3rd Rock Grid war das aber nicht so einfach. Der Sysadmin war nämlich der einzige, der Zugang zu den Gridservern hatte, also auch alle Paßwörter und so weiter. Die hat er nie mit jemandem geteilt. Böser Fehler eigentlich, aber das ist so.&#xA;&#xA;Als wäre das noch nicht genug, hat er auch den OpenSim-Quellcode fürs 3rd Rock Grid verändert und verbessert. Allerdings hat er seine Veränderungen nie offengelegt und nirgendwo dokumentiert, und aufgrund genau dieser Veränderungen sind wohl alle üblichen Methoden, ein führerloses Grid zu „hijacken“, gescheitert. Wie gesagt, auf Anfrage hat er nie reagiert.&#xA;&#xA;Im Oktober 2023 ist dem 3rd Rock Grid dann einer der Regionserver kaputtgegangen, ausgerechnet der, auf dem unter anderem die Starfleet-Sims laufen. Eine Gridtechnikerin hat einige Zeit damit zugebracht, die Sims auf dem Server zu retten und bis Januar auf einen ganz neuen Server umzuziehen, zu dem dann zunächst einmal nur sie Zugang hatte. Sie hatte vor, im Februar nach Abschluß der ganzen Sache die Zugangsdaten an die übrige Gridadministration weiterzuleiten.&#xA;&#xA;Blöderweise hat sie aber noch im Januar das Zeitliche gesegnet, bevor sie das konnte. Also hat man auch auf diesen Server keinen Zugriff mehr.&#xA;&#xA;Kein Zugang zum leeren Cockpit mehr&#xA;&#xA;Jetzt haben die verbliebenen Admins auf die allermeisten Server null Zugriff. Die Server, auf die sie Zugriff erlangt haben, können sie nicht managen, weil der Sysadmin die Gridsoftware so umgebaut hat, daß sie sich in die nicht mehr einklinken können, nichts dokumentiert hat und partout nichts rausrückt. Das Ganze liest sich nämlich so, als wenn der Sysadmin auch wichtige Kommandozeilenbefehle so geändert hat, daß die Standards nicht mehr funktionieren.&#xA;&#xA;Kurzum: Das Grid kann nicht mehr administriert werden. Und weil es komplett sinnfrei und obendrein gefährlich ist, ein Grid weiterlaufen zu lassen ohne jegliche funktionierende Administration, haben die Admins gestern schweren Herzens beschlossen, daß es das Beste ist, das Grid endgültig abzuschalten.&#xA;&#xA;Was bleibt&#xA;&#xA;Ob überhaupt groß etwas vom Grid gerettet werden kann, ist momentan noch völlig offen. Sollte der Sysadmin wirklich die Kommandozeilenschnittstelle komplett umgeschrieben haben, wird es nicht mal möglich sein, IARs und OARs zu generieren und so die Inventare von Avataren und ganze Sims am Stück zu sichern.&#xA;&#xA;Um so empfehlenswerter ist es, das Grid in den nicht einmal zwei Monaten, die es noch läuft, zu besuchen, denn zu sehen gibt es nicht unbedingt wenig, etwa die Starfleet-Sims oder die Nuna Art Gallery. Das 3rd Rock Grid ist ziemlich benutzerfreundlich und bietet Teleporter überallhin von seiner Welcome-Sim (hop://grid.3rdrockgrid.com:8002/Welcome), genauer gesagt auf Navigation Island genau in der Mitte, wo der „Smiley“ seine „Nase“ hat.&#xA;&#xA;Eine letzte Shoppingtour&#xA;&#xA;Ebenfalls auf der Welcome-Sim, in der Südostecke (497,226,22), befindet sich ein Gebäude, das Newbies einweisen und ausstatten soll. Folglich gibt’s hier auch sehr viel Avatarausstattung, auch solche, die es exklusiv nur hier und sonst nirgendwo gibt.&#xA;&#xA;Leider ist viel davon einfach im Hypergrid zusammengeklaubt worden, und nicht alles davon ist legal. Beispielsweise gibt es eine Box mit Cardigans von Maitreya, die nicht einmal umbenannt worden sind. Und Onyx LeShelle hat nicht nur nie einer Verbreitung ihrer Produkte als Freebies auf OpenSim zugestimmt, sondern sogar in einem offenen Brief gefordert, daß diese entfernt werden. Vielfach erkennt nur das geschulte, erfahrene, kundige Auge, was legal ist und was nicht, und manchmal nicht einmal dann.&#xA;&#xA;Gerade von der legalen Damenbekleidung ist aber der Großteil exklusiv und wird höchstwahrscheinlich mit dem Shutdown des Grid nirgendwo mehr verfügbar sein. Dazu zählen mehrere Boxen von Dawn Greymyst mit Clutterfly-Meshkleidung, für die sie nicht nur neue Texturen gemacht hat, sondern auch HUDs, mit denen die Texturen gewechselt werden können. Wer für einen weiblichen Avatar legale Meshkleidung sucht, sollte hier zugreifen.&#xA;&#xA;Auch ein Blick auf die Damen-Layerkleidung lohnt sich. Hier gibt es etwa Badeanzüge, darauf basierende Gymnastikanzüge und Unterwäsche in durchweg überraschend guter Qualität. Außerdem liegen einige Boxen von Rhia Bachman aus, unter anderem mit Ballkleidern mit Flexi-Rockteilen.&#xA;&#xA;Für die Herren der Schöpfung lohnt sich ein Besuch eher nicht. An Exklusivcontent dürfte es da allenfalls Flexi-Haare oder das eine oder andere Kostüm geben.&#xA;&#xA;Leider aber kann man durchweg keine eigentlichen Boxen mitnehmen. Die sind nicht kopierbar und auch nicht kaufbar und geben ihre Inhalte nur mittels Skript heraus.&#xA;&#xA;So bleibt höchstens die Weitergabe von Avatar zu Avatar, die allerdings die Manipulation der Rechte mittels God-Mode erfordert, oder die Hoffnung, daß es anderweitig gelingt, die Boxen zu retten.&#xA;&#xA;#OpenSim #Grid #News #FürFortgeschrittene]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Und wieder werden wir eins der ältesten OpenSim-Grids verlieren, dieses Mal wieder mit Ansage. Und dieses Mal trifft es das <a href="https://www.3rdrockgrid.com" rel="nofollow">3rd Rock Grid</a>, das drittälteste Grid, gestartet schon 2008. <a href="https://opensimworld.com/post/107904" rel="nofollow">Am 15. Mai soll es abgeschaltet werden.</a> </p>

<h2 id="die-ursachen">Die Ursachen</h2>

<p>Allerdings hat das Grid über die Gründe wenig Kontrolle.</p>

<p>Alles fing damit an, daß der Sysadmin das Grid von heute auf morgen verlassen hat. Er brach sämtlichen Kontakt ab und reagierte auch auf keine Anfragen mehr. Normalerweise wäre das ja kein Problem; man bestimmt einen neuen Sysadmin oder heuert einen neuen an, und weiter geht’s.</p>

<p>Im 3rd Rock Grid war das aber nicht so einfach. Der Sysadmin war nämlich der einzige, der Zugang zu den Gridservern hatte, also auch alle Paßwörter und so weiter. Die hat er nie mit jemandem geteilt. Böser Fehler eigentlich, aber das ist so.</p>

<p>Als wäre das noch nicht genug, hat er auch den OpenSim-Quellcode fürs 3rd Rock Grid verändert und verbessert. Allerdings hat er seine Veränderungen nie offengelegt und nirgendwo dokumentiert, und aufgrund genau dieser Veränderungen sind wohl alle üblichen Methoden, ein führerloses Grid zu „hijacken“, gescheitert. Wie gesagt, auf Anfrage hat er nie reagiert.</p>

<p>Im Oktober 2023 ist dem 3rd Rock Grid dann einer der Regionserver kaputtgegangen, ausgerechnet der, auf dem unter anderem die Starfleet-Sims laufen. Eine Gridtechnikerin hat einige Zeit damit zugebracht, die Sims auf dem Server zu retten und bis Januar auf einen ganz neuen Server umzuziehen, zu dem dann zunächst einmal nur sie Zugang hatte. Sie hatte vor, im Februar nach Abschluß der ganzen Sache die Zugangsdaten an die übrige Gridadministration weiterzuleiten.</p>

<p>Blöderweise hat sie aber noch im Januar das Zeitliche gesegnet, bevor sie das konnte. Also hat man auch auf diesen Server keinen Zugriff mehr.</p>

<h2 id="kein-zugang-zum-leeren-cockpit-mehr">Kein Zugang zum leeren Cockpit mehr</h2>

<p>Jetzt haben die verbliebenen Admins auf die allermeisten Server null Zugriff. Die Server, auf die sie Zugriff erlangt haben, können sie nicht managen, weil der Sysadmin die Gridsoftware so umgebaut hat, daß sie sich in die nicht mehr einklinken können, nichts dokumentiert hat und partout nichts rausrückt. Das Ganze liest sich nämlich so, als wenn der Sysadmin auch wichtige Kommandozeilenbefehle so geändert hat, daß die Standards nicht mehr funktionieren.</p>

<p>Kurzum: Das Grid kann nicht mehr administriert werden. Und weil es komplett sinnfrei und obendrein gefährlich ist, ein Grid weiterlaufen zu lassen ohne jegliche funktionierende Administration, haben die Admins gestern schweren Herzens beschlossen, daß es das Beste ist, das Grid endgültig abzuschalten.</p>

<h2 id="was-bleibt">Was bleibt</h2>

<p>Ob überhaupt groß etwas vom Grid gerettet werden kann, ist momentan noch völlig offen. Sollte der Sysadmin wirklich die Kommandozeilenschnittstelle komplett umgeschrieben haben, wird es nicht mal möglich sein, IARs und OARs zu generieren und so die Inventare von Avataren und ganze Sims am Stück zu sichern.</p>

<p>Um so empfehlenswerter ist es, das Grid in den nicht einmal zwei Monaten, die es noch läuft, zu besuchen, denn zu sehen gibt es nicht unbedingt wenig, etwa die Starfleet-Sims oder die Nuna Art Gallery. Das 3rd Rock Grid ist ziemlich benutzerfreundlich und bietet Teleporter überallhin von seiner Welcome-Sim (hop://grid.3rdrockgrid.com:8002/Welcome), genauer gesagt auf Navigation Island genau in der Mitte, wo der „Smiley“ seine „Nase“ hat.</p>

<h2 id="eine-letzte-shoppingtour">Eine letzte Shoppingtour</h2>

<p>Ebenfalls auf der Welcome-Sim, in der Südostecke (497,226,22), befindet sich ein Gebäude, das Newbies einweisen und ausstatten soll. Folglich gibt’s hier auch sehr viel Avatarausstattung, auch solche, die es exklusiv nur hier und sonst nirgendwo gibt.</p>

<p>Leider ist viel davon einfach im Hypergrid zusammengeklaubt worden, und nicht alles davon ist legal. Beispielsweise gibt es eine Box mit Cardigans von Maitreya, die nicht einmal umbenannt worden sind. Und Onyx LeShelle hat nicht nur nie einer Verbreitung ihrer Produkte als Freebies auf OpenSim zugestimmt, sondern sogar in einem offenen Brief gefordert, daß diese entfernt werden. Vielfach erkennt nur das geschulte, erfahrene, kundige Auge, was legal ist und was nicht, und manchmal nicht einmal dann.</p>

<p>Gerade von der legalen Damenbekleidung ist aber der Großteil exklusiv und wird höchstwahrscheinlich mit dem Shutdown des Grid nirgendwo mehr verfügbar sein. Dazu zählen mehrere Boxen von Dawn Greymyst mit Clutterfly-Meshkleidung, für die sie nicht nur neue Texturen gemacht hat, sondern auch HUDs, mit denen die Texturen gewechselt werden können. Wer für einen weiblichen Avatar legale Meshkleidung sucht, sollte hier zugreifen.</p>

<p>Auch ein Blick auf die Damen-Layerkleidung lohnt sich. Hier gibt es etwa Badeanzüge, darauf basierende Gymnastikanzüge und Unterwäsche in durchweg überraschend guter Qualität. Außerdem liegen einige Boxen von Rhia Bachman aus, unter anderem mit Ballkleidern mit Flexi-Rockteilen.</p>

<p>Für die Herren der Schöpfung lohnt sich ein Besuch eher nicht. An Exklusivcontent dürfte es da allenfalls Flexi-Haare oder das eine oder andere Kostüm geben.</p>

<p>Leider aber kann man durchweg keine eigentlichen Boxen mitnehmen. Die sind nicht kopierbar und auch nicht kaufbar und geben ihre Inhalte nur mittels Skript heraus.</p>

<p>So bleibt höchstens die Weitergabe von Avatar zu Avatar, die allerdings die Manipulation der Rechte mittels God-Mode erfordert, oder die Hoffnung, daß es anderweitig gelingt, die Boxen zu retten.</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:Grid" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Grid</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:News" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">News</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:F%C3%BCrFortgeschrittene" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">FürFortgeschrittene</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/das-3rd-rock-grid-wird-abgeschaltet</guid>
      <pubDate>Sun, 24 Mar 2024 23:28:51 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der Second-Life-Ageplay-Skandal und OpenSim, Teil 2: Die Reaktionen</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/der-second-life-ageplay-skandal-und-opensim-teil-2-die-reaktionen</link>
      <description>&lt;![CDATA[Wie im ersten Teil bereits geschildert, berichtete ein Nutzer auf Medium von sexuellem Ageplay in Second Life, davon, daß die Lindens wenig bis gar nichts dagegen unternehmen, und davon, daß auch Lindens daran selbst aktiv beteiligt gewesen sein sollen.&#xA;&#xA;Weil die Lindens eben nichts unternehmen, nehmen die Nutzer die Angelegenheit in ihre eigenen Hände. Das heißt, das tun sie schon länger, aber jetzt verstärken sie diese Anstrengungen sogar noch. Und auch OpenSim verschärft seine ohnehin schon laufenden Gegenmaßnahmen gegen das auch da gegenwärtige sexuelle Ageplay.&#xA;&#xA;Allerdings sind diese Maßnahmen nicht ohne Kollateralschäden. !--more--&#xA;&#xA;Präventive Gegenmaßnahmen oder Paranoia?&#xA;&#xA;In OpenSim wird ebenso wie in Second Life nicht erst gegen sexuelles Ageplay vorgegangen, wenn es passiert oder kurz davor ist zu passieren. Das Vorgehen ist proaktiv und präventiv, und man reagiert lieber zuviel als zuwenig. Einiges davon mutet aber als regelrecht paranoide Überreaktionen auf Grundlage völlig verzerrter Standards an.&#xA;&#xA;Zugegeben, wenn jemand eine „familienfreundliche“ FKK-Sim baut, bekommt man automatisch nervöse Zuckungen. Wenn das mal wieder eine Strandsim voller „Mobiliar“ mit Sexanimationen ist, ist derjenige entweder kreuzdämlich und hat keine Ahnung, was er sich da eigentlich hinstellt, oder er ist zu blöd, das tatsächliche Ansinnen der Sim gut genug zu verschleiern. Wenn sie dann auch noch ein Adult-Rating hat, muß man sich fragen, wie das mit „familienfreundlich“ zusammenpassen soll.&#xA;&#xA;Aber selbst wenn die Sim maximal ein Moderate-Rating hat und nachweislich komplett frei von jeglichem Sexmobiliar ist, ist sie zumindest zweifelhaft. Entweder sind die Betreiber neu in virtuellen Welten und komplett ahnungslos, was aber unwahrscheinlich ist, wenn sie eindeutig Erfahrung in der Simgestaltung haben. Oder sie sind naiv und blauäugig genug, daß ausdrückliche Familienfreundlichkeit, ein Moderate-Rating, das Fehlen von Sexmobiliar und sogar ein ausdrückliches Verbot sexueller Elemente in der Nacktheit (z. B. Erektionen) ihre Sim sicher macht. Wie im ersten Teil schon geschrieben, solange kein Gesetzgeber sagt, nackte Kinderavatare sind keine Kinderpornographie, sind sie anzusehen als genau das.&#xA;&#xA;Und wenn dann auch noch die Avatare der Simbetreiber selbst nicht etwa als Personal der Anlage in Erscheinung treten, sondern selbst als Kinder – als nackte natürlich –, dann ist das entweder noch größere Naivität oder ein noch geschickteres Verschleiern von Dingen, die möglicherweise tatsächlich auf ganz anderen Sims stattfinden.&#xA;&#xA;In solchen Situationen Vorsicht walten zu lassen, ist also mehr als selbstverständlich, zumal das durchaus auch für Besucher strafrechtliche Konsequenzen haben kann.&#xA;&#xA;Keine Silikontitten = minderjährig&#xA;&#xA;An anderer Stelle hingegen wird regelrecht überreagiert. Das fängt bei gewissen Meshbodys an. Und nein, ich rede nicht von Kinderbodys.&#xA;&#xA;Ich rede von sogenannten Petite-Bodys. Normale weibliche Meshbodys haben ja idealisierte, also ziemlich große Brüste. Die wenigsten Frauen haben im Real Life so große Brüste, jedenfalls nicht in Form mit einer ansonsten so schlanken Figur. Und wenn sie die haben, dann sind die mit erheblicher Wahrscheinlichkeit irgendwann vergrößert worden, also nicht natürlich. Petite-Bodys entsprechen im wesentlichen diesen Meshbodys, haben aber deutlich kleinere Brüste. Realistischere Brüste.&#xA;&#xA;Das erste Problem ist nun: In Second Life und in OpenSim hat kaum mehr jemand eine realistische Vorstellung von menschlichen Proportionen. Der Standard ist „BBBBBL“: „Big Butt, Big Boobs, Big Lips“. Ein Riesenhintern, Riesenmöpse und gleichermaßen riesige Lippen, die inzwischen sogar häufig in permanenter Kußstellung sind. Ich meine, es wird ja auch als völlig normal angesehen, wenn der Kopf eines Avatars nur ein Neuntel oder weniger der Körpergröße ausmacht, die Körpergröße zu 60% auf die Beine entfällt und die Arme so kurz sind, daß die Fingerspitzen bei nach unten ausgestreckten Armen gerade eben so auf Schritthöhe sind.&#xA;&#xA;Wenn nun also „dicke Dinger“ als Standard für erwachsene Frauen wahrgenommen wird, werden Brüste, die eigentlich realistisch groß sind, Teenagern zugeschrieben. Schon allein auf dieser Grundlage gelten weibliche Avatare ohne das obligatorische Paar Riesenglocken als minderjährig und werden auch so behandelt. Allein deshalb ist auch gerade eine Ladenbetreiberin in Neverworld dabei, von ihren diversen nicht einmal kleinen Freebie-Sims absolut alles an Athena-Petite-Inhalten zu entfernen.&#xA;&#xA;Erschwerend kommt die Kleidung hinzu, die für Petite-Avatare aus Second Life importiert wird. Für die ganz normale Athena wird z. B. seit Jahren nur noch importiert, was sexy genug ist. Für Athena Petite wird dagegen zu großen Teilen importiert, was niedlich und lolitamäßig wirkt, also den Avatar noch weniger erwachsen wirken läßt.&#xA;&#xA;Es gibt leider durchaus auch Ageplayer, die einen Athena Petite haben, um einen minderjährigen Avatar darstellen zu können, der aber zumindest aktuell noch nicht keine attachmenterkennenden Autobans auslöst. Aber ein erheblicher Teil der Petite-Avatare verwendet diesen Body, weil, wer auch immer hinter dem Avatar steckt, keinen Bock auf die Übersexualisierung weiblicher Avatare und das völlig verzerrte Frauenbild hat.&#xA;&#xA;Unter einsachtzig = minderjährig&#xA;&#xA;Als weitere populäre „Früherkennungsmethode“ von Ageplayern wird die Größe des Avatars herangezogen. Das Schöne daran ist: Das kann mit einfachen Mitteln automatisiert werden. Es gibt ein Skript namens „Childgate“, das vollautomatisch alle Avatare, die eine damit ausgestattete Sim betreten und unterhalb einer Mindestgröße sind, nach kurzer Zeit nicht nur von der Sim wirft, sondern dauerhaft sperrt.&#xA;&#xA;Das Childgate hat zwei Vorteile. Zum einen, wie gesagt, funktioniert es vollautomatisch, also auchin Abwesenheit des Simpersonals. Zum anderen funktioniert es unabhängig von der übrigen Gestaltung des Avatars, man kann es also nicht mit ausschließlich „erwachsener“ oder hinreichend obskurer Avatarausstattung, die nicht auf der Blockliste steht, überlisten. So weit, so gut.&#xA;&#xA;Allerdings ist das Childgate vorkonfiguriert auf eine völlig überzogene Vorstellung davon, ab welcher Größe ein Avatar als erwachsen gilt. Die liegt nämlich normalerweise bei 6 Fuß, was 1,83 Meter sind. Wenn man seinen Avatar auf die eigene Körpergröße eingestellt hat, besteht schon bei männlichen Avataren die Chance, daß das das Childgate auslöst und man gesperrt wird. Bei weiblichen Avataren grenzt die Wahrscheinlichkeit gar an Sicherheit, denn das Childgate unterscheidet nicht zwischen Männlein und Weiblein und wendet auf alle Avatare dasselbe Mindestmaß an.&#xA;&#xA;Es gibt sogar Sim-Betreiber, die immer noch die völlig unrealistischen Riesenavatare von Second Life als Standard ansehen, auf die immer noch alles an Mobiliar in Second Life und OpenSim ausgelegt ist. Die rühren ja daher, daß Second Life bis heute einen Bug bei der Größenbestimmung von Avataren hat: Der offizielle Viewer von Second Life mißt sie nicht bis zur Schädeldecke, sondern bis Augenhöhe. Deswegen trauen Second-Life-Nutzer der Größenangabe im Viewer nicht und stellen ihre Avatare Pi mal Auge ein, was zu ebendiesen Riesenavataren von weit über 2 m Körpergröße führt.&#xA;&#xA;Und so ist auf einigen Sims das Childgate tatsächlich allen Ernstes auf 7 Fuß eingestellt, also 2,13 m. Kritik daran tun die Sim-Betreiber dann gern mit „dein Avatar ist zu klein“ ab.&#xA;&#xA;Umgekehrt gibt es zumindest auf europäischen Sims durchaus Childgates, die auf 1,70 m eingestellt sind. Aber auch die sperren viele realistische Avatare aus, ebenso viele Fantasy-Avatare und dergleichen.&#xA;&#xA;Selbst wenn es kein Childgate gibt, gibt es Sim-Betreiber, die Avatare per Hand kicken und sperren, wenn die ihnen zu klein vorkommen. Das „zu klein“ basiert dann auf Augenmaß, manchmal in Kombination mit den Proportionen des Avatars, aber nicht immer. Einige Sim-Betrieber lassen sich wohl auch die Shape-Größe von Avataren anzeigen und „beseitigen“ sie dann händisch, wenn sie ein gewisses Mindestmaß unterschreiten.&#xA;&#xA;Sommersprossen oder zu bunte Klamotten = minderjährig&#xA;&#xA;Aber auch wenn man das oben Genannte alles berücksichtigt, wenn also der eigene Avatar „sexy“ genug ist und auch groß genug, um zumindest keine 6-Fuß-Childgates auszulösen – oder wenn der eigene Avatar zwar „zu klein ist“, es aber kein Childgate gibt –, kann man Probleme bekommen. Denn inzwischen werden auch andere optische Merkmale herangezogen, um zu bewerten, ob ein Avatar „minderjährig aussieht“ oder nicht. Das passiert um so häufiger, je realistischer der eigene Avatar-Shape noch ist, und um so seltener, je weniger man sich den Idealen „Barbie-/Ken-Puppe“, „kurvenreiche Sexbombe mit Wespentaille“ und „muskelbepackter Riese“ annähert.&#xA;&#xA;Trägt ein Avatar zu knallig-bunte Kleidung, wird er schon mal als minderjährig angesehen, gekickt und gesperrt.&#xA;&#xA;Trägt ein weiblicher Avatar zuviel Rosa, ohne daß das Teil des typischen Schlampenlooks à la Jessica Biatchi ist, dito.&#xA;&#xA;Nach Frisur wird auch gern gegangen. Zopf bei weiblichen Avataren ist heikel, mehr als ein Zopf ist noch heikler. Seitliche Pferdeschwänze gehen gar nicht, ziemlich egal, wie der Avatar sonst aussieht. Im Grunde sind weibliche Avatare nur mit einer langen, gewellten Wallemähne, die offen getragen wird, wirklich sicher – und männliche Avatare entweder mit einem kurzen Maschinenschnitt ganz ohne angehängte Haare oder mit einer rockermäßigen Langhaarfrisur, idealerweise nebst Bart.&#xA;&#xA;Sommersprossen werden auch gern als Zeichen von Minderjährigkeit angesehen. Ich meine, kaum ein Avatar in OpenSim trägt Sommersprossen, auch weil die allermeisten Avatare dafür viel zu dunkle braungebrannte Haut haben. Ich würde nicht einmal ausschließen, daß generell zu helle Haut ein Auslöser für die Annahme sein kann, ein Avatar sei minderjährig.&#xA;&#xA;Umdefinition der Content Ratings&#xA;&#xA;Was ebenfalls Teil des Kampfes gegen Kinderavatare ist, ist der Mißbrauch des Adult-Rating. Eigentlich funktioniert das in OpenSim ja nur als Inhaltswarnung, denn gemäß Second-Life-Definition erlaubt es so ziemlich alles, aber OpenSim hat nicht Second Lifes Alterskontrolle.&#xA;&#xA;In Ermangelung einer Alterskontrolle für Nutzer wird das Adult-Rating aber zunehmend umdefiniert zu „keine Avatare, die minderjährig aussehen“. Wohlgemerkt, mitunter ist das das einzige Kriterium. Die in Second Life damit einhergehenden Freiheiten gibt es indes nicht; statt dessen kann eine Sim gleichzeitig Adult-rated und G-rated sein, also trotz Adult-Rating Nacktheit oder auch nur zu leichte Bekleidung überall auf der Sim ausnahmslos verboten sein.&#xA;&#xA;Sim-Betreiber kommen im allgemeinen problemlos damit davon. Es gibt keine OpenSim-weite Instanz, die die Ratings definiert und die Einhaltung der Definitionen durchsetzt. Die allermeisten Grids haben auch keine verbindlichen Definitionen für die Ratings, weil viele Gridowner felsenfest davon ausgehen, daß es Konsens sei, daß die Definitionen doch sowieso praktisch dieselben sind wie in Second Life. Die einzige Ausnahme ist DigiWorldz, und DigiWorldz erlaubt es tatsächlich, das Adult-Rating in seinen Freiheiten beliebig einzuschränken – also tatsächlich bis zum Pendant zu FSK0.&#xA;&#xA;Einen Nachteil hat das Ganze aber: In Second Life lernt man ganz schnell, daß schon das Moderate-Rating bedeuten kann, daß man in aller Öffentlichkeit auf nackte Avatare treffen kann – und das Adult-Rating, daß man noch „Schlimmeres“ sieht. In OpenSim glauben jetzt schon viele, daß das ganze Hypergrid – abseits dedizierter Sex- oder BDSM-Sims – komplett blitzsauber sei, weil ja sogar das Adult-Rating nicht einmal öffentliche Nacktheit zuläßt. Um so verstörter sind sie dann, wenn sie tatsächlich auf einer Adult-Sim auf nackte Avatare stoßen.&#xA;&#xA;Es wird noch weiter eskalieren&#xA;&#xA;Das Ende der Fahnenstange bei den Gegenmaßnahmen ist noch längst nicht erreicht. Wie schon im ersten Teil geschrieben, wurde alles, was mit Athena Petite zu tun hat, von drei recht umfangreichen Freebie-Sims in Neverworld restlos entfernt. Es würde mich nicht wundern, wenn zunächst einmal genug Druck aufgebaut wird, daß weitere Freebie-Sims denselben Schritt tun, und dann Legacy Perky als nächstes dran ist – ungeachtet Legacys notorisch überbreiter Hüften.&#xA;&#xA;Mehr und mehr Sims werden Avatare, die nicht „erwachsen“ wirken, ausschließen. Mehr und mehr von ihnen werden Childgates einrichten. Sowohl bei neuen als auch bei vorhandenen Childgates wird die Mindestgröße angehoben, auf amerikanischen Sims möglicherweise vermehrt von 6 auf 7 Fuß. Und wer das nicht alles tut, wird gebrandmarkt als Unterstützer von Pädos oder gleich selbst als Pädo.&#xA;&#xA;Auch die optischen Kriterien für minderjährige Avatare werden noch erweitert werden. Bei weiblichen Avataren beispielsweise flache Sneakers, schlimmstenfalls gar mit Socken. Oder überhaupt Schuhe mit Absatzhöhen von unter 15 cm. Weibliche Avatare werden außerdem keine kurzen, weiten Röcke mehr tragen dürfen, es sei denn, diese legen selbst aus der standardmäßigen Kameraperspektive den Hintern frei.&#xA;&#xA;Für weibliche Avatare werden Make-up und Nagellack zur Pflicht. Bei Meshbodys aus Second Life geht der Nagellack normalerweise sowieso nicht zu entfernen, und die Ruth2-Familie, die standardmäßig keinen Nagellack trägt, ist weitestgehend unbekannt, also wird fehlender Nagellack als Zeichen für einen Teenagerbody gewertet. Und das Make-up darf auch nicht zu dezent sein. A propos: Weibliche Avatare ohne Fischlippen werden in Zukunft auch „Kinderavatare“ sein.&#xA;&#xA;Männliche Avatare ohne Bart, und sei es ein Stoppelbart, werden als minderjährig angesehen werden, so selten die auch sind. Auch die Auswahl an zulässigen Bekleidungsfarben wird noch weiter reduziert, bis schlimmstenfalls bei männlichen Avataren nur noch Schwarz, Weiß, Flecktarn und blaues Denim durchgehen.&#xA;&#xA;Es ist gar damit zu rechnen, daß Haut- und Haarfarben mehr zum Kriterium werden. Hautfarben zwischen Gothic-Leichenblässe – und bei weiblichen Avataren geht auch die nur mit Gothic-Make-up durch – und knackbraun werden vermehrt als Zeichen der Minderjährigkeit gelten. Dasselbe wird gelten für helle Haare, vor allem alle Blondtöne, zumindest, bis die ersten Sim-Betreiber sich mit anderen Sim-Betreibern, DJs, Performern oder Gridownern anlegen, die blöderweise zufällig blond sind.&#xA;&#xA;Statt Sichtkontrollen werden sich so etwas wie „Attachment Gates“ ausbreiten, die Avatare automatisch kicken und sperren, je nachdem, was die Avatare tragen. Die gibt es schon mit Blocklisten, die voll sind mit tatsächlicher Kinderavatarausstattung oder zumindest einschlägigen Kinder- oder Teenager-Meshbodys. Aber die werden zum einen zahlreicher und zum anderen zunehmend schärfer konfiguriert, um auch automatisch diejenigen abfischen zu können, die mit „herkömmlicheren“ Mitteln versuchen, jugendlich wirkende Avatare zu bauen.&#xA;&#xA;Statt Schilder aufzustellen, die Kinderavataren den Zutritt verbieten, werden noch mehr Sims, womöglich gar noch mehr ganze Grids, das Adult-Rating mißbrauchen, um Kinderavatare auszusperren. Gleichzeitig werden auf Sims, die das Adult-Rating als Gegenmittel für Kinderavatare verwenden, Nacktheit und sexuelle Handlungen noch sehr viel häufiger gänzlich verboten, um ganz auf Nummer sicher zu gehen.&#xA;&#xA;Ich bin schon gespannt auf das Drama zwischen denjenigen, die all diese Maßnahmen für das ganze Hypergrid einfordern, und denjenigen, die sie ablehnen, und sei es, weil sie solchen Maßnahmen selbst fälschlicherweise zum Opfer gefallen sind.&#xA;&#xA;#OpenSim #SecondLife #FürFortgeschrittene #News #Drama #NSFW]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wie <a href="https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/der-second-life-ageplay-skandal-und-opensim-teil-1-die-situation" rel="nofollow">im ersten Teil</a> bereits geschildert, berichtete ein Nutzer auf Medium von sexuellem Ageplay in Second Life, davon, daß die Lindens wenig bis gar nichts dagegen unternehmen, und davon, daß auch Lindens daran selbst aktiv beteiligt gewesen sein sollen.</p>

<p>Weil die Lindens eben nichts unternehmen, nehmen die Nutzer die Angelegenheit in ihre eigenen Hände. Das heißt, das tun sie schon länger, aber jetzt verstärken sie diese Anstrengungen sogar noch. Und auch OpenSim verschärft seine ohnehin schon laufenden Gegenmaßnahmen gegen das auch da gegenwärtige sexuelle Ageplay.</p>

<p>Allerdings sind diese Maßnahmen nicht ohne Kollateralschäden. </p>

<h2 id="präventive-gegenmaßnahmen-oder-paranoia">Präventive Gegenmaßnahmen oder Paranoia?</h2>

<p>In OpenSim wird ebenso wie in Second Life nicht erst gegen sexuelles Ageplay vorgegangen, wenn es passiert oder kurz davor ist zu passieren. Das Vorgehen ist proaktiv und präventiv, und man reagiert lieber zuviel als zuwenig. Einiges davon mutet aber als regelrecht paranoide Überreaktionen auf Grundlage völlig verzerrter Standards an.</p>

<p>Zugegeben, wenn jemand eine „familienfreundliche“ FKK-Sim baut, bekommt man automatisch nervöse Zuckungen. Wenn das mal wieder eine Strandsim voller „Mobiliar“ mit Sexanimationen ist, ist derjenige entweder kreuzdämlich und hat keine Ahnung, was er sich da eigentlich hinstellt, oder er ist zu blöd, das tatsächliche Ansinnen der Sim gut genug zu verschleiern. Wenn sie dann auch noch ein Adult-Rating hat, muß man sich fragen, wie das mit „familienfreundlich“ zusammenpassen soll.</p>

<p>Aber selbst wenn die Sim maximal ein Moderate-Rating hat und nachweislich komplett frei von jeglichem Sexmobiliar ist, ist sie zumindest zweifelhaft. Entweder sind die Betreiber neu in virtuellen Welten und komplett ahnungslos, was aber unwahrscheinlich ist, wenn sie eindeutig Erfahrung in der Simgestaltung haben. Oder sie sind naiv und blauäugig genug, daß ausdrückliche Familienfreundlichkeit, ein Moderate-Rating, das Fehlen von Sexmobiliar und sogar ein ausdrückliches Verbot sexueller Elemente in der Nacktheit (z. B. Erektionen) ihre Sim sicher macht. Wie im ersten Teil schon geschrieben, solange kein Gesetzgeber sagt, nackte Kinderavatare sind keine Kinderpornographie, sind sie anzusehen als genau das.</p>

<p>Und wenn dann auch noch die Avatare der Simbetreiber selbst nicht etwa als Personal der Anlage in Erscheinung treten, sondern selbst als Kinder – als nackte natürlich –, dann ist das entweder noch größere Naivität oder ein noch geschickteres Verschleiern von Dingen, die möglicherweise tatsächlich auf ganz anderen Sims stattfinden.</p>

<p>In solchen Situationen Vorsicht walten zu lassen, ist also mehr als selbstverständlich, zumal das durchaus auch für Besucher strafrechtliche Konsequenzen haben kann.</p>

<h2 id="keine-silikontitten-minderjährig">Keine Silikontitten = minderjährig</h2>

<p>An anderer Stelle hingegen wird regelrecht überreagiert. Das fängt bei gewissen Meshbodys an. Und nein, ich rede nicht von Kinderbodys.</p>

<p>Ich rede von sogenannten Petite-Bodys. Normale weibliche Meshbodys haben ja idealisierte, also ziemlich große Brüste. Die wenigsten Frauen haben im Real Life so große Brüste, jedenfalls nicht in Form mit einer ansonsten so schlanken Figur. Und wenn sie die haben, dann sind die mit erheblicher Wahrscheinlichkeit irgendwann vergrößert worden, also nicht natürlich. Petite-Bodys entsprechen im wesentlichen diesen Meshbodys, haben aber deutlich kleinere Brüste. Realistischere Brüste.</p>

<p>Das erste Problem ist nun: In Second Life und in OpenSim hat kaum mehr jemand eine realistische Vorstellung von menschlichen Proportionen. Der Standard ist „BBBBBL“: „Big Butt, Big Boobs, Big Lips“. Ein Riesenhintern, Riesenmöpse und gleichermaßen riesige Lippen, die inzwischen sogar häufig in permanenter Kußstellung sind. Ich meine, es wird ja auch als völlig normal angesehen, wenn der Kopf eines Avatars nur ein Neuntel oder weniger der Körpergröße ausmacht, die Körpergröße zu 60% auf die Beine entfällt und die Arme so kurz sind, daß die Fingerspitzen bei nach unten ausgestreckten Armen gerade eben so auf Schritthöhe sind.</p>

<p>Wenn nun also „dicke Dinger“ als Standard für erwachsene Frauen wahrgenommen wird, werden Brüste, die eigentlich realistisch groß sind, Teenagern zugeschrieben. Schon allein auf dieser Grundlage gelten weibliche Avatare ohne das obligatorische Paar Riesenglocken als minderjährig und werden auch so behandelt. Allein deshalb ist auch gerade eine Ladenbetreiberin in Neverworld dabei, von ihren diversen nicht einmal kleinen Freebie-Sims absolut alles an Athena-Petite-Inhalten zu entfernen.</p>

<p>Erschwerend kommt die Kleidung hinzu, die für Petite-Avatare aus Second Life importiert wird. Für die ganz normale Athena wird z. B. seit Jahren nur noch importiert, was sexy genug ist. Für Athena Petite wird dagegen zu großen Teilen importiert, was niedlich und lolitamäßig wirkt, also den Avatar noch weniger erwachsen wirken läßt.</p>

<p>Es gibt leider durchaus auch Ageplayer, die einen Athena Petite haben, um einen minderjährigen Avatar darstellen zu können, der aber zumindest aktuell noch nicht keine attachmenterkennenden Autobans auslöst. Aber ein erheblicher Teil der Petite-Avatare verwendet diesen Body, weil, wer auch immer hinter dem Avatar steckt, keinen Bock auf die Übersexualisierung weiblicher Avatare und das völlig verzerrte Frauenbild hat.</p>

<h2 id="unter-einsachtzig-minderjährig">Unter einsachtzig = minderjährig</h2>

<p>Als weitere populäre „Früherkennungsmethode“ von Ageplayern wird die Größe des Avatars herangezogen. Das Schöne daran ist: Das kann mit einfachen Mitteln automatisiert werden. Es gibt ein Skript namens „Childgate“, das vollautomatisch alle Avatare, die eine damit ausgestattete Sim betreten und unterhalb einer Mindestgröße sind, nach kurzer Zeit nicht nur von der Sim wirft, sondern dauerhaft sperrt.</p>

<p>Das Childgate hat zwei Vorteile. Zum einen, wie gesagt, funktioniert es vollautomatisch, also auchin Abwesenheit des Simpersonals. Zum anderen funktioniert es unabhängig von der übrigen Gestaltung des Avatars, man kann es also nicht mit ausschließlich „erwachsener“ oder hinreichend obskurer Avatarausstattung, die nicht auf der Blockliste steht, überlisten. So weit, so gut.</p>

<p>Allerdings ist das Childgate vorkonfiguriert auf eine völlig überzogene Vorstellung davon, ab welcher Größe ein Avatar als erwachsen gilt. Die liegt nämlich normalerweise bei 6 Fuß, was 1,83 Meter sind. Wenn man seinen Avatar auf die eigene Körpergröße eingestellt hat, besteht schon bei männlichen Avataren die Chance, daß das das Childgate auslöst und man gesperrt wird. Bei weiblichen Avataren grenzt die Wahrscheinlichkeit gar an Sicherheit, denn das Childgate unterscheidet nicht zwischen Männlein und Weiblein und wendet auf alle Avatare dasselbe Mindestmaß an.</p>

<p>Es gibt sogar Sim-Betreiber, die immer noch die völlig unrealistischen Riesenavatare von Second Life als Standard ansehen, auf die immer noch alles an Mobiliar in Second Life und OpenSim ausgelegt ist. Die rühren ja daher, daß Second Life bis heute einen Bug bei der Größenbestimmung von Avataren hat: Der offizielle Viewer von Second Life mißt sie nicht bis zur Schädeldecke, sondern bis Augenhöhe. Deswegen trauen Second-Life-Nutzer der Größenangabe im Viewer nicht und stellen ihre Avatare Pi mal Auge ein, was zu ebendiesen Riesenavataren von weit über 2 m Körpergröße führt.</p>

<p>Und so ist auf einigen Sims das Childgate tatsächlich allen Ernstes auf 7 Fuß eingestellt, also 2,13 m. Kritik daran tun die Sim-Betreiber dann gern mit „dein Avatar ist zu klein“ ab.</p>

<p>Umgekehrt gibt es zumindest auf europäischen Sims durchaus Childgates, die auf 1,70 m eingestellt sind. Aber auch die sperren viele realistische Avatare aus, ebenso viele Fantasy-Avatare und dergleichen.</p>

<p>Selbst wenn es kein Childgate gibt, gibt es Sim-Betreiber, die Avatare per Hand kicken und sperren, wenn die ihnen zu klein vorkommen. Das „zu klein“ basiert dann auf Augenmaß, manchmal in Kombination mit den Proportionen des Avatars, aber nicht immer. Einige Sim-Betrieber lassen sich wohl auch die Shape-Größe von Avataren anzeigen und „beseitigen“ sie dann händisch, wenn sie ein gewisses Mindestmaß unterschreiten.</p>

<h2 id="sommersprossen-oder-zu-bunte-klamotten-minderjährig">Sommersprossen oder zu bunte Klamotten = minderjährig</h2>

<p>Aber auch wenn man das oben Genannte alles berücksichtigt, wenn also der eigene Avatar „sexy“ genug ist und auch groß genug, um zumindest keine 6-Fuß-Childgates auszulösen – oder wenn der eigene Avatar zwar „zu klein ist“, es aber kein Childgate gibt –, kann man Probleme bekommen. Denn inzwischen werden auch andere optische Merkmale herangezogen, um zu bewerten, ob ein Avatar „minderjährig aussieht“ oder nicht. Das passiert um so häufiger, je realistischer der eigene Avatar-Shape noch ist, und um so seltener, je weniger man sich den Idealen „Barbie-/Ken-Puppe“, „kurvenreiche Sexbombe mit Wespentaille“ und „muskelbepackter Riese“ annähert.</p>

<p>Trägt ein Avatar zu knallig-bunte Kleidung, wird er schon mal als minderjährig angesehen, gekickt und gesperrt.</p>

<p>Trägt ein weiblicher Avatar zuviel Rosa, ohne daß das Teil des typischen Schlampenlooks à la Jessica Biatchi ist, dito.</p>

<p>Nach Frisur wird auch gern gegangen. Zopf bei weiblichen Avataren ist heikel, mehr als ein Zopf ist noch heikler. Seitliche Pferdeschwänze gehen gar nicht, ziemlich egal, wie der Avatar sonst aussieht. Im Grunde sind weibliche Avatare nur mit einer langen, gewellten Wallemähne, die offen getragen wird, wirklich sicher – und männliche Avatare entweder mit einem kurzen Maschinenschnitt ganz ohne angehängte Haare oder mit einer rockermäßigen Langhaarfrisur, idealerweise nebst Bart.</p>

<p>Sommersprossen werden auch gern als Zeichen von Minderjährigkeit angesehen. Ich meine, kaum ein Avatar in OpenSim trägt Sommersprossen, auch weil die allermeisten Avatare dafür viel zu dunkle braungebrannte Haut haben. Ich würde nicht einmal ausschließen, daß generell zu helle Haut ein Auslöser für die Annahme sein kann, ein Avatar sei minderjährig.</p>

<h2 id="umdefinition-der-content-ratings">Umdefinition der Content Ratings</h2>

<p>Was ebenfalls Teil des Kampfes gegen Kinderavatare ist, ist der Mißbrauch des Adult-Rating. Eigentlich funktioniert das in OpenSim ja nur als Inhaltswarnung, denn gemäß Second-Life-Definition erlaubt es so ziemlich alles, aber OpenSim hat nicht Second Lifes Alterskontrolle.</p>

<p>In Ermangelung einer Alterskontrolle für Nutzer wird das Adult-Rating aber zunehmend umdefiniert zu „keine Avatare, die minderjährig aussehen“. Wohlgemerkt, mitunter ist das <em>das einzige Kriterium</em>. Die in Second Life damit einhergehenden Freiheiten gibt es indes nicht; statt dessen kann eine Sim gleichzeitig Adult-rated und G-rated sein, also trotz Adult-Rating Nacktheit oder auch nur zu leichte Bekleidung überall auf der Sim ausnahmslos verboten sein.</p>

<p>Sim-Betreiber kommen im allgemeinen problemlos damit davon. Es gibt keine OpenSim-weite Instanz, die die Ratings definiert und die Einhaltung der Definitionen durchsetzt. Die allermeisten Grids haben auch keine verbindlichen Definitionen für die Ratings, weil viele Gridowner felsenfest davon ausgehen, daß es Konsens sei, daß die Definitionen doch sowieso praktisch dieselben sind wie in Second Life. Die einzige Ausnahme ist DigiWorldz, und DigiWorldz erlaubt es tatsächlich, das Adult-Rating in seinen Freiheiten beliebig einzuschränken – also tatsächlich bis zum Pendant zu FSK0.</p>

<p>Einen Nachteil hat das Ganze aber: In Second Life lernt man ganz schnell, daß schon das Moderate-Rating bedeuten kann, daß man in aller Öffentlichkeit auf nackte Avatare treffen kann – und das Adult-Rating, daß man noch „Schlimmeres“ sieht. In OpenSim glauben jetzt schon viele, daß das ganze Hypergrid – abseits dedizierter Sex- oder BDSM-Sims – komplett blitzsauber sei, weil ja sogar das Adult-Rating nicht einmal öffentliche Nacktheit zuläßt. Um so verstörter sind sie dann, wenn sie tatsächlich auf einer Adult-Sim auf nackte Avatare stoßen.</p>

<h2 id="es-wird-noch-weiter-eskalieren">Es wird noch weiter eskalieren</h2>

<p>Das Ende der Fahnenstange bei den Gegenmaßnahmen ist noch längst nicht erreicht. Wie schon im ersten Teil geschrieben, wurde alles, was mit Athena Petite zu tun hat, von drei recht umfangreichen Freebie-Sims in Neverworld restlos entfernt. Es würde mich nicht wundern, wenn zunächst einmal genug Druck aufgebaut wird, daß weitere Freebie-Sims denselben Schritt tun, und dann Legacy Perky als nächstes dran ist – ungeachtet Legacys notorisch überbreiter Hüften.</p>

<p>Mehr und mehr Sims werden Avatare, die nicht „erwachsen“ wirken, ausschließen. Mehr und mehr von ihnen werden Childgates einrichten. Sowohl bei neuen als auch bei vorhandenen Childgates wird die Mindestgröße angehoben, auf amerikanischen Sims möglicherweise vermehrt von 6 auf 7 Fuß. Und wer das nicht alles tut, wird gebrandmarkt als Unterstützer von Pädos oder gleich selbst als Pädo.</p>

<p>Auch die optischen Kriterien für minderjährige Avatare werden noch erweitert werden. Bei weiblichen Avataren beispielsweise flache Sneakers, schlimmstenfalls gar mit Socken. Oder überhaupt Schuhe mit Absatzhöhen von unter 15 cm. Weibliche Avatare werden außerdem keine kurzen, weiten Röcke mehr tragen dürfen, es sei denn, diese legen selbst aus der standardmäßigen Kameraperspektive den Hintern frei.</p>

<p>Für weibliche Avatare werden Make-up und Nagellack zur Pflicht. Bei Meshbodys aus Second Life geht der Nagellack normalerweise sowieso nicht zu entfernen, und die Ruth2-Familie, die standardmäßig keinen Nagellack trägt, ist weitestgehend unbekannt, also wird fehlender Nagellack als Zeichen für einen Teenagerbody gewertet. Und das Make-up darf auch nicht zu dezent sein. A propos: Weibliche Avatare ohne Fischlippen werden in Zukunft auch „Kinderavatare“ sein.</p>

<p>Männliche Avatare ohne Bart, und sei es ein Stoppelbart, werden als minderjährig angesehen werden, so selten die auch sind. Auch die Auswahl an zulässigen Bekleidungsfarben wird noch weiter reduziert, bis schlimmstenfalls bei männlichen Avataren nur noch Schwarz, Weiß, Flecktarn und blaues Denim durchgehen.</p>

<p>Es ist gar damit zu rechnen, daß Haut- und Haarfarben mehr zum Kriterium werden. Hautfarben zwischen Gothic-Leichenblässe – und bei weiblichen Avataren geht auch die nur mit Gothic-Make-up durch – und knackbraun werden vermehrt als Zeichen der Minderjährigkeit gelten. Dasselbe wird gelten für helle Haare, vor allem alle Blondtöne, zumindest, bis die ersten Sim-Betreiber sich mit anderen Sim-Betreibern, DJs, Performern oder Gridownern anlegen, die blöderweise zufällig blond sind.</p>

<p>Statt Sichtkontrollen werden sich so etwas wie „Attachment Gates“ ausbreiten, die Avatare automatisch kicken und sperren, je nachdem, was die Avatare tragen. Die gibt es schon mit Blocklisten, die voll sind mit tatsächlicher Kinderavatarausstattung oder zumindest einschlägigen Kinder- oder Teenager-Meshbodys. Aber die werden zum einen zahlreicher und zum anderen zunehmend schärfer konfiguriert, um auch automatisch diejenigen abfischen zu können, die mit „herkömmlicheren“ Mitteln versuchen, jugendlich wirkende Avatare zu bauen.</p>

<p>Statt Schilder aufzustellen, die Kinderavataren den Zutritt verbieten, werden noch mehr Sims, womöglich gar noch mehr ganze Grids, das Adult-Rating mißbrauchen, um Kinderavatare auszusperren. Gleichzeitig werden auf Sims, die das Adult-Rating als Gegenmittel für Kinderavatare verwenden, Nacktheit und sexuelle Handlungen noch sehr viel häufiger gänzlich verboten, um ganz auf Nummer sicher zu gehen.</p>

<p>Ich bin schon gespannt auf das Drama zwischen denjenigen, die all diese Maßnahmen für das ganze Hypergrid einfordern, und denjenigen, die sie ablehnen, und sei es, weil sie solchen Maßnahmen selbst fälschlicherweise zum Opfer gefallen sind.</p>

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      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/der-second-life-ageplay-skandal-und-opensim-teil-2-die-reaktionen</guid>
      <pubDate>Sun, 03 Mar 2024 18:11:39 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Der Second-Life-Ageplay-Skandal und OpenSim, Teil 1: Die Situation</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/der-second-life-ageplay-skandal-und-opensim-teil-1-die-situation</link>
      <description>&lt;![CDATA[Am Freitag, dem 1. März ging es durch den Second-Life-Buschfunk: Auf Medium hat jemand einen Artikel veröffentlicht, in dem es um Ageplay in Second Life geht. Nicht nur legt der Artikel dar, daß es so etwas in Second Life entgegen a) den Regeln in Second Life und b) den Beteuerungen von Linden Lab tatsächlich gibt – nein, es heißt auch, daß Lindens selbst daran teilgenommen haben.&#xA;&#xA;Die Reaktionen der Communitys von Second Life und OpenSim fallen aktuell entsprechend aus. Aber nicht nur auf die behauptete Teilnahme von Lindens, sondern darauf, daß es öffentlich angesprochen wird, daß so etwas existiert. !--more--&#xA;&#xA;Den Artikel auf Medium werde ich nicht verlinken; so ziemlich jeder, der diesen Artikel behandelt, weigert sich dagegen, so heikel ist der. Statt dessen kann man sich den dazugehörigen Thread im englischsprachigen Second-Life-Subreddit zu Gemüte führen.&#xA;&#xA;Ageplay?&#xA;&#xA;Zunächst einmal: Worum geht es hier eigentlich? Was ist dieses Ageplay?&#xA;&#xA;Gemeint ist hier sexuelles Ageplay. Im Klartext: Erwachsene Avatare, die von erwachsenen Nutzern gesteuert werden, führen sexuelle Handlungen durch mit Kinderavataren, die von erwachsenen Nutzern gesteuert werden. Und ja, das ist in Second Life eigentlich komplett verboten, und zwar auch auf Sims mit Adult-Rating.&#xA;&#xA;Fakt ist aber: Das gibt es trotzdem. Einige der ältesten Sims in Second Life spezialisieren sich geradezu auf so etwas – zwar nur hinter vorgehaltener Hand, aber wer weiß, wo man sich wie informieren kann, der findet das. Und es macht den Anschein, als hätten ausgerechnet die Lindens es in mehr als anderthalb Jahrzehnten nicht geschafft, das zu entdecken.&#xA;&#xA;Dabei kann es so undergroundig gar nicht sein. Es gibt ja tatsächlich Content, der ziemlich eindeutig genau dafür erschaffen wurde. Ich bin zwar selbst nicht in Second Life, geschweige denn in dieser Szene. Aber daß es diesen Content gibt, weiß ich daher, daß er zum einen immer wieder genannt wird, wenn es um das Problem Ageplay geht, und zum anderen es genau diesen Content auch in OpenSim gibt.&#xA;&#xA;Gibt es das wirklich?&#xA;&#xA;Annähernd alles, was seit ca. 2015 in OpenSim neu an Kindercontent aufgetaucht ist, wurde aus Second Life geklaut. Und damit es aus Second Life geklaut werden kann, muß es folgerichtigerweise in Second Life existieren.&#xA;&#xA;Gut, zunächst einmal kann man daran, daß es Sachen gibt, mit denen man seinen Avatar als Kind ausstaffieren kann, nichts Verwerfliches finden. Kann ja mal sein, daß jemand eine unbeschwerte Kindheit, die man selbst nie hatte, spielen will. Oder daß sich ein paar Leute zusammentun und eine Familie spielen wollen. Oder so.&#xA;&#xA;Aber dann guckt man sich den Content, den es in den Kinderläden auf einigen Freebie-Sims so gibt, mal genauer an. Da gibt es dann Kinder-Meshbodys. Mit dazugehörigen Skin-Appliern, denn das ist alles noch aus Vor-BoM-Zeiten. Und auf der Box ist dann eben so ein Kinderavatar mit diesem Meshbody abgebildet.&#xA;&#xA;Nackt.&#xA;&#xA;Standardmäßig ist da ein Mädchen zu sehen. Bei älteren Ausgaben der Box ist der Genitalbereich des Mädchens komplett unbedeckt. Diese Textur im Viewer-Cache zu haben, kann eigentlich schon den Straftatbestand des Besitzes von Kinderpornographie erfüllen, zumal es da bis heute keine juristischen Entscheidungen darüber gibt, wo die in virtuellen Welten anfängt und aufhört. Neuere Ausgaben derselben Box haben einen Querbalken mit dem Namen des Body über den Genitalbereich gelegt – und zwar ganz knapp, daß gerade eben so überdeckt wird, was unbedingt überdeckt werden muß.&#xA;&#xA;Da fragt man sich: Wofür muß ein Kinderavatar überhaupt die Möglichkeit haben, nackt zu sein? Kann man auf die Skin nicht zumindest einen Schlüpfer fest aufbaken, wie es ja teilweise tatsächlich praktiziert wird? Und auch Mesh-Badesachen können so zugeschnitten werden, daß sie den aufgebaketen Schlüpfer komplett überdecken, so daß man den nicht sieht.&#xA;&#xA;Wer so etwas in einem Laden anbietet, kuratiert entweder die Sachen nicht, die er an die Wände ballert, und guckt auch selbst nie nach, was da so hängt. Oder er will ganz einfach möglichst viel Content anbieten, egal, was es sein möge. Oder … denken wir lieber nicht darüber nach.&#xA;&#xA;Wenn man sich in so einem Kinderavatarladen etwas genauer umguckt, wird man auch auf mindestens eine Box stoßen mit – jetzt kommt’s – einem Kinderpimmel. Einem geskripteten, also mit gewissen Funktionen.&#xA;&#xA;Gut, jetzt kann man sagen: Die Nacktskins und den Schniepel braucht man z. B. für einen Nacktbadestrand oder eine FKK-Sim oder so. Oder vielleicht will die Familie ihr Kind ja auch mal baden. Ist doch eigentlich alles ganz harmlos.&#xA;&#xA;Zunächst einmal: Nein, in virtuellen Welten ist das nicht harmlos. Wie gesagt: Es gibt noch keine eindeutige, allgemeingültige juristische Entscheidung darüber, ob nackte Kinderavatare in virtuellen Welten Kipo sind oder nicht. Und solange es keine solche Entscheidung gibt, ist davon auszugehen, daß es als Kipo angesehen und entsprechend geahndet werden kann. Will sagen: Du kannst buchstäblich in den Knast dafür gehen, daß du einmal auf einer FKK-Sim warst.&#xA;&#xA;Vom Juristischen mal ganz abgesehen, ist da immer noch der Umstand, daß dieser Kinderschniepel geskriptet ist. Der hat also Funktionen, die auch Erwachsenenpimmel haben – möglicherweise vom Samenerguß abgesehen, der in dem Alter noch nicht möglich ist. Aber sonst alles. Jetzt kann man das Pipimachen als notwendigen Teil eines harmlosen Rollenspiels einer Familie oder gar einer Kinderbande auf einem FKK-Zeltplatz zu rechtfertigen versuchen, aber schon damit begibt man sich auf dünnes Eis. Und wofür, bitteschön, muß so ein Kinderschniepel zu Erektionen fähig sein? Wie will man das ohne sexuellen Kontext rechtfertigen?&#xA;&#xA;Präzedenzfälle in OpenSim&#xA;&#xA;Nun könnte man sagen: „Okay, es gibt all diese Sachen. Aber das benutzt doch keiner. Und sexuelles Ageplay macht doch auch keiner. Das kann ich mir nicht vorstellen.“&#xA;&#xA;Ich konnte mir bis 2021 auch nicht vorstellen, daß jemand die Sexanimationen in damit ausgestatteten Möbelstücken tatsächlich benutzt, bis ich das erste Mal in-world verführt worden bin.&#xA;&#xA;Und ja, Ageplay gibt es. Und ja, es gibt auch Pädophile in OpenSim. Eigentlich könnte man sagen, in Second Life haben die nicht viel zu verlieren, weil die Lindens auf dem Auge, das die einschlägigen Ageplay- und Pädo-Sims sehen könnte, blind sind. Aber es gibt eben die, denen das nicht reicht, die also ein Umfeld brauchen, in dem sie sich noch sicherer fühlen. Und OpenSim, das ja keinerlei wie auch immer geartete zentrale Administration hat, ist für sie genau das.&#xA;&#xA;Ich möchte mal zwei Beispiele aufführen.&#xA;&#xA;Travesty Winesmith&#xA;&#xA;Das eine war Travesty Winesmith, ein Texaner mit durchweg erwachsenen männlichen Avataren. Später agierte er auch unter den Namen Trav Gambino und Paul Jones. Seine eine Eigenart waren ständige Versuche, geltende Regeln als für ihn selbst ungültig zu erachten und durch seine eigenen zu ersetzen. Wenn er das nicht konnte, versuchte er sie zu umschiffen.&#xA;&#xA;So setzte er teilweise auf sogenanntes Daddyplay. Dafür trieb er sich auf Adult-Sims herum, auf denen die Wahrscheinlichkeit groß genug war, auf einzelne weibliche Avatare zu treffen, die idealerweise sogar nackt waren. Das Daddyplay, das er vorhatte, sollte ein Rollenspiel sein, in dem sein erwachsener männlicher Avatar den Papa spielt und ein erwachsener (!) weiblicher Avatar seine implizit oder gar explizit minderjährige (!) Tochter (!).&#xA;&#xA;Er wußte ganz genau, daß man ihn dafür nicht sanktionieren konnte. Immerhin hätte es sich de facto immer noch um ein sexuelles Rollenspiel zwischen zwei erwachsenen Avataren gehandelt, von denen einer eben nur eine minderjährige Person gespielt hätte. Wohlgemerkt, in beiderseitigem Einvernehmen. Das hätte nicht gegen die jeweiligen Simregeln verstoßen, das hätte nicht gegen die jeweiligen Gridregeln verstoßen, das hätte auch nicht gegen geltendes Real-Life-Recht verstoßen, zumindest nicht in der westlichen Welt, in der fast alles in OpenSim läuft. Jeglicher Versuch, das zu ahnden, wäre laut ihm nichts weiter gewesen als Teil einer Hexenjagd und Verleumdungskampagne gegen ihn.&#xA;&#xA;Manchmal reichte ihm aber auch das nicht aus. Es gab mindestens einmal einen Fall, in dem öffentlich ein Bild gepostet wurde, das ihn auf einer Sim mit Kinderthema und General-Rating zeigt, wie er nackt neben einem angezogenen Kinderavatar steht. Wohlgemerkt, das Bild wurde nicht mit der Fotofunktion gerendert, sondern es war tatsächlich ein Screenshot mit Namen über den Avataren. Der Name des Kinderavatars wurde unkenntlich gemacht, ebenso Travs Gemächt, aber was da zu sehen war, war eindeutig. Travs Reputation wurde dadurch nicht geschädigt, sondern eher bestätigt, aber die Sim und ihre Betreiberin standen in einem sehr schlechten Licht da.&#xA;&#xA;Nachdem die Identität „Travesty Winesmith“ komplett verbrannt war, kehrte er zurück als Trav Gambino. Als solcher führte er sich aber wieder genauso auf, und es war in nullkommanix klar, daß das Travesty Winesmith mit neuem Namen war. Daraufhin legte er sich die Identität Paul Jones zu, die zum einen weniger offensichtlich sein sollte, und die er zum anderen nur in-world verwendete, aber nicht auf wie auch immer gearteten Websites. Aber auch hier blieb nicht lange unklar, wer das war.&#xA;&#xA;Der Engländer mit den vielen Kleinmädchenavataren&#xA;&#xA;Das andere war ein wegen pädophiler Straftaten bereits vorbestrafter Engländer. Der ging anders vor: Statt jeweils immer nur eines einzigen erwachsenen Männeravatars hatte er etliche Avatare in Gestalt kleiner Mädchen. Er hatte dafür eine ganze Liste an Identitäten, mindestens ein halbes Dutzend davon. Er legte Avatare mit diesen Identitäten jeweils auf etlichen Grids an. Und er hatte mit Sicherheit immer eine und dieselbe Avatar-Grundausstattung, die er von Avatar zu Avatar weitergab, um die Ausgestaltung der Avatare zu beschleunigen.&#xA;&#xA;Dann nahm er einen dieser Mädchenavatare und schickte ihn auf eine Sim mit mindestens einem weiteren Avatar darauf. Diese Sim mußte er sicherlich vorher auskundschaften, denn sie durfte nicht die Kombination eines Landepunktes direkt neben einer aktiv genutzten Partylocation mit einem Verbot von Kinderavataren haben. Oder er riskierte es einfach, daß einer seiner Avatare ungünstig landete und damit für diese Sim oder das ganze Grid verbrannt war – egal, er hatte ja dutzendweise Ersatzavatare und konnte jederzeit mit minimalem Aufwand neue machen.&#xA;&#xA;Der nächste Schritt war dann, die Liste der auf der Sim befindlichen Avatare zu öffnen und einen männlichen Avatar herauszusuchen – oder einen, dessen Name männlich erschien. Er war nämlich nicht die hellste Kerze auf der Torte und hielt „Juno“ für einen Männernamen.&#xA;&#xA;Diesen Avatar schrieb er dann per PN an. Dabei schrieb er immer exakt denselben Wortlaut. Zumindest die Zeilen fürs Anschreiben hatte er auf einer Notecard oder in einer Textdatei oder einem Word-Dokument oder so und copy-pastete sie immer in den Chat, statt sie neu zu tippen.&#xA;&#xA;Als erstes winkte er dem anderen Avatar zu – selbst wenn das über eine Distanz von über 100 Metern war mit etlichen Sichtbarrieren dazwischen. Auch wenn man nicht darauf einging, schob er eine Frage nach dem werten Befinden hinterher, die er immer „How is you“ schrieb. Wenn man dann darauf einging, kam als nächstes die Ansage dieses Mädchens, daß ihr Papa gerade nicht zu Hause ist, und ob man mit ihr nach Hause kommen möchte. Wie gesagt, immer 100% identischer Wortlaut.&#xA;&#xA;Wenn er das auf einer Partysim tat, schrieb er auf diese Art mitunter gleich mehrere Avatare gleichzeitig an in der Hoffnung, einer würde anbeißen.&#xA;&#xA;Der Kerl war damals derart aktiv, daß es nicht lange dauerte, bis man von ihm mehrfach angeschrieben worden war. Er führte ja nie Buch darüber, wo er schon war und wen er schon angeschrieben hatte. Nach ein paarmal erkannte man ihn sofort an seiner gecopypasteten Schreibweise, ohne seinen Avatar auch nur zu sehen. Nach ein paarmal mehr kannte man auch zumindest ein paar der Namen, die seine Avatare trugen. Wie gesagt, denselben Namen gab es durchaus auf zwei, drei oder noch mehr Grids.&#xA;&#xA;Gegenmaßnahmen&#xA;&#xA;Die beiden waren allerdings keine Einzelfälle und schon gar nicht die einzigen. Wer nicht gerade in einer winzigen Blase sitzt und diese nie verläßt, weiß, daß es in OpenSim einiges an Pädophilie gibt. In Ermangelung einer zentralen Administration, einer zentralen Definition von Regeln und einer zentralen Durchsetzung dieser Regeln obliegt es der Community, dagegen etwas zu unternehmen. Und angesichts des Berichts über Ageplay in Second Life ist nicht nur davon auszugehen, daß dies noch verschärft wird – es passiert bereits.&#xA;&#xA;Die Konsequenzen dieser Maßnahmen, die harmlosen Avataren in Gestalt Minderjähriger ebenso wie auch manchen eigentlich erwachsenen Avataren das Leben schwer machen, möchte ich im zweiten Teil schildern.&#xA;&#xA;#OpenSim #SecondLife #FürFortgeschrittene #News #Drama #NSFW&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Am Freitag, dem 1. März ging es durch den Second-Life-Buschfunk: Auf Medium hat jemand einen Artikel veröffentlicht, in dem es um Ageplay in Second Life geht. Nicht nur legt der Artikel dar, daß es so etwas in Second Life entgegen a) den Regeln in Second Life und b) den Beteuerungen von Linden Lab tatsächlich gibt – nein, es heißt auch, daß Lindens selbst daran teilgenommen haben.</p>

<p>Die Reaktionen der Communitys von Second Life und OpenSim fallen aktuell entsprechend aus. Aber nicht nur auf die behauptete Teilnahme von Lindens, sondern darauf, daß es öffentlich angesprochen wird, daß so etwas existiert. </p>

<p>Den Artikel auf Medium werde ich nicht verlinken; so ziemlich jeder, der diesen Artikel behandelt, weigert sich dagegen, so heikel ist der. Statt dessen kann man sich <a href="https://old.reddit.com/r/secondlife/comments/1b3etxt/confirmed_linden_lab_investigating_serious/" rel="nofollow">den dazugehörigen Thread im englischsprachigen Second-Life-Subreddit</a> zu Gemüte führen.</p>

<h2 id="ageplay">Ageplay?</h2>

<p>Zunächst einmal: Worum geht es hier eigentlich? Was ist dieses Ageplay?</p>

<p>Gemeint ist hier sexuelles Ageplay. Im Klartext: Erwachsene Avatare, die von erwachsenen Nutzern gesteuert werden, führen sexuelle Handlungen durch mit Kinderavataren, die von erwachsenen Nutzern gesteuert werden. Und ja, das ist in Second Life eigentlich komplett verboten, und zwar auch auf Sims mit Adult-Rating.</p>

<p>Fakt ist aber: Das gibt es trotzdem. Einige der ältesten Sims in Second Life spezialisieren sich geradezu auf so etwas – zwar nur hinter vorgehaltener Hand, aber wer weiß, wo man sich wie informieren kann, der findet das. Und es macht den Anschein, als hätten ausgerechnet die Lindens es in mehr als anderthalb Jahrzehnten nicht geschafft, das zu entdecken.</p>

<p>Dabei kann es so undergroundig gar nicht sein. Es gibt ja tatsächlich Content, der ziemlich eindeutig genau dafür erschaffen wurde. Ich bin zwar selbst nicht in Second Life, geschweige denn in dieser Szene. Aber daß es diesen Content gibt, weiß ich daher, daß er zum einen immer wieder genannt wird, wenn es um das Problem Ageplay geht, und zum anderen es genau diesen Content auch in OpenSim gibt.</p>

<h2 id="gibt-es-das-wirklich">Gibt es das wirklich?</h2>

<p>Annähernd alles, was seit ca. 2015 in OpenSim neu an Kindercontent aufgetaucht ist, wurde aus Second Life geklaut. Und damit es aus Second Life geklaut werden kann, muß es folgerichtigerweise in Second Life existieren.</p>

<p>Gut, zunächst einmal kann man daran, daß es Sachen gibt, mit denen man seinen Avatar als Kind ausstaffieren kann, nichts Verwerfliches finden. Kann ja mal sein, daß jemand eine unbeschwerte Kindheit, die man selbst nie hatte, spielen will. Oder daß sich ein paar Leute zusammentun und eine Familie spielen wollen. Oder so.</p>

<p>Aber dann guckt man sich den Content, den es in den Kinderläden auf einigen Freebie-Sims so gibt, mal genauer an. Da gibt es dann Kinder-Meshbodys. Mit dazugehörigen Skin-Appliern, denn das ist alles noch aus Vor-BoM-Zeiten. Und auf der Box ist dann eben so ein Kinderavatar mit diesem Meshbody abgebildet.</p>

<p>Nackt.</p>

<p>Standardmäßig ist da ein Mädchen zu sehen. Bei älteren Ausgaben der Box ist der Genitalbereich des Mädchens komplett unbedeckt. Diese Textur im Viewer-Cache zu haben, kann eigentlich schon den Straftatbestand des Besitzes von Kinderpornographie erfüllen, zumal es da bis heute keine juristischen Entscheidungen darüber gibt, wo die in virtuellen Welten anfängt und aufhört. Neuere Ausgaben derselben Box haben einen Querbalken mit dem Namen des Body über den Genitalbereich gelegt – und zwar ganz knapp, daß gerade eben so überdeckt wird, was unbedingt überdeckt werden muß.</p>

<p>Da fragt man sich: Wofür muß ein Kinderavatar überhaupt die Möglichkeit haben, nackt zu sein? Kann man auf die Skin nicht zumindest einen Schlüpfer fest aufbaken, wie es ja teilweise tatsächlich praktiziert wird? Und auch Mesh-Badesachen können so zugeschnitten werden, daß sie den aufgebaketen Schlüpfer komplett überdecken, so daß man den nicht sieht.</p>

<p>Wer so etwas in einem Laden anbietet, kuratiert entweder die Sachen nicht, die er an die Wände ballert, und guckt auch selbst nie nach, was da so hängt. Oder er will ganz einfach möglichst viel Content anbieten, egal, was es sein möge. Oder … denken wir lieber nicht darüber nach.</p>

<p>Wenn man sich in so einem Kinderavatarladen etwas genauer umguckt, wird man auch auf mindestens eine Box stoßen mit – jetzt kommt’s – einem Kinderpimmel. Einem geskripteten, also mit gewissen Funktionen.</p>

<p>Gut, jetzt kann man sagen: Die Nacktskins und den Schniepel braucht man z. B. für einen Nacktbadestrand oder eine FKK-Sim oder so. Oder vielleicht will die Familie ihr Kind ja auch mal baden. Ist doch eigentlich alles ganz harmlos.</p>

<p>Zunächst einmal: Nein, in virtuellen Welten ist das nicht harmlos. Wie gesagt: Es gibt noch keine eindeutige, allgemeingültige juristische Entscheidung darüber, ob nackte Kinderavatare in virtuellen Welten Kipo sind oder nicht. Und solange es keine solche Entscheidung gibt, ist davon auszugehen, daß es als Kipo angesehen und entsprechend geahndet werden kann. Will sagen: Du kannst buchstäblich in den Knast dafür gehen, daß du einmal auf einer FKK-Sim warst.</p>

<p>Vom Juristischen mal ganz abgesehen, ist da immer noch der Umstand, daß dieser Kinderschniepel <em>geskriptet</em> ist. Der hat also Funktionen, die auch Erwachsenenpimmel haben – möglicherweise vom Samenerguß abgesehen, der in dem Alter noch nicht möglich ist. Aber sonst alles. Jetzt kann man das Pipimachen als notwendigen Teil eines harmlosen Rollenspiels einer Familie oder gar einer Kinderbande auf einem FKK-Zeltplatz zu rechtfertigen versuchen, aber schon damit begibt man sich auf dünnes Eis. Und wofür, bitteschön, muß so ein Kinderschniepel zu <em>Erektionen</em> fähig sein? Wie will man das ohne sexuellen Kontext rechtfertigen?</p>

<h2 id="präzedenzfälle-in-opensim">Präzedenzfälle in OpenSim</h2>

<p>Nun könnte man sagen: „Okay, es gibt all diese Sachen. Aber das benutzt doch keiner. Und sexuelles Ageplay macht doch auch keiner. Das kann ich mir nicht vorstellen.“</p>

<p>Ich konnte mir bis 2021 auch nicht vorstellen, daß jemand die Sexanimationen in damit ausgestatteten Möbelstücken tatsächlich benutzt, bis ich das erste Mal in-world verführt worden bin.</p>

<p>Und ja, Ageplay gibt es. Und ja, es gibt auch Pädophile in OpenSim. Eigentlich könnte man sagen, in Second Life haben die nicht viel zu verlieren, weil die Lindens auf dem Auge, das die einschlägigen Ageplay- und Pädo-Sims sehen könnte, blind sind. Aber es gibt eben die, denen das nicht reicht, die also ein Umfeld brauchen, in dem sie sich noch sicherer fühlen. Und OpenSim, das ja keinerlei wie auch immer geartete zentrale Administration hat, ist für sie genau das.</p>

<p>Ich möchte mal zwei Beispiele aufführen.</p>

<h3 id="travesty-winesmith">Travesty Winesmith</h3>

<p>Das eine war Travesty Winesmith, ein Texaner mit durchweg erwachsenen männlichen Avataren. Später agierte er auch unter den Namen Trav Gambino und Paul Jones. Seine eine Eigenart waren ständige Versuche, geltende Regeln als für ihn selbst ungültig zu erachten und durch seine eigenen zu ersetzen. Wenn er das nicht konnte, versuchte er sie zu umschiffen.</p>

<p>So setzte er teilweise auf sogenanntes Daddyplay. Dafür trieb er sich auf Adult-Sims herum, auf denen die Wahrscheinlichkeit groß genug war, auf einzelne weibliche Avatare zu treffen, die idealerweise sogar nackt waren. Das Daddyplay, das er vorhatte, sollte ein Rollenspiel sein, in dem sein erwachsener männlicher Avatar den Papa spielt und ein erwachsener (!) weiblicher Avatar seine implizit oder gar explizit minderjährige (!) Tochter (!).</p>

<p>Er wußte ganz genau, daß man ihn dafür nicht sanktionieren konnte. Immerhin hätte es sich de facto immer noch um ein sexuelles Rollenspiel zwischen zwei erwachsenen Avataren gehandelt, von denen einer eben nur eine minderjährige Person gespielt hätte. Wohlgemerkt, in beiderseitigem Einvernehmen. Das hätte nicht gegen die jeweiligen Simregeln verstoßen, das hätte nicht gegen die jeweiligen Gridregeln verstoßen, das hätte auch nicht gegen geltendes Real-Life-Recht verstoßen, zumindest nicht in der westlichen Welt, in der fast alles in OpenSim läuft. Jeglicher Versuch, das zu ahnden, wäre laut ihm nichts weiter gewesen als Teil einer Hexenjagd und Verleumdungskampagne gegen ihn.</p>

<p>Manchmal reichte ihm aber auch das nicht aus. Es gab mindestens einmal einen Fall, in dem öffentlich ein Bild gepostet wurde, das ihn auf einer Sim mit Kinderthema und General-Rating zeigt, wie er nackt neben einem angezogenen Kinderavatar steht. Wohlgemerkt, das Bild wurde nicht mit der Fotofunktion gerendert, sondern es war tatsächlich ein Screenshot mit Namen über den Avataren. Der Name des Kinderavatars wurde unkenntlich gemacht, ebenso Travs Gemächt, aber was da zu sehen war, war eindeutig. Travs Reputation wurde dadurch nicht geschädigt, sondern eher bestätigt, aber die Sim und ihre Betreiberin standen in einem sehr schlechten Licht da.</p>

<p>Nachdem die Identität „Travesty Winesmith“ komplett verbrannt war, kehrte er zurück als Trav Gambino. Als solcher führte er sich aber wieder genauso auf, und es war in nullkommanix klar, daß das Travesty Winesmith mit neuem Namen war. Daraufhin legte er sich die Identität Paul Jones zu, die zum einen weniger offensichtlich sein sollte, und die er zum anderen nur in-world verwendete, aber nicht auf wie auch immer gearteten Websites. Aber auch hier blieb nicht lange unklar, wer das war.</p>

<h3 id="der-engländer-mit-den-vielen-kleinmädchenavataren">Der Engländer mit den vielen Kleinmädchenavataren</h3>

<p>Das andere war ein wegen pädophiler Straftaten bereits vorbestrafter Engländer. Der ging anders vor: Statt jeweils immer nur eines einzigen erwachsenen Männeravatars hatte er etliche Avatare in Gestalt kleiner Mädchen. Er hatte dafür eine ganze Liste an Identitäten, mindestens ein halbes Dutzend davon. Er legte Avatare mit diesen Identitäten jeweils auf etlichen Grids an. Und er hatte mit Sicherheit immer eine und dieselbe Avatar-Grundausstattung, die er von Avatar zu Avatar weitergab, um die Ausgestaltung der Avatare zu beschleunigen.</p>

<p>Dann nahm er einen dieser Mädchenavatare und schickte ihn auf eine Sim mit mindestens einem weiteren Avatar darauf. Diese Sim mußte er sicherlich vorher auskundschaften, denn sie durfte nicht die Kombination eines Landepunktes direkt neben einer aktiv genutzten Partylocation mit einem Verbot von Kinderavataren haben. Oder er riskierte es einfach, daß einer seiner Avatare ungünstig landete und damit für diese Sim oder das ganze Grid verbrannt war – egal, er hatte ja dutzendweise Ersatzavatare und konnte jederzeit mit minimalem Aufwand neue machen.</p>

<p>Der nächste Schritt war dann, die Liste der auf der Sim befindlichen Avatare zu öffnen und einen männlichen Avatar herauszusuchen – oder einen, dessen Name männlich erschien. Er war nämlich nicht die hellste Kerze auf der Torte und hielt „Juno“ für einen Männernamen.</p>

<p>Diesen Avatar schrieb er dann per PN an. Dabei schrieb er immer exakt denselben Wortlaut. Zumindest die Zeilen fürs Anschreiben hatte er auf einer Notecard oder in einer Textdatei oder einem Word-Dokument oder so und copy-pastete sie immer in den Chat, statt sie neu zu tippen.</p>

<p>Als erstes winkte er dem anderen Avatar zu – selbst wenn das über eine Distanz von über 100 Metern war mit etlichen Sichtbarrieren dazwischen. Auch wenn man nicht darauf einging, schob er eine Frage nach dem werten Befinden hinterher, die er <em>immer</em> „How is you“ schrieb. Wenn man dann darauf einging, kam als nächstes die Ansage dieses Mädchens, daß ihr Papa gerade nicht zu Hause ist, und ob man mit ihr nach Hause kommen möchte. Wie gesagt, immer 100% identischer Wortlaut.</p>

<p>Wenn er das auf einer Partysim tat, schrieb er auf diese Art mitunter gleich mehrere Avatare gleichzeitig an in der Hoffnung, einer würde anbeißen.</p>

<p>Der Kerl war damals derart aktiv, daß es nicht lange dauerte, bis man von ihm mehrfach angeschrieben worden war. Er führte ja nie Buch darüber, wo er schon war und wen er schon angeschrieben hatte. Nach ein paarmal erkannte man ihn sofort an seiner gecopypasteten Schreibweise, ohne seinen Avatar auch nur zu sehen. Nach ein paarmal mehr kannte man auch zumindest ein paar der Namen, die seine Avatare trugen. Wie gesagt, denselben Namen gab es durchaus auf zwei, drei oder noch mehr Grids.</p>

<h2 id="gegenmaßnahmen">Gegenmaßnahmen</h2>

<p>Die beiden waren allerdings keine Einzelfälle und schon gar nicht die einzigen. Wer nicht gerade in einer winzigen Blase sitzt und diese nie verläßt, weiß, daß es in OpenSim einiges an Pädophilie gibt. In Ermangelung einer zentralen Administration, einer zentralen Definition von Regeln und einer zentralen Durchsetzung dieser Regeln obliegt es der Community, dagegen etwas zu unternehmen. Und angesichts des Berichts über Ageplay in Second Life ist nicht nur davon auszugehen, daß dies noch verschärft wird – es passiert bereits.</p>

<p>Die Konsequenzen dieser Maßnahmen, die harmlosen Avataren in Gestalt Minderjähriger ebenso wie auch manchen eigentlich erwachsenen Avataren das Leben schwer machen, möchte ich im zweiten Teil schildern.</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:SecondLife" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">SecondLife</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:F%C3%BCrFortgeschrittene" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">FürFortgeschrittene</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:News" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">News</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:Drama" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Drama</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:NSFW" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">NSFW</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/der-second-life-ageplay-skandal-und-opensim-teil-1-die-situation</guid>
      <pubDate>Sun, 03 Mar 2024 17:05:39 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>CopyKat Grid: Oni Kiri hat sich zur Ruhe gesetzt, und das Grid ist Geschichte</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/copykat-grid-oni-kiri-hat-sich-zur-ruhe-gesetzt-und-das-grid-ist</link>
      <description>&lt;![CDATA[Wer aktuell nach CopyKat will, z. B. Adachi, Freckles, Xinashi oder eine der anderen Sims, wird feststellen, daß sie offline sind. Das ganze Grid ist offline. Es ist nicht nur offline, sondern es existiert in dieser Form nicht mehr.&#xA;&#xA;Der Grund ist, daß Oni Kiri keinen Bock mehr hat. Es war am Ende einfach zuviel Arbeit. Siehe OpenSimWorld. !--more--&#xA;&#xA;Weil wohl einige Leser nur Bahnhof verstehen dürften, sollte ich sehr viel weiter ausholen: Oni Kiri war bis vor sehr kurzem noch der Admin von CopyKat. Er beschreibt sich selbst als „alter Mann in Gestalt eines jungen Mädchens“.&#xA;&#xA;Er ist OpenSim-User der allerersten Stunde und war einer der ersten Einwohner des OSgrid. Vermutlich war es auch noch im OSgrid, wo er sehr viel später seine berühmten Freebie-Sims Adachi und Freckles gestartet hat. Vor allem Adachi war aber zum Brechen voll mit illegalem Content, was dann wohl im OSgrid nicht so gern gesehen wurde. Soweit ich mich erinnern kann, zog Oni daraufhin mitsamt Sims um nach Sacrarium und danach ins Foundation Grid, wohl um der Reputation Sacrariums als „das Copybotting-Gangster-Grid“ zu entgehen. 2021 wurde das Foundation Grid aber abgeschaltet, wie es aussieht, ohne vorherige Ankündigung.&#xA;&#xA;Es dauerte eine Weile, bis Adachi, Freckles &amp; Co. zurückkamen. Denn dafür mußte Oni ein ganz eigenes Grid starten, CopyKat. Weil sich das als stabil und leistungsfähig erwies, wurde es alsbald zum Zuhause auch für andere Leute. Nico Kailani, Eigentümerin von Xinashi, das vielleicht einigen für die &#34;oh Hello&#34;-Komplettavatare auf Athena-Basis bekannt sein dürfte, zog dahin ebenso um wie die Künstlerin Cherry Manga, die dadurch dem Niedergang des FrancoGrid zuvorkam und inzwischen im OSgrid residiert.&#xA;&#xA;Oni war letztlich CopyKat-Admin, Betreiber und Ausstatter einer ganzen Reihe von Freebie-Sims im eigenen Grid, darunter sieben mit „Adachi“ im Namen, und außerdem Clubbetreiber und Eventmanager, weil im CopyKat-Grid durchaus auch Events stattfanden. Man kann sich vorstellen, daß das ein ganzer Haufen Arbeit war.&#xA;&#xA;Letztes Jahr war CopyKat schon einmal eine Weile offline, weil der Server den Geist aufgegeben hatte; es konnte aber gerettet werden.&#xA;&#xA;Jetzt ist es wieder down, weil Oni von jetzt auf gleich die Brocken hingeworfen, sich als Admin zur Ruhe gesetzt, OARs exportiert und in befreundete Hände gegeben und daraufhin das Grid abgeschaltet hat. Das heißt, Bemühungen anderer CopyKat-User, darunter Nico Kailani, CopyKat auf neuen Servern unter neuer Administration aus den vorhandenen OARs ganz neu aufzubauen, wurden gestartet. Nach aktuellem Stand wird CopyKat aber nicht zurückkehren und zumindest Onis Sims auch nicht.&#xA;&#xA;#OpenSim #Grid #News]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer aktuell nach CopyKat will, z. B. Adachi, Freckles, Xinashi oder eine der anderen Sims, wird feststellen, daß sie offline sind. Das ganze Grid ist offline. Es ist nicht nur offline, sondern es existiert in dieser Form nicht mehr.</p>

<p>Der Grund ist, daß Oni Kiri keinen Bock mehr hat. Es war am Ende einfach zuviel Arbeit. Siehe <a href="https://opensimworld.com/post/99724" rel="nofollow">OpenSimWorld</a>. </p>

<p>Weil wohl einige Leser nur Bahnhof verstehen dürften, sollte ich sehr viel weiter ausholen: Oni Kiri war bis vor sehr kurzem noch der Admin von CopyKat. Er beschreibt sich selbst als „alter Mann in Gestalt eines jungen Mädchens“.</p>

<p>Er ist OpenSim-User der allerersten Stunde und war einer der ersten Einwohner des OSgrid. Vermutlich war es auch noch im OSgrid, wo er sehr viel später seine berühmten Freebie-Sims Adachi und Freckles gestartet hat. Vor allem Adachi war aber zum Brechen voll mit illegalem Content, was dann wohl im OSgrid nicht so gern gesehen wurde. Soweit ich mich erinnern kann, zog Oni daraufhin mitsamt Sims um nach Sacrarium und danach ins Foundation Grid, wohl um der Reputation Sacrariums als „das Copybotting-Gangster-Grid“ zu entgehen. 2021 wurde das Foundation Grid aber abgeschaltet, wie es aussieht, ohne vorherige Ankündigung.</p>

<p>Es dauerte eine Weile, bis Adachi, Freckles &amp; Co. zurückkamen. Denn dafür mußte Oni ein ganz eigenes Grid starten, CopyKat. Weil sich das als stabil und leistungsfähig erwies, wurde es alsbald zum Zuhause auch für andere Leute. Nico Kailani, Eigentümerin von Xinashi, das vielleicht einigen für die “oh Hello”-Komplettavatare auf Athena-Basis bekannt sein dürfte, zog dahin ebenso um wie die Künstlerin Cherry Manga, die dadurch dem Niedergang des FrancoGrid zuvorkam und inzwischen im OSgrid residiert.</p>

<p>Oni war letztlich CopyKat-Admin, Betreiber und Ausstatter einer ganzen Reihe von Freebie-Sims im eigenen Grid, darunter sieben mit „Adachi“ im Namen, und außerdem Clubbetreiber und Eventmanager, weil im CopyKat-Grid durchaus auch Events stattfanden. Man kann sich vorstellen, daß das ein ganzer Haufen Arbeit war.</p>

<p>Letztes Jahr war CopyKat schon einmal eine Weile offline, weil der Server den Geist aufgegeben hatte; es konnte aber gerettet werden.</p>

<p>Jetzt ist es wieder down, weil Oni von jetzt auf gleich die Brocken hingeworfen, sich als Admin zur Ruhe gesetzt, OARs exportiert und in befreundete Hände gegeben und daraufhin das Grid abgeschaltet hat. Das heißt, Bemühungen anderer CopyKat-User, darunter Nico Kailani, CopyKat auf neuen Servern unter neuer Administration aus den vorhandenen OARs ganz neu aufzubauen, wurden gestartet. Nach aktuellem Stand wird CopyKat aber nicht zurückkehren und zumindest Onis Sims auch nicht.</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:Grid" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Grid</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:News" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">News</span></a></p>
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      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/copykat-grid-oni-kiri-hat-sich-zur-ruhe-gesetzt-und-das-grid-ist</guid>
      <pubDate>Wed, 24 May 2023 12:48:10 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Kommt der Ukraine-Krieg nach OpenSim?</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/kommt-der-ukraine-krieg-nach-opensim</link>
      <description>&lt;![CDATA[Kurze Antwort: Nein. Er ist schon da. !--more--&#xA;&#xA;Okay, zugegeben, das war Clickbait. Aber auf eine Art ist es die Wahrheit. Denn auf der einen Seite gibt es viele Solidaritätsbekundungen für die Ukraine in OpenSim, sowohl in-world als auch auf dazugehörigen Websites. Und es wird auch offengelegt, wer Putin-Anhänger ist. Einige von ebendiesen versuchen aber auf der anderen Seite, jegliche Solidarität für die Ukraine nicht nur als Unterstützung von Nazis und Terroristen zu brandmarken, sondern in einem totalen Vernichtungskrieg restlos auszulöschen.&#xA;&#xA;Warten auf Statements seitens vermeintlicher und tatsächlicher Russen&#xA;&#xA;Aber von Anfang an: Als der Krieg in der Ukraine begann, gab es nur noch zwei wesentliche Grids aus russischsprachigen Ländern mit teilweise oder komplett russischem Team dahinter.&#xA;&#xA;Zum einen war das das berüchtigte Sacrarium, das seine ganz eigene Geschichte hat, die ich hier nicht breittreten will. Sacrarium hat seinen Serverstandort in Kasachstan, meines Wissens in der Wohnung des primären Techadmin, und dazu zwei weitere russische Administratoren. Es ist eigentlich kein russisches Grid, wird aber als solches angesehen. Früher hatte Sacrarium auch eine russische Top Level Domain, inzwischen hat es die der Sowjetunion.&#xA;&#xA;Zum anderen war das Caprica, das weit weniger bekannt ist und in erster Linie für seine Events. Caprica ist tatsächlich durch und durch russisch. Es hat sich selbst vor jüngerer Zeit eine eigene Domain mit neutraler TLD genehmigt, vermutlich, um nicht länger in Sippenhaft genommen zu werden für Sacrariums Untaten, die dazu führten, daß man Russen in OpenSim generell nicht mehr traute.&#xA;&#xA;Reaktion von Sacrarium&#xA;&#xA;Nach Kriegsbeginn wartete man tagelang auf eine Stellungnahme Sacrariums, um entsprechend reagieren zu können. Das heißt, das Fehlen einer Stellungnahme wurde zeitweise als Stellungnahme an sich angesehen. Am 1. März kam sie dann auf Sacrariums eigenem Social Network Soziarium. Darin hieß es: Sacrarium wünscht sich den Weltfrieden, auch schon deshalb, weil sie aktive Nutzer aus aller Herren Länder haben. Was den Zivilisten in der Ukraine zustößt, kann man nicht gutheißen. Andererseits aber gibt man der NATO und den USA die Schuld am Krieg und kommt mit anderen Kriegen – die noch nicht einmal alle von den USA angefangen wurden – als Whataboutisms. Man steht zwar nicht auf Putins Seite, aber auch nicht gegen ihn. Obendrein behauptet man, nur der Westen würde auf Propaganda reinfallen, und bezichtigt die USA und die NATO des Nazitums.&#xA;&#xA;Daß Sacrarium sich nicht offiziell gegen Putin stellte, wurde als Extragrund angesehen, das Grid zu blockieren. Gleichzeitig wurde Dorena Verne, Gründerin und Administratorin von Dorena’s World, als regelrechte Kriegskollaboratorin attackiert, weil sie – übrigens eine der striktesten und radikalsten Pazifistinnen, die ich je kennengelernt habe – mit dem Chefadmin von Sacrarium (noch einmal, der Mann ist Kasache und kein Russe) nach einer kurzzeitigen gegenseitigen Sperre offiziell Frieden geschlossen hat, woraufhin beide Seiten die Sperren aufgehoben haben. Auch andere bekannte Mitglieder von Dorena’s World wurden verbal angegriffen.&#xA;&#xA;Reaktion von Caprica&#xA;&#xA;In der Zwischenzeit war es um Caprica still geworden. Das Grid zog nie so gewaltige Aufmerksamkeit auf sich, weshalb niemand es bemerkte – auch nicht, daß Caprica ein eigenes Statement verfaßte. Die Worte sind deutlich: Caprica steht voll und ganz hinter Putin und dessen „militärischer Spezialoperation“ in der Ukraine. Für das Caprica-Team ist es unumstrittene Tatsache, daß in der Ukraine Nazis und sogar Terroristen das Sagen haben.&#xA;&#xA;Mehr noch als das: Sie bezichtigen jeden, der für die Ukraine in irgendeiner Weise Partei ergreift – und sei es durch das Tragen von Kleidung in den Farben der ukrainischen Flagge – der Nazi- und Terrorunterstützung. Vier Tage nach Kriegsbeginn, noch bevor Sacrarium sein Statement abgab, gab Caprica in einer Ergänzung bekannt, daß sie acht Grids für immer gesperrt haben, darunter das OSgrid, das größte und älteste aller Grids, und wieder Dorena’s World, noch bevor die dortigen Friedens- und Solidaritätsveranstaltungen für die Ukraine auch nur geplant waren. Dies dürfte auch einfach daran gelegen haben, daß unter anderen aus diesen beiden Grids Kleidung in den ukrainischen Nationalfarben kam.&#xA;&#xA;Die zu sperrenden Grids waren übrigens genau die, über deren positive Aktionen zum Krieg Hypergrid Business berichtete. Im selben Post wurde aber auch über die absolut regimetreue Parteinahme Capricas berichtet. Deren Reaktion war, Hypergrid Business die namentliche Nennung von Caprica und dessen Team zu verbieten und sogar zu fordern, alle bisherigen Posts, in denen Caprica genannt wurde, entweder zu löschen – wie den eben genannten – oder zu redigieren. Außerdem forderte der Admin, jeden Text, in dem es um Caprica gehen soll, vor Veröffentlichung einsehen und der Veröffentlichung zustimmen zu dürfen.&#xA;&#xA;An der Schwelle zum Cyberwar?&#xA;&#xA;Das reichte aber anscheinend noch nicht. Am Montag berichtete Maria Korolov, die hauptsächliche Autorin von Hypergrid Business, daß noch jemand aus diesen Kreisen sie gewarnt hatte: Wenn das Blog nicht umgehend seine „Nazi-Unterstützung“ (= auch nur das Zeigen der Farben der ukrainischen Flagge) einstellt, wird es auf eine „Liste zur Zerstörung“ gesetzt. Dasselbe gilt für OpenSims zentrales Infoportal OpenSimWorld.&#xA;&#xA;Nur diese beiden Ziele wurden namentlich genannt, aber es ist nicht auszuschließen, daß diese Liste, so sie existiert, noch länger ist. Denn Ziele gäbe es genügend. Darunter fielen beispielsweise alle Grids, in denen es irgendwelche solidarischen Aktionen und/oder Objekte für die Ukraine gibt, gegeben hat oder angekündigterweise geben wird.&#xA;&#xA;Daß etwas passieren wird, ist so wahrscheinlich, daß es schon sicher ist. Denn es ist schon etwas passiert. Nur kurze Zeit, nachdem der verlinkte Artikel auf Hypergrid Business erschienen war, meldete ein regulärer Hypergrid-Business-Leser, daß die Website down war. Es kostete Maria nur einen Anruf beim Webhoster und den wiederum nur ein paar Sekunden, um die Website wieder zum Laufen zu bringen – aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hatte es eine erste Attacke im Sinne der „Terrorismusbekämpfung“ gegeben.&#xA;&#xA;Aktuell halte ich es allerdings für unwahrscheinlich, daß die Caprica-Betreiber tatsächlich einen direkten Draht zum nationalen russischen Cyberwarfare-Kommando haben und bei denen diese „Liste zur Zerstörung“ vorliegt. Die haben nämlich wichtigere Tätigkeiten, als Blogs, die keine Sau kennt, mit an sich unpolitischem Nischenthema abzuschießen, nur weil da jemand Partei für die Ukraine ergreift. Vor allem würden es eh nur die paar hundert Leute merken, die Hypergrid Business regulär verfolgen; man kann damit also noch nicht einmal ein militärisches Exempel statuieren, wenn es sowieso annähernd niemand mitbekommt.&#xA;&#xA;Außerdem – wenn das tatsächlich die Cyberwarfare-Abteilung des russischen Militärs tun würde, dann wäre das ein kriegerischer Akt. Serverstandort von Hypergrid Business sind die USA, was die ganze Sache zu einem kriegerischen Akt der Russischen Föderation gegen die Vereinigten Staaten und gegen die NATO machen würde. Und das wissen auch die Cyberkrieger: In den USA, im Pentagon und im Generalstab, da sitzen schon seit Jahrzehnten Leute, die ungeduldig die Messer wetzen und nur darauf warten, daß „der Russe“ ihnen endlich einen Kriegsgrund liefert.&#xA;&#xA;Und selbst wenn die Caprica-Leute tatsächlich fanatisiert genug wären, die OpenSim-Szene und die dortigen Ukraine-Sympathisanten ans russische Militär und an russische Geheimdienste zu verraten: Ich glaube kaum, daß die wiederum positive Rückmeldung an Zivilisten geben – und denen dann auch noch erlauben, das öffentlich im Internet und noch dazu US-Amerikanern gegenüber kundzutun.&#xA;&#xA;Blieben noch drei weitere Möglichkeiten. Erstens: Caprica hat kommerzielle Profis angeheuert, die die „Zerstörung“ durchführen sollen. Nicht sonderlich wahrscheinlich, wenn sie sich gleichzeitig über das sanktionsbedingte Wegbrechen der PayPal-Zahlungen beklagen. Zweitens: Caprica hat irgendwelche Skriptkiddies angeheuert. Drittens: Caprica hat selbst begonnen, sich ein „Cyberwarfare“-Arsenal zurechtzulegen. Bei allen drei Punkten frage ich mich, ob das – unabhängig von Zielen und Motivation – in Rußland legal ist.&#xA;&#xA;Im übrigen führt auch Putin keinen totalen globalen Vernichtungskrieg gegen alle Ukraine-Sympathisanten. Er läßt nicht weltweit mit Marschflugkörpern auf Leute schießen, nur weil die ein blaues Hemd zu einer gelben Hose tragen.&#xA;&#xA;Reaktion von Maria Korolov (Hypergrid Business)&#xA;&#xA;Allerdings sind die Caprica-Leute bei Maria Korolov genau an der richtigen Adresse gelandet. Die war früher nämlich tatsächlich mal Reporterin. Auslandskorrespondentin. Sie hat direkt aus so ziemlich jedem Kriegsgebiet berichtet, in dem „der Russe“ zugange war. Sie wurde dafür zweimal in den Knast gesteckt und bekam einmal sogar Besuch von einem Todesschwadron, das sie persönlich killen sollte. Sie saß in Schützengräben und mitten im Bombenhagel aus russischen Kampfbombern. Und so weiter. Das erzählt sie alles in dem Blogpost.&#xA;&#xA;Kurzum: Russen können sie schlicht und ergreifend nicht mehr schocken. Da müßten sie schon sehr viel schwerere Geschütze auffahren als das vorübergehende Abschießen von Hypergrid Business.&#xA;&#xA;Ihr Vorschlag, was ihre russischen Haters statt dessen tun könnten, ist interessant: Maria arbeitet ja an einer Buchreihe über eine virtuelle Welt, die dem Hypergrid nicht ganz unähnlich ist. Diese Bücher könnten die Russen massenhaft aufkaufen und verbrennen. Und zwar ganz viele davon.&#xA;&#xA;Ironie des Schicksals: Die virtuelle Welt aus Marias Büchern heißt so, wie die von Rußland annektierte Halbinsel auf unter anderem Russisch, Ukrainisch und Deutsch heißt: Krim. Ich frage mich, ob sie das weiß (auf Englisch heißt die Krim „Crimea“).&#xA;&#xA;#OpenSim #News]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Kurze Antwort: Nein. Er ist schon da. </p>

<p>Okay, zugegeben, das war Clickbait. Aber auf eine Art ist es die Wahrheit. Denn auf der einen Seite gibt es viele Solidaritätsbekundungen für die Ukraine in OpenSim, sowohl in-world als auch auf dazugehörigen Websites. Und es wird auch offengelegt, wer Putin-Anhänger ist. Einige von ebendiesen versuchen aber auf der anderen Seite, jegliche Solidarität für die Ukraine nicht nur als Unterstützung von Nazis und Terroristen zu brandmarken, sondern in einem totalen Vernichtungskrieg restlos auszulöschen.</p>

<h2 id="warten-auf-statements-seitens-vermeintlicher-und-tatsächlicher-russen">Warten auf Statements seitens vermeintlicher und tatsächlicher Russen</h2>

<p>Aber von Anfang an: Als der Krieg in der Ukraine begann, gab es nur noch zwei wesentliche Grids aus russischsprachigen Ländern mit teilweise oder komplett russischem Team dahinter.</p>

<p>Zum einen war das das berüchtigte <a href="https://sacrarium.su/main.php" rel="nofollow">Sacrarium</a>, das seine ganz eigene Geschichte hat, die ich hier nicht breittreten will. Sacrarium hat seinen Serverstandort in Kasachstan, meines Wissens in der Wohnung des primären Techadmin, und dazu zwei weitere russische Administratoren. Es ist eigentlich kein russisches Grid, wird aber als solches angesehen. Früher hatte Sacrarium auch eine russische Top Level Domain, inzwischen hat es die der Sowjetunion.</p>

<p>Zum anderen war das <a href="https://caprica.xyz/" rel="nofollow">Caprica</a>, das weit weniger bekannt ist und in erster Linie für seine Events. Caprica ist tatsächlich durch und durch russisch. Es hat sich selbst vor jüngerer Zeit eine eigene Domain mit neutraler TLD genehmigt, vermutlich, um nicht länger in Sippenhaft genommen zu werden für Sacrariums Untaten, die dazu führten, daß man Russen in OpenSim generell nicht mehr traute.</p>

<h2 id="reaktion-von-sacrarium">Reaktion von Sacrarium</h2>

<p>Nach Kriegsbeginn wartete man tagelang auf eine Stellungnahme Sacrariums, um entsprechend reagieren zu können. Das heißt, das Fehlen einer Stellungnahme wurde zeitweise als Stellungnahme an sich angesehen. <a href="https://soziarium.su/read-blog/130" rel="nofollow">Am 1. März kam sie dann auf Sacrariums eigenem Social Network Soziarium</a>. Darin hieß es: Sacrarium wünscht sich den Weltfrieden, auch schon deshalb, weil sie aktive Nutzer aus aller Herren Länder haben. Was den Zivilisten in der Ukraine zustößt, kann man nicht gutheißen. Andererseits aber gibt man der NATO und den USA die Schuld am Krieg und kommt mit anderen Kriegen – die noch nicht einmal alle von den USA angefangen wurden – als Whataboutisms. Man steht zwar nicht auf Putins Seite, aber auch nicht gegen ihn. Obendrein behauptet man, nur der Westen würde auf Propaganda reinfallen, und bezichtigt die USA und die NATO des Nazitums.</p>

<p>Daß Sacrarium sich nicht offiziell gegen Putin stellte, wurde als Extragrund angesehen, das Grid zu blockieren. Gleichzeitig wurde Dorena Verne, Gründerin und Administratorin von Dorena’s World, als regelrechte Kriegskollaboratorin attackiert, weil sie – übrigens eine der striktesten und radikalsten Pazifistinnen, die ich je kennengelernt habe – mit dem Chefadmin von Sacrarium (noch einmal, der Mann ist Kasache und kein Russe) nach einer kurzzeitigen gegenseitigen Sperre offiziell Frieden geschlossen hat, woraufhin beide Seiten die Sperren aufgehoben haben. Auch andere bekannte Mitglieder von Dorena’s World wurden verbal angegriffen.</p>

<h2 id="reaktion-von-caprica">Reaktion von Caprica</h2>

<p>In der Zwischenzeit war es um Caprica still geworden. Das Grid zog nie so gewaltige Aufmerksamkeit auf sich, weshalb niemand es bemerkte – auch nicht, daß Caprica <a href="https://caprica.xyz/officially/" rel="nofollow">ein eigenes Statement verfaßte</a>. Die Worte sind deutlich: Caprica steht voll und ganz hinter Putin und dessen „militärischer Spezialoperation“ in der Ukraine. Für das Caprica-Team ist es unumstrittene Tatsache, daß in der Ukraine Nazis und sogar Terroristen das Sagen haben.</p>

<p>Mehr noch als das: Sie bezichtigen <em>jeden</em>, der für die Ukraine in irgendeiner Weise Partei ergreift – und sei es durch das Tragen von Kleidung in den Farben der ukrainischen Flagge – der Nazi- und Terrorunterstützung. Vier Tage nach Kriegsbeginn, noch bevor Sacrarium sein Statement abgab, gab Caprica in einer Ergänzung bekannt, daß sie acht Grids für immer gesperrt haben, darunter das OSgrid, das größte und älteste aller Grids, und wieder Dorena’s World, noch bevor die dortigen Friedens- und Solidaritätsveranstaltungen für die Ukraine auch nur geplant waren. Dies dürfte auch einfach daran gelegen haben, daß unter anderen aus diesen beiden Grids Kleidung in den ukrainischen Nationalfarben kam.</p>

<p>Die zu sperrenden Grids waren übrigens genau die, <a href="https://www.hypergridbusiness.com/2022/03/grids-stand-with-ukraine-following-war-with-russia/" rel="nofollow">über deren positive Aktionen zum Krieg Hypergrid Business berichtete</a>. Im selben Post wurde aber auch über die absolut regimetreue Parteinahme Capricas berichtet. Deren Reaktion war, Hypergrid Business die namentliche Nennung von Caprica und dessen Team zu verbieten und sogar zu fordern, alle bisherigen Posts, in denen Caprica genannt wurde, entweder zu löschen – wie den eben genannten – oder zu redigieren. <a href="https://caprica.xyz/in-response-to-a-question-from-a-correspondent-of-hypergrid-business/" rel="nofollow">Außerdem forderte der Admin, jeden Text, in dem es um Caprica gehen soll, vor Veröffentlichung einsehen und der Veröffentlichung zustimmen zu dürfen</a>.</p>

<h2 id="an-der-schwelle-zum-cyberwar">An der Schwelle zum Cyberwar?</h2>

<p>Das reichte aber anscheinend noch nicht. Am Montag berichtete Maria Korolov, die hauptsächliche Autorin von Hypergrid Business, <a href="https://www.hypergridbusiness.com/2022/03/weve-been-added-to-the-list-for-destruction/" rel="nofollow">daß noch jemand aus diesen Kreisen sie gewarnt hatte</a>: Wenn das Blog nicht umgehend seine „Nazi-Unterstützung“ (= auch nur das Zeigen der Farben der ukrainischen Flagge) einstellt, wird es auf eine „Liste zur Zerstörung“ gesetzt. Dasselbe gilt für OpenSims zentrales Infoportal <a href="https://opensimworld.com/" rel="nofollow">OpenSimWorld</a>.</p>

<p>Nur diese beiden Ziele wurden namentlich genannt, aber es ist nicht auszuschließen, daß diese Liste, so sie existiert, noch länger ist. Denn Ziele gäbe es genügend. Darunter fielen beispielsweise alle Grids, in denen es irgendwelche solidarischen Aktionen und/oder Objekte für die Ukraine gibt, gegeben hat oder angekündigterweise geben wird.</p>

<p>Daß etwas passieren wird, ist so wahrscheinlich, daß es schon sicher ist. Denn es ist schon etwas passiert. Nur kurze Zeit, nachdem der verlinkte Artikel auf Hypergrid Business erschienen war, meldete ein regulärer Hypergrid-Business-Leser, daß die Website down war. Es kostete Maria nur einen Anruf beim Webhoster und den wiederum nur ein paar Sekunden, um die Website wieder zum Laufen zu bringen – aber mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hatte es eine erste Attacke im Sinne der „Terrorismusbekämpfung“ gegeben.</p>

<p>Aktuell halte ich es allerdings für unwahrscheinlich, daß die Caprica-Betreiber tatsächlich einen direkten Draht zum nationalen russischen Cyberwarfare-Kommando haben und bei denen diese „Liste zur Zerstörung“ vorliegt. Die haben nämlich wichtigere Tätigkeiten, als Blogs, die keine Sau kennt, mit an sich unpolitischem Nischenthema abzuschießen, nur weil da jemand Partei für die Ukraine ergreift. Vor allem würden es eh nur die paar hundert Leute merken, die Hypergrid Business regulär verfolgen; man kann damit also noch nicht einmal ein militärisches Exempel statuieren, wenn es sowieso annähernd niemand mitbekommt.</p>

<p>Außerdem – wenn das tatsächlich die Cyberwarfare-Abteilung des russischen Militärs tun würde, dann wäre das ein kriegerischer Akt. Serverstandort von Hypergrid Business sind die USA, was die ganze Sache zu einem kriegerischen Akt der Russischen Föderation gegen die Vereinigten Staaten und gegen die NATO machen würde. Und das wissen auch die Cyberkrieger: In den USA, im Pentagon und im Generalstab, da sitzen schon seit Jahrzehnten Leute, die ungeduldig die Messer wetzen und nur darauf warten, daß „der Russe“ ihnen endlich einen Kriegsgrund liefert.</p>

<p>Und selbst wenn die Caprica-Leute tatsächlich fanatisiert genug wären, die OpenSim-Szene und die dortigen Ukraine-Sympathisanten ans russische Militär und an russische Geheimdienste zu verraten: Ich glaube kaum, daß die wiederum positive Rückmeldung an <em>Zivilisten</em> geben – und denen dann auch noch erlauben, das öffentlich im Internet und noch dazu <em>US-Amerikanern</em> gegenüber kundzutun.</p>

<p>Blieben noch drei weitere Möglichkeiten. Erstens: Caprica hat kommerzielle Profis angeheuert, die die „Zerstörung“ durchführen sollen. Nicht sonderlich wahrscheinlich, wenn sie sich gleichzeitig über das sanktionsbedingte Wegbrechen der PayPal-Zahlungen beklagen. Zweitens: Caprica hat irgendwelche Skriptkiddies angeheuert. Drittens: Caprica hat selbst begonnen, sich ein „Cyberwarfare“-Arsenal zurechtzulegen. Bei allen drei Punkten frage ich mich, ob das – unabhängig von Zielen und Motivation – in Rußland legal ist.</p>

<p>Im übrigen führt auch Putin keinen totalen globalen Vernichtungskrieg gegen alle Ukraine-Sympathisanten. Er läßt nicht weltweit mit Marschflugkörpern auf Leute schießen, nur weil die ein blaues Hemd zu einer gelben Hose tragen.</p>

<h2 id="reaktion-von-maria-korolov-hypergrid-business">Reaktion von Maria Korolov (Hypergrid Business)</h2>

<p>Allerdings sind die Caprica-Leute bei Maria Korolov genau an der richtigen Adresse gelandet. Die war früher nämlich tatsächlich mal Reporterin. Auslandskorrespondentin. Sie hat direkt aus so ziemlich jedem Kriegsgebiet berichtet, in dem „der Russe“ zugange war. Sie wurde dafür zweimal in den Knast gesteckt und bekam einmal sogar Besuch von einem Todesschwadron, das sie persönlich killen sollte. Sie saß in Schützengräben und mitten im Bombenhagel aus russischen Kampfbombern. Und so weiter. Das erzählt sie alles in dem Blogpost.</p>

<p>Kurzum: Russen können sie schlicht und ergreifend nicht mehr schocken. Da müßten sie schon sehr viel schwerere Geschütze auffahren als das vorübergehende Abschießen von Hypergrid Business.</p>

<p>Ihr Vorschlag, was ihre russischen Haters statt dessen tun könnten, ist interessant: Maria arbeitet ja an einer Buchreihe über eine virtuelle Welt, die dem Hypergrid nicht ganz unähnlich ist. Diese Bücher könnten die Russen massenhaft aufkaufen und verbrennen. Und zwar ganz viele davon.</p>

<p>Ironie des Schicksals: Die virtuelle Welt aus Marias Büchern heißt so, wie die von Rußland annektierte Halbinsel auf unter anderem Russisch, Ukrainisch und Deutsch heißt: Krim. Ich frage mich, ob sie das weiß (auf Englisch heißt die Krim „Crimea“).</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:News" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">News</span></a></p>
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      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/kommt-der-ukraine-krieg-nach-opensim</guid>
      <pubDate>Tue, 29 Mar 2022 23:07:47 +0200</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Das aktuelle OSgrid-„Drama“</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/das-aktuelle-osgrid-drama</link>
      <description>&lt;![CDATA[Seit einer Woche ist jetzt das OSgrid down. Das heißt, nicht das ganze Grid, nur der Asset-Server, aber das Grid ist jetzt eben unbenutzbar. Das soll noch bis Mitte der Woche anhalten. !--more--&#xA;&#xA;Der Grund dafür sind dringend nötige Wartungsarbeiten am Asset-Server. Im Zuge derer soll er auch schneller werden. Dabei müssen aber unzählige große und vor allem kleine Dateien umziehen. Und das dauert. Zum einen dauert das, weil das OSgrid mit Abstand das größte Grid ist und schon von daher gigantische Mengen an Assets hat. Zum anderen dauert das, weil das OSgrid auch das älteste Grid ist und daher auch sehr viele ältere Assets hat, die kaum jemand auf andere, neuere Grids mitnimmt – auch deshalb nicht, weil diese älteren Sachen eben nicht auf den coolen, angesagten Freebie-Sims angeboten werden, die zu 99% mit Gecopybottetem voll sind.&#xA;&#xA;Wie lange der Umzug genau dauern wird, weiß auch die OSgrid-Administration nicht. Vermutlich ist ihnen angezeigt worden, als sie mit Dateiverschieben angefangen haben, daß das etwa zwei Tage in Anspruch nehmen wird. An dieser Stelle haben sie den Fehler gemacht und die Downtime als 48 Stunden lang angekündigt. Darauf wurden sie dann von allen Nutzern festgenagelt.&#xA;&#xA;Allerdings ging das Verschieben wohl anfangs schneller; ich schätze, da wurden erst relativ große Dateien verschoben. Als dann aber der ganze Kleinkram an der Reihe war, ging die Zeitprognose nach oben. Und zwar immer noch einmal und immer noch einmal. Die Admins haben daher die Downtime zweimal um weitere 48 Stunden verlängert. Jetzt heißt es, schätzungsweise Mitte dieser Woche ist das Grid wieder da.&#xA;&#xA;Problemkind Asset-Server&#xA;&#xA;Der Asset-Server des OSgrid ist ja sowieso ein Problemkind. Anfang des Jahres bekam das OSgrid eine technische Generalüberholung. Da war es schon einmal mehrere Tage down. Damit wollte man aber das Problem lösen, daß das OSgrid mit schöner Regelmäßigkeit ausgerechnet an Wochenenden gecrasht ist, wenn Events anstanden.&#xA;&#xA;Diese Generalüberholung betraf auch den Asset-Server. Das war eine wirklich notwendige Aktion, aber die hatte unausweichlicherweise zur Folge, daß vorübergehend in den Inventaren der Avatare Assets nicht gefunden werden. Die müssen erst in der Datenstruktur des Servers an ihrem angestammten Platz landen. „Vorübergehend“ meinte damals schon locker bis in den Sommer. Wie gesagt, irre viele Assets. Dieser Prozeß hält immer noch an.&#xA;&#xA;Der aktuelle Umbau soll den Asset-Server noch einmal schneller machen. Jetzt wird geschätzt, daß binnen eines Monats alles wieder da sein sollte, wo es hingehört.&#xA;&#xA;Die Nutzer sind genervt&#xA;&#xA;Allerdings haben die OSgrid-Nutzer inzwischen die Schnauze voll von den „ständigen“ Downtimes und der „Unzuverlässigkeit“ des OSgrid. Erst ist letztes Jahr das OSgrid ständig an Wochenenden abgeschmiert und war erst am Montag wieder da, so daß da ständig Events ausfielen. Dann war das OSgrid Anfang 2022 mehrere Tage am Stück down.&#xA;&#xA;Als es dann wieder da war, fehlten auf einmal etliche Assets im eigenen Inventar. „Ja,“ hieß es dann, „die kommen zurück, aber das kann noch ein paar Monate dauern.“ Wie gesagt, bis in den Sommer sollte man große Teile des eigenen Inventars nicht nutzen können.&#xA;&#xA;Montag ging das OSgrid wieder down, nachdem es monatelang endlich stabil gelaufen war. 48 Stunden Downtime waren angekündigt. Das war einigen schon wieder zuviel. Dann aber kamen noch einmal 48 Stunden dazu, dann noch einmal 48 Stunden, und dann noch ein paar Tage mehr.&#xA;&#xA;Im nachhinein war es vielleicht taktisch unklug, eine feste und noch dazu so knappe Zeitprognose abzugeben. Aber zum einen wußten die Admins es da noch nicht besser, und zum anderen – irgendwas mußten sie den Nutzern ja sagen, wann das OSgrid wieder komplett online ist.&#xA;&#xA;Gar nichts zu sagen, hätte vielleicht böse Erinnerungen der wenigen verbliebenen älteren OSgrid-Nutzer wiedererweckt: 2014 flog dem OSgrid ein RAID-Array um die Ohren. Das ganze Grid mußte offline genommen werden. Es konnte nur gerettet werden, indem die Festplatten einer professionellen Datenrettungsfirma gegeben wurden. Und bis die alles an Grid-Daten wiederhergestellt hatte, das dauerte sage und schreibe acht Monate. So lange war das OSgrid down.&#xA;&#xA;Ich glaube aber, gerade die älteren sind aktuell eher entspannt. Die Lage klingt nicht so aussichtslos wie damals. Es sind eher die jüngeren, die von OpenSim 100% Verfügbarkeit erwarten. Wohlgemerkt, OpenSim an sich ist immer noch Beta-Software. Das OSgrid selbst ist „Versuchskaninchen“ für neue Entwicklungen und entwickelt selbst einiges, es ist also selbst obendrein noch experimentell. Noch dazu steckt hinter OpenSim kein großer Konzern, sondern viele kleine Haufen von Freiwilligen. Erwartet wird aber etwas, was selbst eine US-amerikanische IT-Gigacorporation wie Microsoft, Apple, Alphabet (Google) oder Meta (Facebook) nicht leisten könnte. (Amazon habe ich gar nicht erst erwähnt; die können das nicht leisten.)&#xA;&#xA;Redundanz als Lösung: Alts!&#xA;&#xA;Andererseits krallen sich viele OSgrid-Nutzer auch knallhart am Grid fest. Ich erwarte jetzt keinen riesigen Exodus, aber es ist bemerkenswert, daß viele sich weigern, auch auf anderen Grids Avatare zu haben, also Alts.&#xA;&#xA;Ich meine, ich kann verstehen, warum das OSgrid so groß ist und solche Nutzermengen hat. Das ist dasselbe Phänomen wie so oft in technischen Bereichen, wenn man die Wahl hat, aber eigentlich nicht so wirklich Ahnung, um eine Auswahl zu treffen: Man nimmt das, was „alle“ nehmen. Da muß man nicht groß nachdenken.&#xA;&#xA;Deswegen ist Google Mail so groß: Das haben „alle“. (Okay, wenn man als Technikferner sich ein Android-Smartphone zulegt und es sich von einem Techniker alles voreinrichten läßt, dann kriegt man natürlich ein Google-Konto und ein Google-Mail-Konto gleich mit dazu. Aber bevor das richtig losging, war Gmail auch schon so groß. Und davor war es Microsoft Hotmail oder Yahoo!, wo „alle“ waren.)&#xA;&#xA;Deswegen war lange Zeit das iPhone das einzige Smartphone, das wirklich eine Rolle spielte: Alle haben sich ein iPhone gekauft, weil „alle“ eins hatten. Das war so extrem, daß heutzutage kaum mehr jemand weiß, daß das iPhone weder das erste Smartphone noch das erste Smartphone mit Touchscreen war. (Übrigens: Das Smartphone, das „alle“ hatten, bevor es das iPhone gab, war das Nokia N95.) Inzwischen hat das Samsung Galaxy S dem iPhone den Rang abgelaufen.&#xA;&#xA;Deswegen sind bei anderen dezentralen Diensten (XMPP, Matrix, Diaspora* etc.) fast immer die „offiziellen“ Instanzen die mit gigantischem Abstand größten. (Kurioserweise ist Mastodon eine Ausnahme: Die größte Instanz ist eine spezialisierte Furry-Instanz, die obendrein von vielen anderen Instanzen blockiert ist.)&#xA;&#xA;Und aus demselben Grunde ist seit Jahrzehnten in Deutschland der VW Golf das populärste Auto – und in den USA der Ford F-150.&#xA;&#xA;In OpenSim ist das OSgrid so gigantisch groß, daß viele OSgrid-Nutzer scheinbar schon das OSgrid mit OpenSim gleichsetzen. Andere Grids scheinen für sie kaum bis gar nicht mehr zu existieren – außer es gibt mal wieder öffentliches Drama um ein anderes Grid. Wann immer das OSgrid down ist, jammern sie, als wäre OpenSim als Ganzes down.&#xA;&#xA;Dabei läge zumindest eine Teillösung auf der Hand: Man müßte einfach nur in mindestens einem anderen Grid einen Alt mit idealerweise derselben Identität haben. Dann könnte man zumindest mit dem online gehen, Freunde treffen usw. Aber einige verweigern sich dem und jammern lieber, daß sie überhaupt nicht online kommen.&#xA;&#xA;Was könnten die Gründe dafür sein?&#xA;&#xA;Alts sind etwas Schlimmes, wie wenn man schummeln würde.&#xA;Man will seiner geliebten Heimat OSgrid nicht untreu werden.&#xA;Man ist ein Second-Life-Umsteiger und hat noch nicht verstanden, daß man in OpenSim mehrere Avatare mit derselben Identität und demselben Namen hat – theoretisch einen pro Grid.&#xA;Man ist ein Second-Life-Umsteiger und hat immer noch im Unterbewußtsein, daß es sauteuer ist, Alts auszustatten.&#xA;Man ist ein Second-Life-Umsteiger und hat immer noch im Unterbewußtsein, daß die Anzahl an Alts, die man sich maximal anlegen kann, stark begrenzt ist.&#xA;Man hat sich tatsächlich fürs OSgrid entschieden, weil man der Einfachheit halber gewählt hat, was „alle“ haben; jetzt müßte man sich von sich aus für ein anderes Grid entscheiden. Und da gibt’s sonst keins, wo „alle“ hingehen.&#xA;Der Aufwand, einen zweiten Avatar auszustatten (Kleidung, Freunde, Gruppen, womöglich braucht der ein eigenes Zuhause usw.), ist zu groß.&#xA;&#xA;Gut, es gibt auch das andere Extrem, nämlich Leute, die das OSgrid jetzt als „sinkendes Schiff“ ansehen und in einem anderen Grid ganz neu anfangen – weil sie ja ans Inventar ihres OSgrid-Avatars aktuell nicht rankommen. Da wird sich zeigen, wie lange sie dem OSgrid fernbleiben.&#xA;&#xA;Generell aber zeigt die Downtime des OSgrid, wie sinnvoll es sein kann, einen Alt, der im wesentlichen dem eigenen Hauptavatar entspricht, in einem anderen Grid zu haben.&#xA;&#xA;Zu guter Letzt: Noch einmal acht Monate wird das OSgrid wegen dieser Geschichte nicht down sein.&#xA;&#xA;#OpenSim #News #FürFortgeschrittene #Grid #Drama]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Seit einer Woche ist jetzt das <a href="https://www.osgrid.org/" rel="nofollow">OSgrid</a> down. Das heißt, nicht das ganze Grid, nur der Asset-Server, aber das Grid ist jetzt eben unbenutzbar. Das soll noch bis Mitte der Woche anhalten. </p>

<p>Der Grund dafür sind dringend nötige Wartungsarbeiten am Asset-Server. Im Zuge derer soll er auch schneller werden. Dabei müssen aber unzählige große und vor allem kleine Dateien umziehen. Und das dauert. Zum einen dauert das, weil das OSgrid mit Abstand das größte Grid ist und schon von daher gigantische Mengen an Assets hat. Zum anderen dauert das, weil das OSgrid auch das älteste Grid ist und daher auch sehr viele ältere Assets hat, die kaum jemand auf andere, neuere Grids mitnimmt – auch deshalb nicht, weil diese älteren Sachen eben nicht auf den coolen, angesagten Freebie-Sims angeboten werden, die zu 99% mit Gecopybottetem voll sind.</p>

<p>Wie lange der Umzug genau dauern wird, weiß auch die OSgrid-Administration nicht. Vermutlich ist ihnen angezeigt worden, als sie mit Dateiverschieben angefangen haben, daß das etwa zwei Tage in Anspruch nehmen wird. An dieser Stelle haben sie den Fehler gemacht und die Downtime als 48 Stunden lang angekündigt. Darauf wurden sie dann von allen Nutzern festgenagelt.</p>

<p>Allerdings ging das Verschieben wohl anfangs schneller; ich schätze, da wurden erst relativ große Dateien verschoben. Als dann aber der ganze Kleinkram an der Reihe war, ging die Zeitprognose nach oben. Und zwar immer noch einmal und immer noch einmal. Die Admins haben daher die Downtime zweimal um weitere 48 Stunden verlängert. Jetzt heißt es, schätzungsweise Mitte dieser Woche ist das Grid wieder da.</p>

<h2 id="problemkind-asset-server">Problemkind Asset-Server</h2>

<p>Der Asset-Server des OSgrid ist ja sowieso ein Problemkind. Anfang des Jahres bekam das OSgrid eine technische Generalüberholung. Da war es schon einmal mehrere Tage down. Damit wollte man aber das Problem lösen, daß das OSgrid mit schöner Regelmäßigkeit ausgerechnet an Wochenenden gecrasht ist, wenn Events anstanden.</p>

<p>Diese Generalüberholung betraf auch den Asset-Server. Das war eine wirklich notwendige Aktion, aber die hatte unausweichlicherweise zur Folge, daß vorübergehend in den Inventaren der Avatare Assets nicht gefunden werden. Die müssen erst in der Datenstruktur des Servers an ihrem angestammten Platz landen. „Vorübergehend“ meinte damals schon locker bis in den Sommer. Wie gesagt, irre viele Assets. Dieser Prozeß hält immer noch an.</p>

<p>Der aktuelle Umbau soll den Asset-Server noch einmal schneller machen. Jetzt wird geschätzt, daß binnen eines Monats alles wieder da sein sollte, wo es hingehört.</p>

<h2 id="die-nutzer-sind-genervt">Die Nutzer sind genervt</h2>

<p>Allerdings haben die OSgrid-Nutzer inzwischen die Schnauze voll von den „ständigen“ Downtimes und der „Unzuverlässigkeit“ des OSgrid. Erst ist letztes Jahr das OSgrid ständig an Wochenenden abgeschmiert und war erst am Montag wieder da, so daß da ständig Events ausfielen. Dann war das OSgrid Anfang 2022 mehrere Tage am Stück down.</p>

<p>Als es dann wieder da war, fehlten auf einmal etliche Assets im eigenen Inventar. „Ja,“ hieß es dann, „die kommen zurück, aber das kann noch ein paar Monate dauern.“ Wie gesagt, bis in den Sommer sollte man große Teile des eigenen Inventars nicht nutzen können.</p>

<p>Montag ging das OSgrid wieder down, nachdem es monatelang endlich stabil gelaufen war. 48 Stunden Downtime waren angekündigt. Das war einigen schon wieder zuviel. Dann aber kamen noch einmal 48 Stunden dazu, dann noch einmal 48 Stunden, und dann noch ein paar Tage mehr.</p>

<p>Im nachhinein war es vielleicht taktisch unklug, eine feste und noch dazu so knappe Zeitprognose abzugeben. Aber zum einen wußten die Admins es da noch nicht besser, und zum anderen – irgendwas mußten sie den Nutzern ja sagen, wann das OSgrid wieder komplett online ist.</p>

<p>Gar nichts zu sagen, hätte vielleicht böse Erinnerungen der wenigen verbliebenen älteren OSgrid-Nutzer wiedererweckt: 2014 flog dem OSgrid ein RAID-Array um die Ohren. Das ganze Grid mußte offline genommen werden. Es konnte nur gerettet werden, indem die Festplatten einer professionellen Datenrettungsfirma gegeben wurden. Und bis die alles an Grid-Daten wiederhergestellt hatte, das dauerte sage und schreibe acht Monate. So lange war das OSgrid down.</p>

<p>Ich glaube aber, gerade die älteren sind aktuell eher entspannt. Die Lage klingt nicht so aussichtslos wie damals. Es sind eher die jüngeren, die von OpenSim 100% Verfügbarkeit erwarten. Wohlgemerkt, OpenSim an sich ist immer noch Beta-Software. Das OSgrid selbst ist „Versuchskaninchen“ für neue Entwicklungen und entwickelt selbst einiges, es ist also selbst obendrein noch experimentell. Noch dazu steckt hinter OpenSim kein großer Konzern, sondern viele kleine Haufen von Freiwilligen. Erwartet wird aber etwas, was selbst eine US-amerikanische IT-Gigacorporation wie Microsoft, Apple, Alphabet (Google) oder Meta (Facebook) nicht leisten könnte. (Amazon habe ich gar nicht erst erwähnt; die <em>können</em> das nicht leisten.)</p>

<h2 id="redundanz-als-lösung-alts">Redundanz als Lösung: Alts!</h2>

<p>Andererseits krallen sich viele OSgrid-Nutzer auch knallhart am Grid fest. Ich erwarte jetzt keinen riesigen Exodus, aber es ist bemerkenswert, daß viele sich weigern, auch auf anderen Grids Avatare zu haben, also Alts.</p>

<p>Ich meine, ich kann verstehen, warum das OSgrid so groß ist und solche Nutzermengen hat. Das ist dasselbe Phänomen wie so oft in technischen Bereichen, wenn man die Wahl hat, aber eigentlich nicht so wirklich Ahnung, um eine Auswahl zu treffen: Man nimmt das, was „alle“ nehmen. Da muß man nicht groß nachdenken.</p>

<p>Deswegen ist Google Mail so groß: Das haben „alle“. (Okay, wenn man als Technikferner sich ein Android-Smartphone zulegt und es sich von einem Techniker alles voreinrichten läßt, dann kriegt man natürlich ein Google-Konto und ein Google-Mail-Konto gleich mit dazu. Aber bevor das richtig losging, war Gmail auch schon so groß. Und davor war es Microsoft Hotmail oder Yahoo!, wo „alle“ waren.)</p>

<p>Deswegen war lange Zeit das iPhone das einzige Smartphone, das wirklich eine Rolle spielte: Alle haben sich ein iPhone gekauft, weil „alle“ eins hatten. Das war so extrem, daß heutzutage kaum mehr jemand weiß, daß das iPhone weder das erste Smartphone noch das erste Smartphone mit Touchscreen war. (Übrigens: Das Smartphone, das „alle“ hatten, bevor es das iPhone gab, war das Nokia N95.) Inzwischen hat das Samsung Galaxy S dem iPhone den Rang abgelaufen.</p>

<p>Deswegen sind bei anderen dezentralen Diensten (XMPP, Matrix, Diaspora* etc.) fast immer die „offiziellen“ Instanzen die mit gigantischem Abstand größten. (Kurioserweise ist Mastodon eine Ausnahme: Die größte Instanz ist eine spezialisierte Furry-Instanz, die obendrein von vielen anderen Instanzen blockiert ist.)</p>

<p>Und aus demselben Grunde ist seit Jahrzehnten in Deutschland der VW Golf das populärste Auto – und in den USA der Ford F-150.</p>

<p>In OpenSim ist das OSgrid so gigantisch groß, daß viele OSgrid-Nutzer scheinbar schon das OSgrid mit OpenSim gleichsetzen. Andere Grids scheinen für sie kaum bis gar nicht mehr zu existieren – außer es gibt mal wieder öffentliches Drama um ein anderes Grid. Wann immer das OSgrid down ist, jammern sie, als wäre OpenSim als Ganzes down.</p>

<p>Dabei läge zumindest eine Teillösung auf der Hand: Man müßte einfach nur in mindestens einem anderen Grid einen Alt mit idealerweise derselben Identität haben. Dann könnte man zumindest mit dem online gehen, Freunde treffen usw. Aber einige verweigern sich dem und jammern lieber, daß sie überhaupt nicht online kommen.</p>

<p>Was könnten die Gründe dafür sein?</p>
<ul><li>Alts sind etwas Schlimmes, wie wenn man schummeln würde.</li>
<li>Man will seiner geliebten Heimat OSgrid nicht untreu werden.</li>
<li>Man ist ein Second-Life-Umsteiger und hat noch nicht verstanden, daß man in OpenSim mehrere Avatare mit derselben Identität und demselben Namen hat – theoretisch einen pro Grid.</li>
<li>Man ist ein Second-Life-Umsteiger und hat immer noch im Unterbewußtsein, daß es sauteuer ist, Alts auszustatten.</li>
<li>Man ist ein Second-Life-Umsteiger und hat immer noch im Unterbewußtsein, daß die Anzahl an Alts, die man sich maximal anlegen kann, stark begrenzt ist.</li>
<li>Man hat sich tatsächlich fürs OSgrid entschieden, weil man der Einfachheit halber gewählt hat, was „alle“ haben; jetzt müßte man sich von sich aus für ein anderes Grid entscheiden. Und da gibt’s sonst keins, wo „alle“ hingehen.</li>
<li>Der Aufwand, einen zweiten Avatar auszustatten (Kleidung, Freunde, Gruppen, womöglich braucht der ein eigenes Zuhause usw.), ist zu groß.</li></ul>

<p>Gut, es gibt auch das andere Extrem, nämlich Leute, die das OSgrid jetzt als „sinkendes Schiff“ ansehen und in einem anderen Grid ganz neu anfangen – weil sie ja ans Inventar ihres OSgrid-Avatars aktuell nicht rankommen. Da wird sich zeigen, wie lange sie dem OSgrid fernbleiben.</p>

<p>Generell aber zeigt die Downtime des OSgrid, wie sinnvoll es sein kann, einen Alt, der im wesentlichen dem eigenen Hauptavatar entspricht, in einem anderen Grid zu haben.</p>

<p>Zu guter Letzt: Noch einmal acht Monate wird das OSgrid wegen dieser Geschichte nicht down sein.</p>

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      <pubDate>Mon, 28 Mar 2022 21:55:44 +0200</pubDate>
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