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    <title>Kolumne &amp;mdash; Aus Hypergrid und Umgebung</title>
    <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/tag:Kolumne</link>
    <description>Ein Blog über OpenSimulator und andere virtuelle Welten</description>
    <pubDate>Sat, 18 Apr 2026 14:32:16 +0200</pubDate>
    <item>
      <title>Rückblick auf 2022 und Ausblick</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/ruckblick-auf-2022-und-ausblick</link>
      <description>&lt;![CDATA[Ja, ich weiß. Eigentlich kommen Rückblicke aufs vergangene Jahr am Silvesterabend. Aber dann ist das Jahr ja noch nicht ganz vorbei, und in den schnellebigen virtuellen Welten kann dann immer noch etwas passieren.&#xA;&#xA;Wie dem auch sei: 2022 ist vorbei, und ich möchte die Gelegenheit nutzen, es Revue passieren zu lassen. !--more--&#xA;&#xA;Das große Gridsterben&#xA;&#xA;2022 könnte in die Geschichte von OpenSim eingehen als ein Jahr, in dem außergewöhnlich viele bekannte Grids verschwunden sind, darunter zwei der sechs ältesten Grids.&#xA;&#xA;Am 25. Januar war auf einmal sang- und klanglos Anettes Welt verschwunden. Bis heute gibt es von der Inhaberin kein Statement. Man nimmt an, daß sie für OpenSim keine Zeit mehr hatte – also weder für eine Ankündigung noch für das Herausgeben von IARs und OARs noch auch nur für ein Statement bezüglich der Gridschließung.&#xA;Einen Tag später verschwand das ebenfalls deutsche Chimerus-Grid. Wie Anettes Welt war es leider technisch hoffnungslos veraltet, aber wie Anettes Welt hatte es interessante Freebies, die man sonst kaum oder nirgendwo fand.&#xA;Im Februar wurden binnen einer Woche zwei wichtige französische Grids durch technische Probleme dahingerafft, Virtual Dream durch eine irreparabel defekte Datenbank und das FrancoGrid, das fünftälteste Grid, durch den Tod der Serverhardware. Im April verschwanden zwei weitere französische Grids. Die französische Community brauchte ernsthaft das eine oder andere neue Grid.&#xA;Anfang April schloß das 3rd Life Grid. Die Ankündigung erreichte wohl nicht viele. Die Schließung wurde aber angekündigt, und einige Sims zogen vorher ins OSgrid um.&#xA;Außerdem wurde im April das Soloton-Grid mit seinem – leider überalterten – Weltraumbahnhof geschlossen; eine Rückkehr wurde angekündigt, hat aber noch nicht stattgefunden. Phaandoria lebt als Privatgrid weiter.&#xA;Im Mai schloß Roddie Macchi schon zum zweiten Mal sein Great Canadian Grid und wieder vor dem angekündigten Termin, aber nur einen Tag. Übrigens gibt es seit einiger Zeit wieder ein Great Canadian Grid unter Roddies Führung. Aber vom alten Grid ist, wie es aussieht, nur die Startsim übernommen worden.&#xA;Später angekündigt wurde, aber früher stattgefunden hat die Schließung der deutschen Nextlife-World aus gesundheitlichen Gründen.&#xA;Am 2. Juni wurde das deutsche Caledonia-Grid vom Techadmin abgeschaltet, nachdem der Gridvater Anfang des Jahres das Zeitliche gesegnet hatte.&#x9; Damit verschwand leider sein Lebenswerk für immer.&#xA;Für Ende Juni wurde die Schließung des zweitältesten aller Grids angekündigt, des einstmals mächtigen deutschen Metropolis Metaversums. Die tatsächliche Schließung war am Vormittag des 5. Juli. Allerdings hatten die Admins schon lange vorher keine Zeit mehr für das Grid, das quasi als Zombie weiterlief. Kaum jemanden hat die Schließungsankündigung überrascht; eher hat man sich darüber gewundert, daß Metropolis bis dahin immer noch lief.&#xA;&#xA;Metropolis war mit seiner großen Abschiedsparty in einer seit über drei Jahren ungenutzten Location wohl der Höhepunkt, aber auch das Ende des Gridsterbens. Was danach passierte, kann man als Teil der natürlichen Fluktuation insbesondere jüngerer Grids ansehen.&#xA;&#xA;Auch das Soul-Grid macht weiter, obwohl Rudi Bakerly, eine Hälfte des Gridinhaberpaares, letzten Monat mehr als plötzlich verstarb.&#xA;&#xA;Zusammenhalt und Zwistigkeit in der deutschsprachigen Community&#xA;&#xA;2022 ging die deutschsprachige Community durch ein Wechselbad der Beziehungen. Auf der einen Seite standen spektakuläre Kooperationen, auf der anderen Seite aber ein regelrechter Gridkrieg.&#xA;&#xA;Im Februar gab es in Nextlife-World einen epischen geskripteten Rosenmontagsumzug mit Festwagen, an denen sich etliche Erbauer aus etlichen Grids beteiligten. Etwas in solchen Dimensionen ist immer spektakulär, und wenn es in einer so großen Kooperation entsteht, sogar noch mehr. Die deutschsprachige Community zog zu großen Teilen an einem Strang.&#xA;&#xA;Mit der Herrlichkeit war es aber wenig später vorbei, als es Kabbeleien um wöchentliche Veranstaltungen gab. Auf einmal machten Veranstaltungen einander gezielt Konkurrenz. Daraus entwickelte sich ein regelrechter Gridkrieg zwischen zwei Allianzen von Grids.&#xA;&#xA;Neutral zu bleiben in diesem Konflikt, war fast unmöglich. Wenn man auf einer Veranstaltung von einer Seite gesehen wurde, behielt sich die jeweils andere Seite Sanktionen dagegen vor, weil man sich dem „Feind“ anbiederte. Der Freund meines Feindes ist mein Feind.&#xA;&#xA;Wenn ganze Grids sich neutral und pazifistisch verhalten wollten, wurde ihnen mitunter auch das nicht gegönnt. Dann fielen auch mal etliche Besucher von einer Seite bei einer Veranstaltung ein. Nicht nur sah es dann so aus, als wäre das betreffende Grid einer Seite beigetreten, sondern es wurde sogar die andere Seite schlechtgemacht und damit um eine Allianz geworben.&#xA;&#xA;Letztlich fiel der Gridkrieg allmählich in sich zusammen, als sich mehr und mehr zeigte, daß er angestachelt wurde von einigen wenigen toxischen, aggressiven Individuen. Die verloren sogar in ihren Heimatgrids den Rückhalt, und ehemals „alliierte“ Grids ließen sich nicht länger von diesen Leuten anstacheln. Und schon bald konnten sich wieder Leute von beiden Seiten auf derselben Veranstaltung sehen lassen.&#xA;&#xA;Ich hoffe, daß alle oder zumindest möglichst viele aus dieser Situation gelernt haben. Die Lektion in diesem Fall sollte sein, nicht nur individuelle Störenfriede als solche zu erkennen und zu isolieren, statt ihnen blindlings gegen einen vermeintlichen Feind nachzulaufen, sondern auch, wer die notorischsten Störenfriede sind. Denn das hat sich 2022 deutlich gezeigt. Solche Leute sollten nun eigentlich nicht länger in der Lage sein, große Allianzen um sich herum aufzubauen für Attacken auf andere Individuen oder Grids.&#xA;&#xA;Und tatsächlich zeigte sich inzwischen, daß viele einfach nicht mehr willens sind, sich in solche Streitereien hineinziehen zu lassen – oder auch nur zu tolerieren.&#xA;&#xA;Allen alten und neuen Feindschaften zum Trotze liefen über das Jahr hinweg im Hintergrund die Arbeiten für ein weiteres gridübergreifendes Großprojekt: die Modenschau im Oktober.&#xA;&#xA;Die Besonderheit dieses Projekts war, daß es diese Modenschau zuletzt 2016 gegeben hatte – und überhaupt noch nie mit Mesh. Die letzte Veranstaltung dieser Art war also schon lange her, auch wenn sie im wesentlichen von den selben Organisatoren wieder aufgezogen wurde, und die technischen Gegebenheiten hatten sich geändert. Es sollte also eine Premiere sein, eine regelrechte Pioniertat.&#xA;&#xA;Ich hatte ja 2021 schon eine Modenschau im Alternate Metaverse gesehen, die lief aber komplett geskriptet ab. An dieser Modenschau war meine kleine In-world-Schwester Juno sowohl mit Outfits – allerdings nicht mit eigener Kleidung – als auch als Model beteiligt. Und im Gegensatz zur Modenschau im AMV sollten die Models hier nicht vollautomatisiert, sondern handgesteuert auftreten, noch dazu auf einem sehr viel größeren „Laufsteg“.&#xA;&#xA;Das Aufgebot an Outfits, zu einem erheblichen Teil Mesh, strafte jeden Lügen, der behauptete, in OpenSim würde keine Kleidung hergestellt, und alles müßte illegal aus Second Life geholt werden. Die Zahl der Outfits mußte sogar noch auf maximal vier pro Model reduziert werden, um die Modenschau auf maximal eine Stunde begrenzen zu können; sie hätte durchaus noch sehr viel länger sein können.&#xA;&#xA;Weil das ganze Konzept in so mancher Hinsicht Neuland betrat, mußte viel probiert und umgeplant werden. Mitunter mußte ins kalte Wasser gesprungen werden; es gab ja auch noch keine Erfahrungen mit einem Publikum, das fast durchweg Mesh trug, und wie es sich auf die Performance niederschlagen würde. Es konnte ja auch niemand einschätzen, wieviele Zuschauer letztlich kommen würden – und das waren am Ende gut 40.&#xA;&#xA;Die waren aber begeistert und die Veranstaltung am Ende ein voller Erfolg.&#xA;&#xA;OpenSim und der Ukraine-Krieg&#xA;&#xA;Auch der russische Angriffskrieg in der Ukraine machte sich in OpenSim bemerkbar. Es gab einiges an Solidaritätsaktionen von Artikeln in den ukrainischen Landesfarben über einzelne Konzerte bis hin zu einer ganzen Eventwoche, die in Dorenas World stattfand.&#xA;&#xA;Allerdings gab es auch die andere Seite. Der Admin eines russischen Grid stellte sich offen auf die Seite Putins, dessen Propaganda er für bare Münze nahm. Er bezeichnete alle, die ihre Solidarität mit der Ukraine ausdrückten, als Nazi- und Terroristenunterstützer. Bis hin zu einzelnen Avataren, die Kleidung in den Farben der ukrainischen Flagge trugen.&#xA;&#xA;Und er kündigte einen totalen, absoluten Vernichtungsfeldzug gegen sie alle an. Er führte sich auf wie ein Putin, der jede Person, jede Institution, jedes Land auf der Welt, das seine Sympathie mit der Ukraine bekundet hat, mit allen Mitteln vernichten wollte.&#xA;&#xA;Letztlich passiert ist wenig. Nur die Newssite Hypergrid Business war aufgrund eines DDoS-Angriffs ein paar Tage nur schwer erreichbar.&#xA;&#xA;Probleme gingen allerdings auch von denjenigen Russen aus, die sich nicht zu Putin bekannten, sowie in gewissen Fällen deren Online-Kollegen. Gegen den Krieg aussprechen konnten sie sich nicht, weil sonst das Risiko sehr groß gewesen wäre, daß die Russen unter ihnen von Speznas kassiert und ohne Gerichtsbeschluß auf unbestimmte Zeit weggeschlossen worden wären.&#xA;&#xA;Die Probleme begannen nun an der Stelle, an der jeder, der sich nicht ganz klar gegen Putin und den Krieg positionierte, als Unterstützer Putins eingestuft wurde und mit allen Mitteln blockiert werden sollte. Dasselbe Schicksal blühte auch denjenigen, die solche Leute eben nicht mit allen Mitteln blockierten.&#xA;&#xA;Wer mit den falschen Leuten friedlich und diplomatisch umging, wurde schneller blockiert, als ihm lieb war. Generell lebten Pazifisten auf einmal gefährlich, denn die gefühlt einzige erlaubte Meinung war, die NATO müsse Rußland umgehend mit einem totalen, ultimativen Vernichtungskrieg überziehen. Wer anderer Meinung war, war praktisch selbst schon Kriegsverbrecher – auch wenn man gleichzeitig von den tatsächlichen Kriegsunterstützern als Terrorhelfer blockiert worden war, weil man die ukrainische Flagge irgendwo gezeigt hatte.&#xA;&#xA;Neuer Content – legal und illegal&#xA;&#xA;Im Content-Bereich hat sich meines Erachtens 2022 einiges getan.&#xA;&#xA;Einerseits hat der Content-Diebstahl aus Second Life wieder Fahrt aufgenommen. Das betraf ganz besonders tatsächlich wieder Meshbodys und dazu passende Kleidung. Ich meine, geschätzte 99% der Mesh-Avatare da draußen tragen schon geklaute Bodys und ausschließlich passende geklaute Kleidung, aber die weit verbreiteten Bodys sind unterm Strich alle von Mitte der 2010er. Es kam wohl langsam wieder der Wunsch auf, in puncto Meshbodys mit Second Life gleichzuziehen und die dort populärsten Bodys zu klauen. Und weil die vorhandene Kleidung dazu nicht passen dürfte, hat man davon auch gleich einen gewissen Grundstock mitgenommen – auch nicht legal.&#xA;&#xA;Es sind aber zwei Trends zu beobachten. Zum einen macht man sich nicht mehr die Mühe, die Bodys umzubenennen. Das tat man bei den neuen Köpfen für Athena (= Maitreya Lara) und Adonis (= Slink Physique Male) ja auch nicht mehr, als man die Bodys auf BoM umbaute. Inzwischen tut man das auch bei den Bodys selbst nicht mehr.&#xA;&#xA;Zum anderen ist es inzwischen mehr die Regel als eine Ausnahme, daß neue Avatarausstattung nicht mehr full-perm angeboten wird. „Sharing is Caring“ – das eh nur dazu dienen sollte, die Wege der Artikel aus Second Life in die OpenSim-Freebie-Läden zu verschleiern, weil man vor DMCA-Klagen Angst hatte – scheint keine Rolle mehr zu spielen. Statt dessen scheinen Freebie-Store-Betreiber und die Grids, in denen sie zu Hause sind, auf No-Transfer-Exklusivartikel zu setzen, die man nur bei ihnen bekommt.&#xA;&#xA;Neu ist auch, daß es nicht mehr den einen zentralen Ort gibt, von dem aus alle Meshbodys sich ausbreiten. Jeder Body hat einen anderen Ort, gar ein anderes Grid, über das er ins Hypergrid kommt.&#xA;&#xA;Nun könnte man einwerfen: Vielleicht sind die Bodys gar nicht geklaut. Vielleicht sind sie mit dem Einverständnis der Schöpfer nach OpenSim gebracht worden, aber unter der Bedingung, daß sie nur von den Importeuren in deren Laden angeboten werden.&#xA;&#xA;Das werde ich so lange für Blödsinn halten, bis mir das Gegenteil bewiesen wird. Denn:&#xA;&#xA;Erstens sind mindestens einige dieser Bodys in Second Life absolute Verkaufsschlager, die aktuell populärsten Meshbodys überhaupt. Deren Schöpfer dürften sich daran dumm und dusselig verdienen. Die werden sicherlich nicht ausgerechnet jetzt einer Verteilung in OpenSim als Freebies zustimmen.&#xA;&#xA;Zweitens sind Meshbodys heutzutage längst aufwendig geskriptet. Die kann man also nicht einfach aus Second Life holen und am nächsten Tag in OpenSim in einer Kiste an die Wand klatschen. Es ist also davon auszugehen, daß die Bodys alle schon vor längerer Zeit besorgt wurden, als der Hype um sie jeweils wohl noch größer war.&#xA;&#xA;Drittens, wenn die Bodys tatsächlich im Einverständnis mit den Schöpfern nach OpenSim gekommen wären, dann sollten ihre Anbieter in OpenSim das eigentlich erwähnen, um alle Behauptungen widerlegen zu können, die Bodys seien geklaut. Das hat aber keiner je getan. Es werden ja nicht mal die eigentlichen Schöpfer genannt. Wer sich mit Second Life nicht auskennt, soll wohl glauben, diese Bodys seien in und für OpenSim gemacht.&#xA;&#xA;Eigentlich bräuchte es Statements seitens der Schöpfer in Second Life, ob sie der kostenlosen Verbreitung ihrer Bodys durch Dritte in OpenSim zugestimmt haben. Ich vermute aber mal, daß sie davon noch gar nichts wissen. Und wenn sie davon erfahren sollten, besteht das Risiko, daß das passiert, von dem alle beruhigt ausgehen, daß es nie passieren wird: eine Urheberrechtsklage gegen das jeweilige Grid. Denn dadurch, daß alle Bodys bis auf einen nur über ein Grid verteilt werden, braucht man auch nur ein Grid auf Unterlassung verklagen und (noch) nicht hunderte.&#xA;&#xA;Und viertens, gerade weil es noch nie zu einer Urheberrechtsklage aus Second Life gegen irgendwen in OpenSim gekommen ist und alle davon ausgehen, daß es auch nie dazu kommen wird, macht sich eh fast niemand die Mühe, um Erlaubnis zu fragen. Es ist einfacher, die Sachen im Marketplace zu kaufen und dann einfach so zu exportieren. Es ist noch einfacher, sie aus den Inventaren argloser Avatare zu copybotten oder von Sandboxen, wenn da jemand seine Neuerwerbungen auspackt, und vor allem billiger.&#xA;&#xA;Es gibt sie übrigens sehr wohl, die ehrbaren Leute, die in Second Life um Erlaubnis fragen, bevor sie etwas exportieren, die auch nur mit erteilter Erlaubnis exportieren und sich dann an die Bedingungen seitens der Schöpfer halten. Sie sind wenige, aber es gibt sie.&#xA;&#xA;Und es gibt auch weiterhin diejenigen, die Sachen in und für OpenSim bauen. Aaack Aardvark produziert immer noch ab und an Neues und veröffentlicht auch gelegentlich Updates für ältere Artikel. Gerade im letzteren Bereich wird wohl noch mehr kommen. Um seine Mitstreiterin Bibiana Bombinante ist es im letzten halben Jahr leider ziemlich ruhig geworden. Aber ihr Sortiment ist so schon umfassend.&#xA;&#xA;Ja, es gibt auch neue Avatarausstattung, und das ist nicht nur Schmuck von der stets umtriebigen Marianna Monentes. Gerade Klarabella Karamell hat seit Ende 2021 derartig viel Neues an Meshkleidung abgeliefert, daß sie neue Läden bauen mußte, weil die vorhandenen Ladenflächen an den Grenzen ihrer Kapazität angekommen sind. Und sie liefert immer noch. Vor allem aber gehört sie zu den sehr wenigen, die Kleidung für die legalen, in und für OpenSim gemachten Meshbodys der Ruth2- und Roth2-Reihen macht. Und ja, sie macht auch Herrenkleidung. Nicht wenige ihrer Kreationen waren übrigens auf der Modenschau zu sehen.&#xA;&#xA;Sogar das Thema Texturieren bekannten Altmaterials ist weiterhin aktuell, zumal es da viel gibt, was leicht kombiniert werden kann. Neu dabei ist Robin Ridley, die Kleidung auf Clutterfly-Basis in Catena di Isole anbietet. Auch Remmy Ravenhurst ist zurück, nachdem Tropicana Freebies mit ihrem sehr interessanten Laden geschlossen wurde. Sie hat inzwischen zwei Läden namens „Make Do And Mend“ auf Tropicana Lakes und Werbung dafür in der Ruth-and-Roth-Gruppe auf OpenSimWorld gemacht. In dutzendweisen Outfits kombiniert sie neu- oder umtexturierte Kleidung von Linda Kellie/Clutterfly, Damien Fate und anderen, teilweise auch mit Layerkleidung.&#xA;&#xA;Last but not least ein bißchen Eigenwerbung: Wer sich in der oben verlinkten Gruppe umgesehen hat, wird feststellen, daß ich am Heiligabend 2022 endlich die schon länger in Arbeit befindlichen Nagellackboxen für Ruth2 v4 veröffentlicht habe.&#xA;&#xA;Ausblick&#xA;&#xA;Was wird uns nun 2023 bringen? Nun, zunächst will ich hoffen, daß das Gridsterben nicht wieder losgeht.&#xA;&#xA;Daß der Gridkrieg von 2022 wieder aufflammt, das halte ich für unwahrscheinlich. Es ist ja inzwischen bekannt, wie der zustande kam. Wenn, dann werden eher die Hauptakteure des Krieges isoliert, wenn sie sich weiterhin nicht zusammenreißen können. Die Zeichen der Zeit dürften eher auf Verständigung und Kooperation stehen, wozu hoffentlich auch die Fortsetzung der monatlichen OpenTalk-Runden beitragen wird.&#xA;&#xA;In puncto Content sehe ich die nächsten Jahre eher zwiegespalten. Daß die Eigenkreativität in OpenSim wieder nachläßt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Bei einigen Schöpfern bin ich mir sicher, daß sie sogar wieder zurückkehren werden.&#xA;&#xA;Andererseits wird aber 2023 noch viel mehr Avatarausstattung aus Second Life geklaut werden. Ich rechne mit einer großangelegten Kampagne, um alle etablierten Meshbodys zu ersetzen.&#xA;&#xA;Und die käme nicht von ungefähr: Am gestrigen Neujahrstag ist die Marke Slink geschlossen worden. Mit Slink Physique Male stirbt auch Adonis, der populärste männliche Meshbody im Hypergrid, mit Slink Physique Hourglass sterben Decadence-HG und BBHG, und für diese Bodys dürfte nun auch keine neue Meshkleidung mehr produziert werden. Sie sind nun definitiv Sackgassen.&#xA;&#xA;Aber auch Athena ist schlichtweg alt inzwischen. Auch die letztes Jahr geklauten EvoX-Köpfe, -Skins und -Tattoos können nicht darüber hinwegtäuschen. Sie ist und bleibt eine Maitreya Lara von 2014. Entweder werden nun so übertriebene Bodys wie die jüngst importierten zum Standard, so daß auch eine ganz normale Athena – oder auch eine Ruth2 v4 – nicht mehr als erwachsen durchgeht. Athena Petite gilt ja jetzt schon quasi als Preteen-Body, obwohl sie eigentlich realistisch ist.&#xA;&#xA;Oder irgendein Laden auf irgendeinem Grid wird demnächst einen „normaleren“ neueren weiblichen Meshbody nebst Kleidung herausbringen. Dann wird sich zeigen, ob allgemein an Athena festgehalten oder auf den neuen Body umgestiegen wird. Das heißt, es soll wohl schon eine neue Version von Maitreya Lara im Hypergrid geben, aber unter neuem Namen.&#xA;&#xA;Die durch No-Transfer künstlich generierte Exklusivität wird anfangs bei der Ausbreitung ganz neuer Bodys hinderlich sein, weil sie nicht in allen möglichen Freebie-Stores zu finden sind, sondern in jeweils nur einem Laden, den man erst finden muß. Aber ich rechne damit, daß Freebie-Store-Betreiber per God Mode die No-Transfer-Einschränkung einfach aushebeln und die Bodys dann in ihren eigenen Läden anbieten werden. Und Kleidung läßt sich einfach copybotten und ist dann eh full-perm.&#xA;&#xA;Bis zum Frühjahr 2023 dürften die ersten Drittläden den einstmals exklusiven Content anbieten. Womögich sind alle neuen Bodys bis zum Sommer sogar noch weiter verbreitet als Ruth2 v4 und Roth2 v2, die sich ja auch langsam von einem neuen Freebie-Store zum nächsten weiterverbreiten. Jeder will sie dann haben.&#xA;&#xA;2024 wird man dann alte Freebie-Sims daran erkennen, daß sie immer noch Bodys und Kleidung aus den 2010ern anbieten, also auch Athena nebst Kleidung – außer es breitet sich auch eine neue Version von Maitreya Lara im Hypergrid aus. So manch eine neue Freebie-Sim wird diese Sachen ebenso ablehnen, wie etliche Sims sich heute schon weigern, die alten Klamotto-Sachen anzubieten – oder generell alles, was nicht geklaut ist.&#xA;&#xA;Alte und nicht mehr gepflegte Freebie-Sims erkennt man dann daran, daß sie die neuen Body- und Kleidungsboxen nicht haben. Athena 6 und Adonis 4 hat sich ja auch fast jeder in nullkommanix an die Wände gehängt, der sich überhaupt noch um seine Freebie-Sim gekümmert hat.&#xA;&#xA;Legale Kreationen aus und für OpenSim wird es, wie gesagt, weiterhin geben. Die Frage wird eher sein, einen wie schweren Stand sie gegen eine neue Welle von Diebesgut und die damit zwingend verbundene massive Werbung haben werden.&#xA;&#xA;Natürlich werden sie weiterhin „Boutique-Artikel“ bleiben, die – full-perm oder nicht – fast ausnahmslos nur in den Läden ihrer Schöpfer zu finden sein werden und nicht in den großen gemischten Freebie-Stores. Ruth2 v4 und Roth2 v2 werden die großen Ausnahmen bleiben. Das, oder sie werden aus so manch einem Laden wieder rausgeworfen, erstens, weil sie „alt“ sind, zweitens, weil der Ladenbetreiber nirgendwo in seinem Laden ausdrücklich für sie geriggte Kleidung findet, und drittens, weil der Ladenbetreiber Platz für neue geklaute Sachen braucht.&#xA;&#xA;Aber um ehrlich zu sein, wäre ich nicht überrascht, wenn 2023 aus gleich mehreren Richtungen regelrechte Kampagnen gegen legalen Content, insbesondere gegen legale Avatarausstattung starten würden, um den „Exklusivanbietern“ neuer Meshbodys genau das Oligopol zu verschaffen, das in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre die Copybotting-Mafia gern als Monopol gehabt hätte.&#xA;&#xA;Während „Never Buy In OpenSim“ weiter genutzt werden würde in einem Versuch, kommerzielle Anbieter aus dem Hypergrid zu vertreiben, würde „Sharing Is Caring“ zu Grabe getragen. Zum einen widerspricht es den Exklusivitätsgelüsten der Meshbody-Hehler. Zum anderen könnte man es prima nutzen, um Full-Perm-Content als „alt“ und „minderwertig“ abzustempeln. Das würde auch auf vieles Legales abzielen, das, obwohl es nur an einem oder wenigen Orten verfügbar ist, durchaus full-perm ist.&#xA;&#xA;Ich sehe auch regelrechte Propaganda gegen legale Avatarausstattung aufkommen, die sie durchweg als „häßlich“ bezeichnet. Diese würde mit einer derartigen Intensität betrieben, daß hunderte, tausende Neuankömmlinge darauf ebenso hereinfallen werden wie auf „Sharing Is Caring“ und „Never Buy In OpenSim“, vor allem solche, die vorher keine Erfahrungen in Second Life sammeln konnten und nicht wissen, daß der weit überwiegende Teil allen Contents im Hypergrid illegal von ebenda bezogen wurde.&#xA;&#xA;Möglicherweise wird es gar automatisierte Sperren gegen „alte“, „häßliche“ Avatare geben, entweder simweit oder gridweit, jedenfalls installiert von den neuen Hehlern oder deren engerem Freundeskreis. Entweder werden alle Avatare mit bestimmten Meshbodys – vor allem sämtlichen legalen Meshbodys – oder anderen Anhängseln ausgesperrt. Oder man läßt von vornherein nur Avatare durch, die von Kopf bis Fuß ausgestattet sind mit Sachen, die frühestens 2022 aus Second Life gekommen sind, um damit auch Athenas zum Umstieg auf neue Exklusivbodys zu zwingen.&#xA;&#xA;Aktuell scheint der Trend langsam wegzugehen von reiner Werbung auf OpenSimWorld und hin zu Teleportbahnhöfen in-world. Aber schon da sehe ich ab und an eine totale Verweigerungshaltung gegenüber Sims, die legalen Content anbieten – derweil nur zu gern Teleporter eingerichtet werden für Sims, die ausschließlich Illegales anbieten.&#xA;&#xA;Um etwas optimistischere Töne anzustimmen: Vielleicht haben wir ja Glück, und die Kreativen OpenSims und ihre Anhänger sagen sich angesichts einer neuen Schwemme illegalen Contents: „Jetzt erst recht“, vernetzen sich und sorgen so für mehr Bekanntheit ihrer selbst und ihrer Produkte. Vielleicht wird es die schon länger geplanten Sammel-Freebie-Sims für ausschließlich legale Sachen geben. Vielleicht wird es auch Teleportbahnhöfe geben, von denen aus man auf schon länger existierende Sims von OpenSim-eigenen Schöpfern gelangt.&#xA;&#xA;Ich weiß seit dem letztjährigen Kitely-Geburtstag, daß Ruth2 und Roth2 in Weiterentwicklung sind. Leider findet das Ganze hinter halbwegs verschlossenen Türen statt; die Meshes werden von ganz neuen Leuten bearbeitet, organisiert wird alles auf Discord, und auch auf GitHub passiert praktisch überhaupt nichts. Vielleicht haben wir ja Glück, und 2023 gibt es eine neue Ruth2; zumindest einen Bugfix würde ich mir wünschen. Mit einem neuen Roth2 rechne ich nicht, der dürfte vor einer grundlegenden Umgestaltung des Mesh stehen, denn mit ihm war niemand je so ganz zufrieden.&#xA;&#xA;In der deutschsprachigen Community ist die Dominanz des Diebesguts generell weniger extrem und wird auch so bleiben. Hier gibt es einiges an Kreativität, wie ja die Modenschau gezeigt hat. Die wird unterstützt und respektiert; auch diejenigen, die ihre eigenen Avatare mit absolut nichts Legalem ausgestattet haben, stehen der Eigenkreativität der OpenSim-Nutzer aufgeschlossen gegenüber oder würden sie sogar weiter fördern. Ich meine, bei der Modenschau liefen einige Athenas mit, die aber trotzdem Produkte aus OpenSim trugen.&#xA;&#xA;Natürlich liegt das daran, daß viele überhaupt nichts von dem mitbekommen, was im englischsprachigen Bereich passiert. Aber generell ist die Attitüde hier anders, auch weil viele eben selbst Leute kennen, die kreativ tätig sind. Wer aktiv versucht, gegen diese Kreativität oder die Verbreitung ihrer Erzeugnisse vorzugehen, wird auch weiterhin keine Mehrheit um sich scharen können. Und jegliche Versuche, Diebesgut als Eigenkreation anzupreisen, haben gute Chancen, entlarvt zu werden – zumal genau das letztes Jahr auch schon passiert ist.&#xA;&#xA;Eine weitere Frage, die sich für 2023 stellen wird, ist: Wie geht es mit OpenSimWorld weiter?&#xA;&#xA;Die Website ist ja im Grunde das Nervenzentrum des Hypergrid und der primäre, zentrale Treffpunkt der ansonsten komplett dezentralen OpenSim-Community. Ihr mangelt es aber vor alem an dreierlei: erstens besseren Regeln für die Community und die eingetragenen Sims, zweitens Moderatoren, um diese Regeln durchzusetzen, und drittens folglich Moderation in jeglicher Form. Es gibt nicht einmal eine Netiquette.&#xA;&#xA;Lange haben die User das so hingenommen, weil es keine Alternativen gab. Letzten Monat ist aber das Thema der Benutzerzahlen hochgekocht, die künstlich hochgetrieben werden mit entweder permanent anwesenden Avataren oder frisierten Beacons, die NPCs als Avatare ansehen. Noch dazu bleiben auch persönliche Angriffe, sogar mit nur zu offensichtlichen Sockenpuppen, ebenso völlig ungeahndet wie andere faule Tricks, die eigene Sim mehr ins Rampenlicht zu rücken.&#xA;&#xA;Das führt dazu, daß mehr und mehr User von OpenSimWorld die Schnauze voll haben. Ganze Grids haben sich inzwischen von da zurückgezogen, in Bälde folgt wohl auch das neue I Love You Grid, das aus einer Anzahl an Sims auf ZetaWorlds hervorgegangen ist. Angeblich soll es schon Alternativen zu OpenSimWorld geben, aber zum einen sind mir immer noch keine bekannt, und zum anderen werden die nicht jetzt schon denselben Funktionsumfang haben.&#xA;&#xA;Was nicht ist, kann sehr wohl noch werden. Die langsam, aber stetig steigende Anzahl an Teleportbahnhöfen könnte ein Zeichen dafür sein, daß man allgemein versucht, zumindest den Simkatalog-Teil von OpenSimWorld in Eigenregie zu ersetzen. Das ist zwar weit von den Möglichkeiten von OpenSimWorld entfernt, aber bevor es OpenSimWorld gab, waren Teleportbahnhöfe in Verbindung mit Landmarken probate Mittel der Bewegung durchs Hypergrid. Aber auch menügesteuerte Teleporter könnten durchaus fröhliche Urständ feiern.&#xA;&#xA;All diese Lösungen haben wohlgemerkt denselben Nachteil: Es obliegt ihren Eigentümern, dafür zu sorgen, daß sie aktuell bleiben. Das heißt, die Eigentümer müssen von sich aus immer wieder testen, ob die eingetragenen Teleportziele noch da sind und noch so sind wie beschrieben. Wenn so etwas die Dimensionen von Spike Sols Weltraumbahnhof annimmt, ist praktisch unvermeidlich, daß es auch so schnell veraltet wie der Weltraumbahnhof, weil man einfach mit Überprüfen und Pflege nicht hinterherkommt. OpenSimWorld hatte immer den Vorteil, daß sich die Simbetreiber komplett selbst um ihre Einträge kümmern können.&#xA;&#xA;Zu guter Letzt bietet sich als Treffpunkt der globalen Community das Fediverse an. Ein weiterer Trend, der 2022 begann und sich dieses Jahr sicherlich fortsetzen wird, ist dessen Wachstum, vor allem auf Mastodon. Nicht nur viele Second-Life-Nutzer tummeln sich da schon, sondern auch eine allmählich steigende Anzahl an OpenSim-Nutzern. Es gibt sogar eine eigene Mastodon-Instanz für OpenSim-Nutzer.&#xA;&#xA;Alles in allem könnte 2023 auch für OpenSim ein Jahr des Aufbruchs und der Umwälzungen im positiven Sinne werden. Man darf gespannt bleiben.&#xA;&#xA;#OpenSim #FürFortgeschrittene #Kolumne]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ja, ich weiß. Eigentlich kommen Rückblicke aufs vergangene Jahr am Silvesterabend. Aber dann ist das Jahr ja noch nicht ganz vorbei, und in den schnellebigen virtuellen Welten kann dann immer noch etwas passieren.</p>

<p>Wie dem auch sei: 2022 ist vorbei, und ich möchte die Gelegenheit nutzen, es Revue passieren zu lassen. </p>

<h2 id="das-große-gridsterben">Das große Gridsterben</h2>

<p>2022 könnte in die Geschichte von OpenSim eingehen als ein Jahr, in dem <a href="https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/tag:DasGro%C3%9FeGridsterben2022" rel="nofollow">außergewöhnlich viele bekannte Grids verschwunden sind</a>, darunter zwei der sechs ältesten Grids.</p>
<ul><li>Am 25. Januar war auf einmal sang- und klanglos Anettes Welt verschwunden. Bis heute gibt es von der Inhaberin kein Statement. Man nimmt an, daß sie für OpenSim keine Zeit mehr hatte – also weder für eine Ankündigung noch für das Herausgeben von IARs und OARs noch auch nur für ein Statement bezüglich der Gridschließung.</li>
<li>Einen Tag später verschwand das ebenfalls deutsche Chimerus-Grid. Wie Anettes Welt war es leider technisch hoffnungslos veraltet, aber wie Anettes Welt hatte es interessante Freebies, die man sonst kaum oder nirgendwo fand.</li>
<li>Im Februar wurden binnen einer Woche zwei wichtige französische Grids durch technische Probleme dahingerafft, Virtual Dream durch eine irreparabel defekte Datenbank und das FrancoGrid, das fünftälteste Grid, durch den Tod der Serverhardware. Im April verschwanden zwei weitere französische Grids. Die französische Community brauchte ernsthaft das eine oder andere neue Grid.</li>
<li>Anfang April schloß das 3rd Life Grid. Die Ankündigung erreichte wohl nicht viele. Die Schließung wurde aber angekündigt, und einige Sims zogen vorher ins OSgrid um.</li>
<li>Außerdem wurde im April das Soloton-Grid mit seinem – leider überalterten – Weltraumbahnhof geschlossen; eine Rückkehr wurde angekündigt, hat aber noch nicht stattgefunden. Phaandoria lebt als Privatgrid weiter.</li>
<li>Im Mai schloß Roddie Macchi schon zum zweiten Mal sein Great Canadian Grid und wieder vor dem angekündigten Termin, aber nur einen Tag. Übrigens gibt es seit einiger Zeit wieder ein Great Canadian Grid unter Roddies Führung. Aber vom alten Grid ist, wie es aussieht, nur die Startsim übernommen worden.</li>
<li>Später angekündigt wurde, aber früher stattgefunden hat die Schließung der deutschen Nextlife-World aus gesundheitlichen Gründen.</li>
<li>Am 2. Juni wurde das deutsche Caledonia-Grid vom Techadmin abgeschaltet, nachdem der Gridvater Anfang des Jahres das Zeitliche gesegnet hatte.     Damit verschwand leider sein Lebenswerk für immer.</li>
<li>Für Ende Juni wurde die Schließung des zweitältesten aller Grids angekündigt, des einstmals mächtigen deutschen Metropolis Metaversums. Die tatsächliche Schließung war am Vormittag des 5. Juli. Allerdings hatten die Admins schon lange vorher keine Zeit mehr für das Grid, das quasi als Zombie weiterlief. Kaum jemanden hat die Schließungsankündigung überrascht; eher hat man sich darüber gewundert, daß Metropolis bis dahin immer noch lief.</li></ul>

<p>Metropolis war mit seiner großen Abschiedsparty in einer seit über drei Jahren ungenutzten Location wohl der Höhepunkt, aber auch das Ende des Gridsterbens. Was danach passierte, kann man als Teil der natürlichen Fluktuation insbesondere jüngerer Grids ansehen.</p>

<p>Auch das Soul-Grid macht weiter, obwohl Rudi Bakerly, eine Hälfte des Gridinhaberpaares, letzten Monat mehr als plötzlich verstarb.</p>

<h2 id="zusammenhalt-und-zwistigkeit-in-der-deutschsprachigen-community">Zusammenhalt und Zwistigkeit in der deutschsprachigen Community</h2>

<p>2022 ging die deutschsprachige Community durch ein Wechselbad der Beziehungen. Auf der einen Seite standen spektakuläre Kooperationen, auf der anderen Seite aber ein regelrechter Gridkrieg.</p>

<p>Im Februar gab es in Nextlife-World einen epischen geskripteten Rosenmontagsumzug mit Festwagen, an denen sich etliche Erbauer aus etlichen Grids beteiligten. Etwas in solchen Dimensionen ist immer spektakulär, und wenn es in einer so großen Kooperation entsteht, sogar noch mehr. Die deutschsprachige Community zog zu großen Teilen an einem Strang.</p>

<p>Mit der Herrlichkeit war es aber wenig später vorbei, als es Kabbeleien um wöchentliche Veranstaltungen gab. Auf einmal machten Veranstaltungen einander gezielt Konkurrenz. Daraus entwickelte sich ein regelrechter Gridkrieg zwischen zwei Allianzen von Grids.</p>

<p>Neutral zu bleiben in diesem Konflikt, war fast unmöglich. Wenn man auf einer Veranstaltung von einer Seite gesehen wurde, behielt sich die jeweils andere Seite Sanktionen dagegen vor, weil man sich dem „Feind“ anbiederte. Der Freund meines Feindes ist mein Feind.</p>

<p>Wenn ganze Grids sich neutral und pazifistisch verhalten wollten, wurde ihnen mitunter auch das nicht gegönnt. Dann fielen auch mal etliche Besucher von einer Seite bei einer Veranstaltung ein. Nicht nur sah es dann so aus, als wäre das betreffende Grid einer Seite beigetreten, sondern es wurde sogar die andere Seite schlechtgemacht und damit um eine Allianz geworben.</p>

<p>Letztlich fiel der Gridkrieg allmählich in sich zusammen, als sich mehr und mehr zeigte, daß er angestachelt wurde von einigen wenigen toxischen, aggressiven Individuen. Die verloren sogar in ihren Heimatgrids den Rückhalt, und ehemals „alliierte“ Grids ließen sich nicht länger von diesen Leuten anstacheln. Und schon bald konnten sich wieder Leute von beiden Seiten auf derselben Veranstaltung sehen lassen.</p>

<p>Ich hoffe, daß alle oder zumindest möglichst viele aus dieser Situation gelernt haben. Die Lektion in diesem Fall sollte sein, nicht nur individuelle Störenfriede als solche zu erkennen und zu isolieren, statt ihnen blindlings gegen einen vermeintlichen Feind nachzulaufen, sondern auch, wer die notorischsten Störenfriede sind. Denn das hat sich 2022 deutlich gezeigt. Solche Leute sollten nun eigentlich nicht länger in der Lage sein, große Allianzen um sich herum aufzubauen für Attacken auf andere Individuen oder Grids.</p>

<p>Und tatsächlich zeigte sich inzwischen, daß viele einfach nicht mehr willens sind, sich in solche Streitereien hineinziehen zu lassen – oder auch nur zu tolerieren.</p>

<p>Allen alten und neuen Feindschaften zum Trotze liefen über das Jahr hinweg im Hintergrund die Arbeiten für ein weiteres gridübergreifendes Großprojekt: die Modenschau im Oktober.</p>

<p>Die Besonderheit dieses Projekts war, daß es diese Modenschau zuletzt 2016 gegeben hatte – und überhaupt noch nie mit Mesh. Die letzte Veranstaltung dieser Art war also schon lange her, auch wenn sie im wesentlichen von den selben Organisatoren wieder aufgezogen wurde, und die technischen Gegebenheiten hatten sich geändert. Es sollte also eine Premiere sein, eine regelrechte Pioniertat.</p>

<p>Ich hatte ja 2021 schon eine Modenschau im Alternate Metaverse gesehen, die lief aber komplett geskriptet ab. An dieser Modenschau war meine kleine In-world-Schwester Juno sowohl mit Outfits – allerdings nicht mit eigener Kleidung – als auch als Model beteiligt. Und im Gegensatz zur Modenschau im AMV sollten die Models hier nicht vollautomatisiert, sondern handgesteuert auftreten, noch dazu auf einem sehr viel größeren „Laufsteg“.</p>

<p>Das Aufgebot an Outfits, zu einem erheblichen Teil Mesh, strafte jeden Lügen, der behauptete, in OpenSim würde keine Kleidung hergestellt, und alles müßte illegal aus Second Life geholt werden. Die Zahl der Outfits mußte sogar noch auf maximal vier pro Model reduziert werden, um die Modenschau auf maximal eine Stunde begrenzen zu können; sie hätte durchaus noch sehr viel länger sein können.</p>

<p>Weil das ganze Konzept in so mancher Hinsicht Neuland betrat, mußte viel probiert und umgeplant werden. Mitunter mußte ins kalte Wasser gesprungen werden; es gab ja auch noch keine Erfahrungen mit einem <em>Publikum</em>, das fast durchweg Mesh trug, und wie es sich auf die Performance niederschlagen würde. Es konnte ja auch niemand einschätzen, wieviele Zuschauer letztlich kommen würden – und das waren am Ende gut 40.</p>

<p>Die waren aber begeistert und die Veranstaltung am Ende ein voller Erfolg.</p>

<h2 id="opensim-und-der-ukraine-krieg">OpenSim und der Ukraine-Krieg</h2>

<p>Auch der russische Angriffskrieg in der Ukraine machte sich in OpenSim bemerkbar. Es gab einiges an Solidaritätsaktionen von Artikeln in den ukrainischen Landesfarben über einzelne Konzerte bis hin zu einer ganzen Eventwoche, die in Dorenas World stattfand.</p>

<p>Allerdings gab es auch die andere Seite. Der Admin eines russischen Grid stellte sich offen auf die Seite Putins, dessen Propaganda er für bare Münze nahm. Er bezeichnete alle, die ihre Solidarität mit der Ukraine ausdrückten, als Nazi- und Terroristenunterstützer. Bis hin zu einzelnen Avataren, die Kleidung in den Farben der ukrainischen Flagge trugen.</p>

<p>Und er kündigte einen totalen, absoluten Vernichtungsfeldzug gegen sie alle an. Er führte sich auf wie ein Putin, der jede Person, jede Institution, jedes Land auf der Welt, das seine Sympathie mit der Ukraine bekundet hat, mit allen Mitteln vernichten wollte.</p>

<p>Letztlich passiert ist wenig. Nur die Newssite <a href="https://www.hypergridbusiness.com/" rel="nofollow">Hypergrid Business</a> war aufgrund eines DDoS-Angriffs ein paar Tage nur schwer erreichbar.</p>

<p>Probleme gingen allerdings auch von denjenigen Russen aus, die sich nicht zu Putin bekannten, sowie in gewissen Fällen deren Online-Kollegen. Gegen den Krieg aussprechen konnten sie sich nicht, weil sonst das Risiko sehr groß gewesen wäre, daß die Russen unter ihnen von Speznas kassiert und ohne Gerichtsbeschluß auf unbestimmte Zeit weggeschlossen worden wären.</p>

<p>Die Probleme begannen nun an der Stelle, an der jeder, der sich nicht ganz klar gegen Putin und den Krieg positionierte, als Unterstützer Putins eingestuft wurde und mit allen Mitteln blockiert werden sollte. Dasselbe Schicksal blühte auch denjenigen, die solche Leute eben nicht mit allen Mitteln blockierten.</p>

<p>Wer mit den falschen Leuten friedlich und diplomatisch umging, wurde schneller blockiert, als ihm lieb war. Generell lebten Pazifisten auf einmal gefährlich, denn die gefühlt einzige erlaubte Meinung war, die NATO müsse Rußland umgehend mit einem totalen, ultimativen Vernichtungskrieg überziehen. Wer anderer Meinung war, war praktisch selbst schon Kriegsverbrecher – auch wenn man gleichzeitig von den tatsächlichen Kriegsunterstützern als Terrorhelfer blockiert worden war, weil man die ukrainische Flagge irgendwo gezeigt hatte.</p>

<h2 id="neuer-content-legal-und-illegal">Neuer Content – legal und illegal</h2>

<p>Im Content-Bereich hat sich meines Erachtens 2022 einiges getan.</p>

<p>Einerseits hat der Content-Diebstahl aus Second Life wieder Fahrt aufgenommen. Das betraf ganz besonders tatsächlich wieder Meshbodys und dazu passende Kleidung. Ich meine, geschätzte 99% der Mesh-Avatare da draußen tragen schon geklaute Bodys und ausschließlich passende geklaute Kleidung, aber die weit verbreiteten Bodys sind unterm Strich alle von Mitte der 2010er. Es kam wohl langsam wieder der Wunsch auf, in puncto Meshbodys mit Second Life gleichzuziehen und die dort populärsten Bodys zu klauen. Und weil die vorhandene Kleidung dazu nicht passen dürfte, hat man davon auch gleich einen gewissen Grundstock mitgenommen – auch nicht legal.</p>

<p>Es sind aber zwei Trends zu beobachten. Zum einen macht man sich nicht mehr die Mühe, die Bodys umzubenennen. Das tat man bei den neuen Köpfen für Athena (= Maitreya Lara) und Adonis (= Slink Physique Male) ja auch nicht mehr, als man die Bodys auf BoM umbaute. Inzwischen tut man das auch bei den Bodys selbst nicht mehr.</p>

<p>Zum anderen ist es inzwischen mehr die Regel als eine Ausnahme, daß neue Avatarausstattung nicht mehr full-perm angeboten wird. „Sharing is Caring“ – das eh nur dazu dienen sollte, die Wege der Artikel aus Second Life in die OpenSim-Freebie-Läden zu verschleiern, weil man vor DMCA-Klagen Angst hatte – scheint keine Rolle mehr zu spielen. Statt dessen scheinen Freebie-Store-Betreiber und die Grids, in denen sie zu Hause sind, auf No-Transfer-Exklusivartikel zu setzen, die man nur bei ihnen bekommt.</p>

<p>Neu ist auch, daß es nicht mehr den einen zentralen Ort gibt, von dem aus alle Meshbodys sich ausbreiten. Jeder Body hat einen anderen Ort, gar ein anderes Grid, über das er ins Hypergrid kommt.</p>

<p>Nun könnte man einwerfen: Vielleicht sind die Bodys gar nicht geklaut. Vielleicht sind sie mit dem Einverständnis der Schöpfer nach OpenSim gebracht worden, aber unter der Bedingung, daß sie nur von den Importeuren in deren Laden angeboten werden.</p>

<p>Das werde ich so lange für Blödsinn halten, bis mir das Gegenteil bewiesen wird. Denn:</p>

<p>Erstens sind mindestens einige dieser Bodys in Second Life absolute Verkaufsschlager, die aktuell populärsten Meshbodys überhaupt. Deren Schöpfer dürften sich daran dumm und dusselig verdienen. Die werden sicherlich nicht ausgerechnet jetzt einer Verteilung in OpenSim als Freebies zustimmen.</p>

<p>Zweitens sind Meshbodys heutzutage längst aufwendig geskriptet. Die kann man also nicht einfach aus Second Life holen und am nächsten Tag in OpenSim in einer Kiste an die Wand klatschen. Es ist also davon auszugehen, daß die Bodys alle schon vor längerer Zeit besorgt wurden, als der Hype um sie jeweils wohl noch größer war.</p>

<p>Drittens, wenn die Bodys tatsächlich im Einverständnis mit den Schöpfern nach OpenSim gekommen wären, dann sollten ihre Anbieter in OpenSim das eigentlich erwähnen, um alle Behauptungen widerlegen zu können, die Bodys seien geklaut. Das hat aber keiner je getan. Es werden ja nicht mal die eigentlichen Schöpfer genannt. Wer sich mit Second Life nicht auskennt, soll wohl glauben, diese Bodys seien in und für OpenSim gemacht.</p>

<p>Eigentlich bräuchte es Statements seitens der Schöpfer in Second Life, ob sie der kostenlosen Verbreitung ihrer Bodys durch Dritte in OpenSim zugestimmt haben. Ich vermute aber mal, daß sie davon noch gar nichts wissen. Und wenn sie davon erfahren sollten, besteht das Risiko, daß das passiert, von dem alle beruhigt ausgehen, daß es nie passieren wird: eine Urheberrechtsklage gegen das jeweilige Grid. Denn dadurch, daß alle Bodys bis auf einen nur über ein Grid verteilt werden, braucht man auch nur ein Grid auf Unterlassung verklagen und (noch) nicht hunderte.</p>

<p>Und viertens, gerade weil es noch nie zu einer Urheberrechtsklage aus Second Life gegen irgendwen in OpenSim gekommen ist und alle davon ausgehen, daß es auch nie dazu kommen wird, macht sich eh fast niemand die Mühe, um Erlaubnis zu fragen. Es ist einfacher, die Sachen im Marketplace zu kaufen und dann einfach so zu exportieren. Es ist noch einfacher, sie aus den Inventaren argloser Avatare zu copybotten oder von Sandboxen, wenn da jemand seine Neuerwerbungen auspackt, und vor allem billiger.</p>

<p>Es gibt sie übrigens sehr wohl, die ehrbaren Leute, die in Second Life um Erlaubnis fragen, bevor sie etwas exportieren, die auch nur mit erteilter Erlaubnis exportieren und sich dann an die Bedingungen seitens der Schöpfer halten. Sie sind wenige, aber es gibt sie.</p>

<p>Und es gibt auch weiterhin diejenigen, die Sachen in und für OpenSim bauen. <a href="https://opensimworld.com/hop/86546p" rel="nofollow">Aaack Aardvark</a> produziert immer noch ab und an Neues und veröffentlicht auch gelegentlich Updates für ältere Artikel. Gerade im letzteren Bereich wird wohl noch mehr kommen. Um seine Mitstreiterin <a href="https://opensimworld.com/hop/86458" rel="nofollow">Bibiana Bombinante</a> ist es im letzten halben Jahr leider ziemlich ruhig geworden. Aber ihr Sortiment ist so schon umfassend.</p>

<p>Ja, es gibt auch neue Avatarausstattung, und das ist nicht nur Schmuck von der stets umtriebigen <a href="https://opensimworld.com/hop/84210" rel="nofollow">Marianna Monentes</a>. Gerade Klarabella Karamell hat seit Ende 2021 derartig viel Neues an Meshkleidung abgeliefert, daß sie <a href="https://opensimworld.com/hop/82702" rel="nofollow">neue Läden bauen mußte</a>, weil die <a href="https://opensimworld.com/hop/81258" rel="nofollow">vorhandenen</a> <a href="https://opensimworld.com/hop/78061" rel="nofollow">Ladenflächen</a> an den Grenzen ihrer Kapazität angekommen sind. Und sie liefert immer noch. Vor allem aber gehört sie zu den sehr wenigen, die Kleidung für die legalen, in und für OpenSim gemachten Meshbodys der Ruth2- und Roth2-Reihen macht. Und ja, sie macht auch Herrenkleidung. Nicht wenige ihrer Kreationen waren übrigens auf der Modenschau zu sehen.</p>

<p>Sogar das Thema Texturieren bekannten Altmaterials ist weiterhin aktuell, zumal es da viel gibt, was leicht kombiniert werden kann. Neu dabei ist Robin Ridley, die Kleidung auf Clutterfly-Basis in <a href="https://opensimworld.com/hop/88656" rel="nofollow">Catena di Isole</a> anbietet. Auch Remmy Ravenhurst ist zurück, nachdem Tropicana Freebies mit ihrem sehr interessanten Laden geschlossen wurde. Sie hat inzwischen zwei Läden namens „Make Do And Mend“ auf Tropicana Lakes und Werbung dafür in <a href="https://opensimworld.com/groups/1014" rel="nofollow">der Ruth-and-Roth-Gruppe auf OpenSimWorld</a> gemacht. In dutzendweisen Outfits kombiniert sie neu- oder umtexturierte Kleidung von Linda Kellie/Clutterfly, Damien Fate und anderen, teilweise auch mit Layerkleidung.</p>

<p>Last but not least ein bißchen Eigenwerbung: Wer sich in der oben verlinkten Gruppe umgesehen hat, wird feststellen, daß ich am Heiligabend 2022 endlich die schon länger in Arbeit befindlichen Nagellackboxen für Ruth2 v4 veröffentlicht habe.</p>

<h2 id="ausblick">Ausblick</h2>

<p>Was wird uns nun 2023 bringen? Nun, zunächst will ich hoffen, daß das Gridsterben nicht wieder losgeht.</p>

<p>Daß der Gridkrieg von 2022 wieder aufflammt, das halte ich für unwahrscheinlich. Es ist ja inzwischen bekannt, wie der zustande kam. Wenn, dann werden eher die Hauptakteure des Krieges isoliert, wenn sie sich weiterhin nicht zusammenreißen können. Die Zeichen der Zeit dürften eher auf Verständigung und Kooperation stehen, wozu hoffentlich auch die Fortsetzung der monatlichen OpenTalk-Runden beitragen wird.</p>

<p>In puncto Content sehe ich die nächsten Jahre eher zwiegespalten. Daß die Eigenkreativität in OpenSim wieder nachläßt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Bei einigen Schöpfern bin ich mir sicher, daß sie sogar wieder zurückkehren werden.</p>

<p>Andererseits wird aber 2023 noch viel mehr Avatarausstattung aus Second Life geklaut werden. Ich rechne mit einer großangelegten Kampagne, um alle etablierten Meshbodys zu ersetzen.</p>

<p>Und die käme nicht von ungefähr: Am gestrigen Neujahrstag <a href="https://modemworld.me/2023/01/01/slink-et-al-siddean-shutters-her-brands-in-second-life/" rel="nofollow">ist die Marke Slink geschlossen worden</a>. Mit Slink Physique Male stirbt auch Adonis, der populärste männliche Meshbody im Hypergrid, mit Slink Physique Hourglass sterben Decadence-HG und BBHG, und für diese Bodys dürfte nun auch keine neue Meshkleidung mehr produziert werden. Sie sind nun definitiv Sackgassen.</p>

<p>Aber auch Athena ist schlichtweg alt inzwischen. Auch die letztes Jahr geklauten EvoX-Köpfe, -Skins und -Tattoos können nicht darüber hinwegtäuschen. Sie ist und bleibt eine Maitreya Lara von 2014. Entweder werden nun so übertriebene Bodys wie die jüngst importierten zum Standard, so daß auch eine ganz normale Athena – oder auch eine Ruth2 v4 – nicht mehr als erwachsen durchgeht. Athena Petite gilt ja jetzt schon quasi als Preteen-Body, obwohl sie eigentlich realistisch ist.</p>

<p>Oder irgendein Laden auf irgendeinem Grid wird demnächst einen „normaleren“ neueren weiblichen Meshbody nebst Kleidung herausbringen. Dann wird sich zeigen, ob allgemein an Athena festgehalten oder auf den neuen Body umgestiegen wird. Das heißt, es soll wohl schon eine neue Version von Maitreya Lara im Hypergrid geben, aber unter neuem Namen.</p>

<p>Die durch No-Transfer künstlich generierte Exklusivität wird anfangs bei der Ausbreitung ganz neuer Bodys hinderlich sein, weil sie nicht in allen möglichen Freebie-Stores zu finden sind, sondern in jeweils nur einem Laden, den man erst finden muß. Aber ich rechne damit, daß Freebie-Store-Betreiber per God Mode die No-Transfer-Einschränkung einfach aushebeln und die Bodys dann in ihren eigenen Läden anbieten werden. Und Kleidung läßt sich einfach copybotten und ist dann eh full-perm.</p>

<p>Bis zum Frühjahr 2023 dürften die ersten Drittläden den einstmals exklusiven Content anbieten. Womögich sind alle neuen Bodys bis zum Sommer sogar noch weiter verbreitet als Ruth2 v4 und Roth2 v2, die sich ja auch langsam von einem neuen Freebie-Store zum nächsten weiterverbreiten. Jeder will sie dann haben.</p>

<p>2024 wird man dann alte Freebie-Sims daran erkennen, daß sie immer noch Bodys und Kleidung aus den 2010ern anbieten, also auch Athena nebst Kleidung – außer es breitet sich auch eine neue Version von Maitreya Lara im Hypergrid aus. So manch eine neue Freebie-Sim wird diese Sachen ebenso ablehnen, wie etliche Sims sich heute schon weigern, die alten Klamotto-Sachen anzubieten – oder generell alles, was nicht geklaut ist.</p>

<p>Alte und nicht mehr gepflegte Freebie-Sims erkennt man dann daran, daß sie die neuen Body- und Kleidungsboxen nicht haben. Athena 6 und Adonis 4 hat sich ja auch fast jeder in nullkommanix an die Wände gehängt, der sich überhaupt noch um seine Freebie-Sim gekümmert hat.</p>

<p>Legale Kreationen aus und für OpenSim wird es, wie gesagt, weiterhin geben. Die Frage wird eher sein, einen wie schweren Stand sie gegen eine neue Welle von Diebesgut und die damit zwingend verbundene massive Werbung haben werden.</p>

<p>Natürlich werden sie weiterhin „Boutique-Artikel“ bleiben, die – full-perm oder nicht – fast ausnahmslos nur in den Läden ihrer Schöpfer zu finden sein werden und nicht in den großen gemischten Freebie-Stores. Ruth2 v4 und Roth2 v2 werden die großen Ausnahmen bleiben. Das, oder sie werden aus so manch einem Laden wieder rausgeworfen, erstens, weil sie „alt“ sind, zweitens, weil der Ladenbetreiber nirgendwo in seinem Laden ausdrücklich für sie geriggte Kleidung findet, und drittens, weil der Ladenbetreiber Platz für neue geklaute Sachen braucht.</p>

<p>Aber um ehrlich zu sein, wäre ich nicht überrascht, wenn 2023 aus gleich mehreren Richtungen regelrechte Kampagnen gegen legalen Content, insbesondere gegen legale Avatarausstattung starten würden, um den „Exklusivanbietern“ neuer Meshbodys genau das Oligopol zu verschaffen, das in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre die Copybotting-Mafia gern als Monopol gehabt hätte.</p>

<p>Während „Never Buy In OpenSim“ weiter genutzt werden würde in einem Versuch, kommerzielle Anbieter aus dem Hypergrid zu vertreiben, würde „Sharing Is Caring“ zu Grabe getragen. Zum einen widerspricht es den Exklusivitätsgelüsten der Meshbody-Hehler. Zum anderen könnte man es prima nutzen, um Full-Perm-Content als „alt“ und „minderwertig“ abzustempeln. Das würde auch auf vieles Legales abzielen, das, obwohl es nur an einem oder wenigen Orten verfügbar ist, durchaus full-perm ist.</p>

<p>Ich sehe auch regelrechte Propaganda gegen legale Avatarausstattung aufkommen, die sie durchweg als „häßlich“ bezeichnet. Diese würde mit einer derartigen Intensität betrieben, daß hunderte, tausende Neuankömmlinge darauf ebenso hereinfallen werden wie auf „Sharing Is Caring“ und „Never Buy In OpenSim“, vor allem solche, die vorher keine Erfahrungen in Second Life sammeln konnten und nicht wissen, daß der weit überwiegende Teil allen Contents im Hypergrid illegal von ebenda bezogen wurde.</p>

<p>Möglicherweise wird es gar automatisierte Sperren gegen „alte“, „häßliche“ Avatare geben, entweder simweit oder gridweit, jedenfalls installiert von den neuen Hehlern oder deren engerem Freundeskreis. Entweder werden alle Avatare mit bestimmten Meshbodys – vor allem sämtlichen legalen Meshbodys – oder anderen Anhängseln ausgesperrt. Oder man läßt von vornherein nur Avatare durch, die von Kopf bis Fuß ausgestattet sind mit Sachen, die frühestens 2022 aus Second Life gekommen sind, um damit auch Athenas zum Umstieg auf neue Exklusivbodys zu zwingen.</p>

<p>Aktuell scheint der Trend langsam wegzugehen von reiner Werbung auf OpenSimWorld und hin zu Teleportbahnhöfen in-world. Aber schon da sehe ich ab und an eine totale Verweigerungshaltung gegenüber Sims, die legalen Content anbieten – derweil nur zu gern Teleporter eingerichtet werden für Sims, die ausschließlich Illegales anbieten.</p>

<p>Um etwas optimistischere Töne anzustimmen: Vielleicht haben wir ja Glück, und die Kreativen OpenSims und ihre Anhänger sagen sich angesichts einer neuen Schwemme illegalen Contents: „Jetzt erst recht“, vernetzen sich und sorgen so für mehr Bekanntheit ihrer selbst und ihrer Produkte. Vielleicht wird es die schon länger geplanten Sammel-Freebie-Sims für ausschließlich legale Sachen geben. Vielleicht wird es auch Teleportbahnhöfe geben, von denen aus man auf schon länger existierende Sims von OpenSim-eigenen Schöpfern gelangt.</p>

<p>Ich weiß seit dem letztjährigen Kitely-Geburtstag, daß Ruth2 und Roth2 in Weiterentwicklung sind. Leider findet das Ganze hinter halbwegs verschlossenen Türen statt; die Meshes werden von ganz neuen Leuten bearbeitet, organisiert wird alles auf Discord, und auch auf GitHub passiert praktisch überhaupt nichts. Vielleicht haben wir ja Glück, und 2023 gibt es eine neue Ruth2; zumindest einen Bugfix würde ich mir wünschen. Mit einem neuen Roth2 rechne ich nicht, der dürfte vor einer grundlegenden Umgestaltung des Mesh stehen, denn mit ihm war niemand je so ganz zufrieden.</p>

<p>In der deutschsprachigen Community ist die Dominanz des Diebesguts generell weniger extrem und wird auch so bleiben. Hier gibt es einiges an Kreativität, wie ja die Modenschau gezeigt hat. Die wird unterstützt und respektiert; auch diejenigen, die ihre eigenen Avatare mit absolut nichts Legalem ausgestattet haben, stehen der Eigenkreativität der OpenSim-Nutzer aufgeschlossen gegenüber oder würden sie sogar weiter fördern. Ich meine, bei der Modenschau liefen einige Athenas mit, die aber trotzdem Produkte aus OpenSim trugen.</p>

<p>Natürlich liegt das daran, daß viele überhaupt nichts von dem mitbekommen, was im englischsprachigen Bereich passiert. Aber generell ist die Attitüde hier anders, auch weil viele eben selbst Leute kennen, die kreativ tätig sind. Wer aktiv versucht, gegen diese Kreativität oder die Verbreitung ihrer Erzeugnisse vorzugehen, wird auch weiterhin keine Mehrheit um sich scharen können. Und jegliche Versuche, Diebesgut als Eigenkreation anzupreisen, haben gute Chancen, entlarvt zu werden – zumal genau das letztes Jahr auch schon passiert ist.</p>

<p>Eine weitere Frage, die sich für 2023 stellen wird, ist: Wie geht es mit <a href="https://opensimworld.com/" rel="nofollow">OpenSimWorld</a> weiter?</p>

<p>Die Website ist ja im Grunde das Nervenzentrum des Hypergrid und der primäre, zentrale Treffpunkt der ansonsten komplett dezentralen OpenSim-Community. Ihr mangelt es aber vor alem an dreierlei: erstens besseren Regeln für die Community und die eingetragenen Sims, zweitens Moderatoren, um diese Regeln durchzusetzen, und drittens folglich Moderation in jeglicher Form. Es gibt nicht einmal eine Netiquette.</p>

<p>Lange haben die User das so hingenommen, weil es keine Alternativen gab. Letzten Monat ist aber das Thema der Benutzerzahlen hochgekocht, die künstlich hochgetrieben werden mit entweder permanent anwesenden Avataren oder frisierten Beacons, die NPCs als Avatare ansehen. Noch dazu bleiben auch persönliche Angriffe, sogar mit nur zu offensichtlichen Sockenpuppen, ebenso völlig ungeahndet wie andere faule Tricks, die eigene Sim mehr ins Rampenlicht zu rücken.</p>

<p>Das führt dazu, daß mehr und mehr User von OpenSimWorld die Schnauze voll haben. Ganze Grids haben sich inzwischen von da zurückgezogen, in Bälde folgt wohl auch das neue I Love You Grid, das aus einer Anzahl an Sims auf ZetaWorlds hervorgegangen ist. Angeblich soll es schon Alternativen zu OpenSimWorld geben, aber zum einen sind mir immer noch keine bekannt, und zum anderen werden die nicht jetzt schon denselben Funktionsumfang haben.</p>

<p>Was nicht ist, kann sehr wohl noch werden. Die langsam, aber stetig steigende Anzahl an Teleportbahnhöfen könnte ein Zeichen dafür sein, daß man allgemein versucht, zumindest den Simkatalog-Teil von OpenSimWorld in Eigenregie zu ersetzen. Das ist zwar weit von den Möglichkeiten von OpenSimWorld entfernt, aber bevor es OpenSimWorld gab, waren Teleportbahnhöfe in Verbindung mit Landmarken probate Mittel der Bewegung durchs Hypergrid. Aber auch menügesteuerte Teleporter könnten durchaus fröhliche Urständ feiern.</p>

<p>All diese Lösungen haben wohlgemerkt denselben Nachteil: Es obliegt ihren Eigentümern, dafür zu sorgen, daß sie aktuell bleiben. Das heißt, die Eigentümer müssen von sich aus immer wieder testen, ob die eingetragenen Teleportziele noch da sind und noch so sind wie beschrieben. Wenn so etwas die Dimensionen von Spike Sols Weltraumbahnhof annimmt, ist praktisch unvermeidlich, daß es auch so schnell veraltet wie der Weltraumbahnhof, weil man einfach mit Überprüfen und Pflege nicht hinterherkommt. OpenSimWorld hatte immer den Vorteil, daß sich die Simbetreiber komplett selbst um ihre Einträge kümmern können.</p>

<p>Zu guter Letzt bietet sich als Treffpunkt der globalen Community das Fediverse an. Ein weiterer Trend, der 2022 begann und sich dieses Jahr sicherlich fortsetzen wird, ist dessen Wachstum, vor allem auf Mastodon. Nicht nur viele Second-Life-Nutzer tummeln sich da schon, sondern auch eine allmählich steigende Anzahl an OpenSim-Nutzern. Es gibt sogar <a href="https://opensim.world/explore" rel="nofollow">eine eigene Mastodon-Instanz für OpenSim-Nutzer</a>.</p>

<p>Alles in allem könnte 2023 auch für OpenSim ein Jahr des Aufbruchs und der Umwälzungen im positiven Sinne werden. Man darf gespannt bleiben.</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:F%C3%BCrFortgeschrittene" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">FürFortgeschrittene</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:Kolumne" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kolumne</span></a></p>
]]></content:encoded>
      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/ruckblick-auf-2022-und-ausblick</guid>
      <pubDate>Mon, 02 Jan 2023 12:31:03 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Neuere Freebie-Sims – im Grunde fast alle austauschbar</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/neuere-freebie-sims-im-grunde-fast-alle-austauschbar</link>
      <description>&lt;![CDATA[Wer aufmerksam OpenSimWorld beobachtet, wird auch die immer wieder neuen Freebie-Sims bemerken, die da auftauchen. Und wer sich diese neuen Freebie-Sims ansieht, wird in den meisten Fällen – wobei es Ausnahmen gibt, aber das sind Ausnahmen – eins feststellen:&#xA;&#xA;Diese Sims enthalten beinahe alle denselben Kram.&#xA;&#xA;Und geschätzte 99% davon sind aus Second Life geklaut. !--more--&#xA;&#xA;Warum ist das so? Warum sieht man auf Freebie-Sims nicht mehr Sachen, die in OpenSim für OpenSim gemacht wurden? Am besten noch solche, die auch noch ganz offiziell unter freie Lizenzen gestellt wurden?&#xA;&#xA;Dafür gibt es eine ganze Anzahl an Gründen:&#xA;&#xA;Erstens: Neue heiße Freebie-Sims klauen nur bei gleichermaßen neuen heißen Freebie-Sims&#xA;&#xA;Wer unbedingt seine eigene Freebie-Sim, aber kein eigenständiges Konzept, sondern statt dessen einfach nur möglichst viel Erfolg mit möglichst geringem Aufwand haben will, klaut das Konzept von anderen Freebie-Sims. Und den ganzen Inhalt gleich mit. Dabei bedient man sich dann eben nur bei den Sims, die vom Konzept her der eigenen entsprechen: möglichst neue Sims mit möglichst viel und möglichst nicht zu altem Kram.&#xA;&#xA;Als es noch einen beständigen Zustrom an Content gab, der aus Second Life geklaut wurde, gab es nicht wenige, die Freebie-Sim-Betreiber verbal attackierten, wenn die nicht mindestens wochenaktuell immer die neuesten Sachen in ihre Läden hängten – oder sogar dafür, daß sie überhaupt Artikel hatten, die älter waren als ein paar Wochen oder Monate.&#xA;&#xA;Ich habe ja den Verdacht, daß so einige, die eigene Freebie-Sims aufbauen wollen, Copybot-Viewer installiert haben und damit ganze andere Freebie-Sims tutto kompletto abcopybotten. Nicht alle – ein beliebter Beweggrund, eine Freebie-Sim zu bauen, ist ja auch, Teile des eigenen Inventars auszulagern –, aber einige. Das geht schneller, als herumzulaufen und alle Items einzeln zu kopieren. Man hat ja keine Zeit, die Sim muß ja innerhalb von ein, zwei Nachmittagen eröffnungsreif sein. Deswegen verwenden auch fast alle die gleichen Gebäude, statt sich auf die Suche nach anderen zu machen oder gar, wie es früher üblich war, selbst welche zu bauen.&#xA;&#xA;Deswegen werden die angebotenen Artikel auch einfach lieblos und fast ohne erkennbares Konzept gegen die Wände geballert. Die hängen dann so krumm und schief, wie die Straßenstücke verlegt sind, weil zum vernünftigen Ausrichten die Geduld nicht da ist. Es wird auch nicht darauf geachtet, ob man einen Artikel schon in dem Laden hat – oder an derselben Wand. Ich habe es schon oft genug gesehen, daß zwischen zweimal demselben Artikel an derselben Wand nur ein einziger anderer hing oder sogar zweimal derselbe Artikel direkt nebeneinander angebracht war. Und weil man keinen Bock hat, loszugehen und aktiv nach Content zu suchen, bleibt das Warenangebot von der Eröffnung bis zur Schließung meistens auch immer dasselbe.&#xA;&#xA;Das eingangs genannte Problem kommt daher, daß Leute den Inhalt ihrer neuen heißen Freebie-Sim aus einer erst kürzlich neu eröffneten heißen Freebie-Sim holen, die ihrerseits ihre Ware aus einer anderen neuen heißen Freebie-Sim hatte, und so weiter und so weiter. Da kommt einfach selten neuer Content mit rein. Weil selten einer Bock hat, selbst mal aktiv nach Sachen zu suchen, die sonst keiner hat – jetzt erst recht nicht mehr, weil man nicht mehr für lau nach Sacrarium kommt, wenn überhaupt –, haben alle dasselbe.&#xA;&#xA;Wenn schon nicht gecheckt wird, ob ein Artikel schon an der Wand hängt, bevor man ihn noch einmal an dieselbe Wand ballert, kann erst recht nicht erwartet werden, daß die Sachen mal überprüft werden, ob sie in Ordnung sind, geschweige denn wirklich kuratiert. Dafür ist die Zeit nicht da und die Menge an Artikeln zu groß. Klasse statt Masse. Soll der Kunde aussortieren. Der geht statt dessen nach OpenSimWorld und wertet die Sim für den Mist ab, den sie anbietet, oder dafür, daß man etliche Artikel überhaupt nicht mitnehmen kann.&#xA;&#xA;Ein ziemlich eindeutiges Zeichen für Copybotting ist übrigens, wenn bei allem auf der Sim der Simbetreiber als Schöpfer eingetragen ist. Das ist zwar auch im God Mode per Hand hinzubekommen, aber eben aufwendig.&#xA;&#xA;Zweitens: Anderer Content ist uralt, schwer zu finden oder beides&#xA;&#xA;Wenn man mal andere Freebies haben will als die ganzen „Wir haben nur den ganzen neuesten heißen Scheiß“-Sims¹, dann muß man selbst in Second Life klauen gehen (was ich übrigens nicht gutheißen kann). Oder man nimmt wirklich Zeit in die Hand und geht auf die Suche. Da ist Detektivarbeit angesagt, und man braucht auch viel Glück. Wirklich weit verbreitet und damit leicht zu finden ist nämlich nicht viel, zumal vieles jeweils nur auf einer einzelnen unpopulären oder gar unbekannten Sim lagert. Und was leicht zu finden ist, ist „uralt“.&#xA;&#xA;Linda Kellie&#xA;&#xA;Einmal sind das natürlich die vielen Sachen von Linda Kellie. Über die werde ich irgendwann noch einmal separat schreiben. Aber die ist schon seit vielen Jahren ein weithin bekannter Name, und sie hat zeitweise über 30 Sims gleichzeitig auf demselben Grid betrieben, alle voll mit Full-Perm-Sachen und ausschließlich mit Sachen, die sie selbst gemacht hat. Darunter waren letztlich auch mehrere (!) Freebie-Sims, die vom angebotenen Content her zu einem großen Teil deckungsgleich waren. Linda hat nämlich neuen Content nie in schon existierende Sims gepackt, sondern so lange gesammelt, bis es sich lohnte, damit eine ganz neue, größere, bessere, schönere Freebie-Sim zu bauen. Einzig die Freebie Mall ist mal upgegradet worden, vor allem mit einem großen Anbau für mehr Möbel, und bei der Gelegenheit ist das Obergeschoß entfallen.&#xA;&#xA;Seit 2015 gibt’s aber von ihr nichts Neues mehr. Damals fiel ausgerechnet sie der Panik angesichts der Jagd auf illegalen Content zum Opfer. Sie wurde aus OpenSim gemobbt, weil gewisse Leute darüber sauer waren, daß zahllose Freebie-Stores ihre schönen aus Second Life gecopybotteten Sachen gegen ausschließlich solche von Linda Kellie ersetzten. Einerseits waren sie damit auf der sicheren Seite, andererseits entstand so eine gefühlte Monokultur, weil Linda die einzige Schöpferin von legalem Content war, die zum einen bekannt genug war und zum anderen eine hinreichend große Angebotspalette hatte. Zumindest hatte sie es damals noch geschafft, mit Clutterfly ihre erste und einzige Sim mit Mesh-Sachen zu eröffnen.&#xA;&#xA;Das Problem mit Linda Kellie ist, daß seit damals für viele ihr Name verbrannt ist. Die einzigen, die noch ihre Sachen auf ihren Sims aufstellen, sind die, die entweder von dem ganzen Drama nichts wissen oder nicht wissen, von wem das ist, was sie da aufstellen, oder die, denen das so egal ist, wie verbal dafür attackiert zu werden, Linda-Kellie-Sachen aufgestellt zu haben.&#xA;&#xA;Selea Core&#xA;&#xA;Einen ähnlich riesigen Output wie Linda Kellie hatte auch Selea Core. Wieviel das tatsächlich ist, ist gar nicht ersichtlich, weil sie alles fein säuberlich auf immer gleich illustrierte Kisten gezogen hat. Sie war aber spezialisiert auf Sim-Deko aller Art. Kaum einer hat ihre Sachen aufgestellt, denn zum einen wollten die ganzen Freebie-Store-Betreiber entweder Vollsortimenter sein oder Klamottenläden betreiben. Zum anderen ist Selea Cores Sortiment so gigantisch, daß man dafür alleine schon eine Riesenimmobilie braucht, um das anzubieten. Und so breiteten sich ihre Sachen kaum aus, weil die Leute natürlich immer nur das mitnahmen, was sie für den Eigenbedarf brauchten.&#xA;&#xA;Eine Zeitlang fand man sie praktisch nur auf älteren Sims, aber inzwischen scheint es wieder en vogue zu sein, Selea-Core-Abteilungen oder -Läden zu haben. Es gibt sogar wie bei Arcadia Asylum Bestrebungen, irgendwann irgendwo endlich ihre gesamte Produktpalette zusammen zu haben. Auch Selea ist schon vor Jahren aus OpenSim und aus dem Internet im allgemeinen verschwunden, so daß erst kürzlich etwas ausgegraben werden konnte, was mal als Lizenz für ihre Produkte ansehen kann.&#xA;&#xA;Hylee Bekkers&#xA;&#xA;Hylee Bekkers war auch spezialisiert auf Sim-Deko. Der eine oder andere ihrer Läden existiert heute noch, aber auch da kriegt man nicht ihr ganzes Schaffen zusammen.&#xA;&#xA;Taarna Welles&#xA;&#xA;Taarna Welles ist im Gegensatz zu vielen anderen heute noch aktiv und betreibt ihr eigenes kleines Grid mit der legendären La Baronnie und der neueren Bekleidungssim Savvy. Sie startete ja mit Mesh erst richtig durch. Auch Taarna ist spezialisiert, aber auf ungleich populärere Sachen, nämlich Kleidung und Avataraccessoires.&#xA;&#xA;Erstens kommt von ihr allerdings inzwischen nur selten neuer Content. Zweitens riggt sie ihre Sachen nicht für geklaute Bodys.² Die passen also nicht paßgenau auf z. B. eine Athena oder einen der anderen weiblichen Bodys, die auf eine irgendwann mal aus Second Life geklaute Maitreya Lara zurückzuführen sind. Das macht ihre Sachen „unbrauchbar“, weil fast alle weiblichen Avatare so einen Body haben, und daher unpopulär. Und drittens kommt noch erschwerend hinzu, daß sie mit Ausnahme der beiden Steampunk-Outfits nur Einzelitems oder Einzelsets anbietet. Ihre Sachen gibt&#39;s also nicht als praktische Verkaufsboxen, die man an Wände klatschen kann. Einzige Ausnahmen sind die senfgelben Poppy-Jeans- und Poppy-Ripped-Jeans-Boxen, die manchmal von Freebie-Sim zu Freebie-Sim kopiert werden, die hat aber jemand anders zusammengestellt. Ansonsten packt sich aus diesen genannten Gründen niemand ihre Sachen in die Freebie-Sim, weshalb sie ein Geheimtip bleibt.&#xA;&#xA;Arcadia Asylum&#xA;&#xA;Arcadia Asylum ist ein Sonderfall. Sie war auch bekannt als Aley Arai oder Aley Resident, denn eigentlich war sie in Second Life tätig. Bekannt war sie für gewisse Themenbereiche, etwa Piraten, Steampunk oder Ghetto. Irgendwann fand aber jemand, der sowohl in Second Life als auch in OpenSim war, ihre Sachen so toll, daß er sie fragte, ob er die mitnehmen kann nach OpenSim. Erst stimmte sie zu, dann ging sie selbst nach OpenSim, um ihre Produktpalette auch da selbst anzubieten. Lana&#39;s Place besteht übrigens aus modifizierten Arcadia-Asylum-OARs, deswegen wird so manch jemandem das Piratendorf auch bekannt vorkommen.&#xA;&#xA;In Freebie-Sims findet man ihre Sachen deshalb nicht, weil sie dafür eigentlich gar nicht geeignet sind. Genau wie Selea Core war Arcadia Asylum ja auf Simdekor spezialisiert, aber im Gegensatz zu Selea hat sie sie nie auf Boxen gezogen, sondern immer so, wie sie waren, in die Sims gestellt. Niemand hat sich die Mühe gemacht, Arcadias Sachen doch noch zu verpacken und in Freebie-Stores zu hängen. Zum einen ist es nicht eben wenig, zum anderen würden kleine Bilder auf Boxen diesen Produkten eh nicht gerecht werden.&#xA;&#xA;Bezüglich Lizenzen, unter denen Arcadias Kreationen stehen, weiß ich aber auch nichts.&#xA;&#xA;Es gibt noch einiges mehr an entsprechendem Content. Der hat aber fast durchweg gemein, daß er zum einen schwer zu finden ist – auch weil man nirgendwo damit bombardiert wird, daß es ihn gibt – und zum anderen „uralt“. Und selbst wenn er nicht „uralt“ ist, packt sein Schöpfer ihn auf seine eigene Sim, macht dafür genau null Werbung – hat womöglich nicht mal ein OpenSimWorld-Beacon, weil er schlimmstenfalls noch nie auch nur von OpenSimWorld gehört hat – und wundert sich, warum niemand seine Sachen mitnimmt. Wie denn, wenn keiner weiß, daß die Sim und die Sachen existieren.&#xA;&#xA;Drittens: Die No-Transfer-Seuche&#xA;&#xA;Ein Großteil des OpenSim-eigenen Content hat aber abgesehen von seinem geringen Bekanntheitsgrad fast durchgängig eine andere Sache gemeinsam: Er wird nicht full-perm angeboten, sondern no-transfer und/oder gleich no-copy. Oder wenn es full-perm angeboten wird, steht im Readme-Beipackzettel, daß man die Sachen doch bitte, bitte, bitte nicht auf irgendwelche Freebie-Sims stellen soll – was möglicherweise darauf schließen läßt, daß der Ersteller nie verstanden hat, was no-transfer eigentlich ist.&#xA;&#xA;Sehr viele Schöpfer wollen nämlich ihre Sachen exklusiv nur in ihren eigenen Läden anbieten, wie es ja in Second Life üblich ist. Wer sie da mitnimmt, darf sie nicht weitergeben und schon gar nicht in irgendwelche Freebie-Stores stellen.&#xA;&#xA;Genau das würde eigentlich der Verbreitung ihrer Artikel ungemein auf die Sprünge helfen. Die meisten OpenSim-Nutzer sind nämlich zu bequem, um sich auf die Suche nach Sachen zu machen, die sonst keiner hat. Die bedienen sich lieber alle auf denselben Freebie-Sims, die gerade der heiße Scheiß du jour sind – und die alle dasselbe Sortiment haben, weil sie sich wie gesagt eh alle nur beieinander bedienen. Außerdem kennt sowieso fast niemand die kleinen schöpfergeführten Läden auf den obskuren Sims, wo es was anderes gibt als in den großen Freebie-Malls.&#xA;&#xA;Die Schöpfer haben aber ihre Gründe, warum sie das nicht wollen.&#xA;&#xA;Artikel aktualisieren kann man nur im eigenen Laden&#xA;&#xA;Der beste Grund ist noch, daß sie ihre Sachen immer mal wieder aktualisieren. Dann nehmen sie die alte Version aus dem Laden und stellen eine neue auf. Die Artikel bei ihnen im Laden sind dann immer aktuell.&#xA;&#xA;Wenn jetzt aber Hans und Franz die Sachen mitnehmen und auf ihren eigenen Freebie-Sims aufstellen können, liegt die Wahrscheinlichkeit, daß die nie aktualisiert werden, bei 100%. Zunächst einmal werden Freebie-Sims sehr häufig eh nur einmal gebaut und bestückt und nie auch nur erweitert, geschweige denn, daß einzelne Artikel aktualisiert werden. Noch dazu erfahren Hans und Franz meistens gar nicht, daß es neue Versionen von Artikeln gibt, die sie anbieten.&#xA;&#xA;Krethi und Plethi wiederum klauen den Content für ihren Freebie-Laden bei Hans und Franz und wissen überhaupt nicht, woher Hans und Franz den Kram eigentlich haben. Natürlich sind in den Boxen Landmarks zu den Läden der Schöpfer drin. Aber Krethi und Plethi wollen ihre tolle neue Freebie-Sim schnell-schnell zusammenballern. Da interessieren sie sich einen Scheiß dafür, was in den Boxen ist. Es kommt tatsächlich immer wieder vor, daß völlig leere Boxen an den Wänden von Freebie-Läden landen, weil sich keiner die Mühe macht, seinen Content zu kuratieren.&#xA;&#xA;Und noch häufiger kommt es eben vor, daß sich veralteter Content unkontrolliert im Hypergrid ausbreitet. Selbst auf relativ jungen Freebie-Sims taucht immer wieder die Box auf mit Áine Caoimhes Clubmaster Dance Machine 2.0. Aktuell ist die Version 2.1, und auch die ist schon einige Jährchen alt, denn Áine ist, soweit ich weiß, 2019 gestorben und kann seitdem nichts Neues mehr gemacht haben. Aber weil immer noch an vielen Orten die 2.0 ausliegt, nehmen diejenigen sie gern mit, die gar nicht wissen, daß es die 2.1 gibt. (Mir liegt eine 2.2 vor, ich weiß aber nicht, wie authentisch die ist.)&#xA;&#xA;Oder man sehe sich die vielen Läden an, die noch Ruth 2.0 RC#2, RC#1 oder gar den Testrelease ausliegen haben, aber keine neuere Version. Dabei ist eigentlich sogar der RC#3 schon veraltet, seit im September 2020 Ruth2 v4 erschienen ist. Und die werden immer noch mitgenommen von Leuten, die gar nicht wissen, was die aktuelle Version ist – zumal die eigentlich aktuelle Ruth2 v4 sich nur sehr langsam in Freebie-Läden ausbreitet und auch nur in solchen, die Handverlesenes anbieten. Zugegeben, daß es die alten Ruth-2.0-Versionen noch gab, machte es mir erst möglich, sie für mein geplantes Museum zu beschaffen.&#xA;&#xA;Wenn eine Freebie-Sim alt genug wird, wird das Problem natürlich um so extremer. Wie gesagt, viele Freebie-Sim-Betreiber bauen ihre Sim einmal und lassen sie dann für immer so. An den angebotenen Sachen ändert sich dann nie wieder etwas. Stößt man also auf eine vier Jahre alte Freebie-Sim, kann man davon ausgehen, daß der ganze Content mindestens so alt ist. Wenn er seitdem aktualisiert wurde, dann nicht auf dieser Sim.&#xA;&#xA;Es ist also verständlich, daß Content-Schöpfer nicht wollen, daß das Hypergrid durchseucht wird von völlig veralteten Versionen ihrer Sachen. Und es ist klar, daß das nur verhindert werden kann, wenn nur die Schöpfer selbst ihre Sachen anbieten. Das Problem ist eben nur, daß sie das meistens tun in einem einzigen Laden auf einer Sim, die kein Schwein kennt. Auf Werbung haben sie nämlich keinen Bock.&#xA;&#xA;Zeigen, daß man’s gemacht hat, indem man’s verkauft&#xA;&#xA;Dann gibt’s aber auch die, die glauben, daß ihre Sachen nur dann mit ihnen als Schöpfer in Verbindung gebracht werden, wenn sie sie selbst anbieten. Wenn ihre Sachen in irgendeiner Freebie-Sim liegen, erfährt das keiner.&#xA;&#xA;Das klingt erst mal nach Kokolores. Es gibt viele Wege zu zeigen, daß man der Schöpfer ist. Man kann z. B. im Untertitel der Box oder des Artikels seine Schöpfer-Credits hinterlassen. Die liest dann jeder schon beim Mouseover (sofern der Viewer entsprechend eingestellt ist, aber Firestorm ist das standardmäßig) und weiß, von wem etwas ist.&#xA;&#xA;Aber es gibt Freebie-Store-Betreiber, die löschen das raus oder ersetzen es. So manch ein nicht englischsprachiger Ladenbetreiber schreibt ja alles in seiner Muttersprache um – besonders oft Italienisch und Portugiesisch –, damit seine Muttersprachengenossen das besser verstehen. Und wenn er keinen Bock hat, den Untertitel umzuschreiben, dann löscht er ihn ganz, weil er ihn als unnötig ansieht.&#xA;&#xA;Dann kann man noch Readme-Notecards und/oder am besten noch Landmarks zum eigenen Laden beilegen.&#xA;&#xA;Zum einen aber: Nach so etwas gucken die Leute nur, wenn es in einer Box ist. In einem Kleidungsstück, einem Möbelstück oder einer Pflanze wird das also keiner finden. Zum anderen ist es eine beliebte Unsitte unter Freebie-Anbietern, dann doch mal die Boxen alle aufzumachen und alles rauszuschmeißen, was für den Kunden nicht direkt von Nutzen ist – Texturen, Notecards, Landmarks und so weiter. Wenn es also eine Kiste mit Klamotten ist, fliegt alles raus, was nicht an den Avatar gehängt werden kann, weil „stört nur“ und „müllt den Assetserver voll“. Die so modifizierten Boxen wandern von Freebie-Sim zu Freebie-Sim, und keiner erfährt mehr, woher die Sachen eigentlich sind.&#xA;&#xA;Es gibt aber immer den Creator-Eintrag. Da steht man eh immer drin. Oder sollte man zumindest.&#xA;&#xA;Zum einen aber steht man da nur dann wirklich drin, wenn der eigene Avatar auf dem Grid, wo der Freebie-Laden steht, bekannt ist. Und wenn der Freebie-Laden auf einem ganz neuen Grid steht, wo man noch nie war, dann steht man da eben nicht mit Namen drin, sondern dann steht da gar nichts. Und zum anderen gibt’s die Schweine, die ihren God Mode ausnutzen, um sich selbst bei allen Freebies als Schöpfer einzutragen. Beim Copybotten wird eh automatisch als Schöpfer der Name des Copybotters eingetragen.&#xA;&#xA;Letzte Konsequenz wäre, den eigenen Namen auf die Box zu schreiben.&#xA;&#xA;Erstens ist das aber kein guter Stil, außer man hat einen coolen Markennamen. Zweitens gibt’s nicht alles in Form einer Box, wo man seinen Namen draufschreiben kann, und nicht jeder hat Lust, z. B. seine Klamotten mit seinem Logo zu „verunstalten“, oder überhaupt auch nur ein eigenes Logo. Und drittens – selbst wenn es eine Box gibt, gibt es immer noch die schwarzen Schafe, die meinen, die Box Art komplett neu machen zu müssen. Und wenn die so verunstaltete Box – die Ersatz-Box Art wird meistens mit sehr geringem Aufwand in z. B. MS Paint zusammengefrickelt – zufällig auf einer sehr populären neuen Freebie-Sim landet, breitet sie sich von da auf alle möglichen anderen neuen Freebie-Sims aus.&#xA;&#xA;Beides kann man eben nur versuchen zu verhinden, indem man die Verbreitung der eigenen Artikel in Freebie-Läden verhindert. Damit verhindert man aber die Verbreitung der eigenen Artikel an sich, wenn sie nicht auf Sims zu finden sind, die die Leute auch kennen. Wer dann jammert, daß die Leute statt der schönen legalen Sachen, die man selber macht, nur aus Second Life geklaute Sachen verwenden, geht das Thema vom falschen Ende her an.&#xA;&#xA;Eine Win-Win-Lösung&#xA;&#xA;Die Lösung wäre: Präsenz zeigen! Einmal geht das mit Werbung. Erst letztes Jahr hat Aaack Aardvark OpenSimWorld entdeckt. Prompt hat er da seinen schon einige Jahre alten legendären Arcadia Shop eingetragen – und obendrein für jeden einzelnen angebotenen Artikel einen Werbepost gemacht. Jeden Tag einen. Die Popularität seines Ladens dürfte immens gestiegen sein, auch wenn es Leute geben dürfte, die sagen: „Was? Keine aus Second Life geklauten Rigged-Mesh-Klamotten für Athena? Uninteressant! Saftladen!“ Aber vorher war der Arcadia Shop ein Geheimtip, den man nur zufällig fand.&#xA;&#xA;Was auch gut geht, ist, nicht nur einen Laden zu betreiben, schon gar nicht nur einen Laden auf einer Sim, die keine Sau kennt. Man muß dafür auch nicht Linda-Kellie-mäßig etliche eigene Sims bauen. Es gibt ja Freebie-Malls, in denen man Ladenfläche anmieten kann. Die Wright Plaza im OSgrid ist die Mutter aller solchen Sims mit Dutzenden Läden, die alle unterschiedliche Betreiber haben und obendrein keine Mietfristen, die alle Naselang verlängert werden müssen. Da ist Aaack Aardvark auch schon lange mit der einzigen Filiale des Arcadia Shop vertreten, die natürlich auch auf den Hauptladen hinweist. Viele haben ja erst über die Wright Plaza überhaupt vom Arcadia Shop erfahren. Und die Wright Plaza ist echt gut besucht, gerade weil man da nicht denselben Krams findet wie sonst überall – und obendrein nichts Illegales aus Second Life.&#xA;&#xA;Inzwischen gibt es einiges an Freebie-Malls mit zu vermietenden Leerständen. Das heißt, das Konzept gibt’s eh schon lange, aber bis ca. 2020 waren die meisten dieser Malls auf kommerziellen Grids zu finden und verlangten Geld für das Anmieten eines Ladens. Das war dann natürlich nur interessant für Anbieter von Payware, die ihren Laden damit hätten finanzieren können. Und davon gibt’s nicht viele außerhalb von Kitely.&#xA;&#xA;Aber wie auch das Angebot an kostenlosen Wohnparzellen wieder steigt – auch für Avatare, die nicht auf dem jeweiligen Grid zu Hause sind –, finden sich mehr und mehr Freebie-Malls bzw. -Sims, wo man kostenlos Ladenfläche mieten kann, entweder über eine Rentbox oder per schriftlicher Absprache mit dem Simbetreiber und dann häufig sogar unbefristet. Diese Sims sind dann auch (idealerweise) in OpenSimWorld unter „Freebies“ oder unter „Mall“ eingetragen und werden teilweise auch innerhalb ihres Grids zusätzlich beworben.&#xA;&#xA;Gleichzeitig bieten die Simbetreiber selbst auf diesen Sims mitunter auch noch die übliche Standardware an Bekleidung und Avatarausstattung an. All Free Shopping Spree funktioniert so. Die Leute kommen also für das, was sie gewohnt sind, und gucken sich dann auf der Sim um, was es denn da sonst noch so Schönes gibt. Und wenn jetzt Content-Schöpfer auf solchen Sims Ladenfilialen betreiben, dann entdecken die sich Umguckenden sie schnell – schneller, als wenn sie erst lange im Hypergrid nach ihnen suchen müßten. Siehe da, da gibt’s nicht nur Schönes, sondern Schönes, was man noch gar nicht kennt.&#xA;&#xA;Für Content-Schöpfer hätte das zwar den Nachteil, sich um mehr als nur einen Laden kümmern zu müssen. Als Vorteil nimmt man aber mit, schneller entdeckt und damit populärer zu werden. Mir kann kein Content-Schöpfer mit eigenem Laden erzählen, daß er einfach nur gern Sachen macht und es ihm piepegal ist, ob irgendjemand das haben will. Dann bräuchte er den Laden nicht und könnte mit seinen Schöpfungen einfach nur seinen Avatar und/oder seine Sims ausstatten.&#xA;&#xA;Für die Betreiber von Freebie-Malls hätte das auch einen Vorteil: Sie hätten damit in ihrer Mall Sachen, die andere Freebie-Sims nicht haben. Und zwar direkt vom Ersteller. Und obendrein damit legal (sofern der „Ersteller“ nicht selbst nur klaut, aber viele Malls lassen sowas gar nicht erst zu, etwa auf Craft-World). Und oft auch aktueller, denn während, wie ich schon schrieb, die durchschnittliche vom Erbauer bestückte Freebie-Sim mit demselben Kram wie alle anderen einmal gebaut und dann für immer so gelassen wird, halten Content-Schöpfer ihre Läden immer schön auf dem neuesten Stand. Da muß sich der Sim-Betreiber nicht mal selbst drum kümmern, das machen nämlich die Ladenbetreiber.&#xA;&#xA;Ich meine, was macht denn eine Freebie-Sim populär? Dasselbe Zeug wie alle, aber „in meinem Grid“? Relativ unwichtig außer für die wenigen, die sich standhaft weigern zu hypergridden. Dasselbe Zeug wie alle, aber schicke Gebäude? Meh. Schick ist Ansichtssache, außerdem hat eh kaum einer irgendwelche spektakulären Eigenbauten. Statt dessen stellen sich alle dieselben Kästen hin. Dasselbe Zeug wie alle, aber man kennt den Chef? Da geht man doch eigentlich nur hin, um dem Chef einen Gefallen zu tun.&#xA;&#xA;Nein, was wirklich zieht, ist, etwas anzubieten, was es eben nicht überall gibt.&#xA;&#xA;Oder warum ist die uralte Wright Plaza, auf der obendrein nichts aus Second Life stammt und vieles noch nicht mal Mesh ist, immer noch die populärste Mall auf OpenSimWorld? Warum wird sie im Gesamtranking fast nur von Freebie-Sims übertroffen, die sich mit nicht als solchen eingetragenen NPCs oder ständig anwesenden AFK-Avataren nach oben schummeln?&#xA;&#xA;Sie hat zwar nicht den neuesten heißen Scheiß aus Second Life, der von 2015 bis 2020 die Leute in Scharen auf die Freebie-Sims gelockt hat. Aber neuen heißen Scheiß aus Second Life gibt es eh nicht mehr flächendeckend. Dafür hat sie Unmengen an durchaus geilem Content, den die „aktuellen“, rein vom Betreiber befüllten Freebie-Sims nicht haben. Und den tragen nicht die Betreiber in die Plaza, sondern andere Nutzer. Die tun das überwiegend, indem sie einen Laden auf der Wright Plaza betreiben.&#xA;&#xA;Mit mehr Malls nach diesem Franchise-Prinzip, die also Ladenflächen anbieten, und mehr Bereitschaft von Content-Schöpfern, da Filialen aufzubauen, könnte man drei Probleme auf einmal lösen: Freier, legaler Content aus OpenSim für OpenSim würde bekannter werden und eine größere Verbreitung finden. Kreative User kämen leichter an Ladenflächen, als wenn sie sich eine ganze Sim bauen müßten. Und die heutzutage fast alle austauschbaren neuen Freebie-Sims würden wieder interessanter und individueller.&#xA;&#xA;¹Wobei es das eigentlich nicht mehr gibt, seit The Harbor nicht mehr alle paar Tage neue „Stuff“-Boxen mit fast tagesaktuell aus Second Life gecopybotteten Sachen aufgestellt hat, über die sich bis dahin alle gierig hergemacht haben. Wohlgemerkt, wer nicht selbst in Second Life war, konnte auch nicht sagen, wie alt die Sachen in neuen „Stuff“-Kisten tatsächlich waren. „Stuff“ enthält ja keine Verkaufsboxen für Läden, sondern lauter Einzelitems, die auch nicht groß kuratiert wurden. Als die gecopybottet wurden, konnten die durchaus schon ein paar Jährchen in der beklauten Region gestanden haben, nur daß sie eben noch nicht in OpenSim waren. Wahrscheinlich wurde nur alter Prim-Kram rausgeschmissen, weil ja alle nur geil auf Mesh waren.&#xA;&#xA;²Taarnas Herrenkleidung ist für den Systembody geriggt, ihre Damenkleidung für Ruth 2.0.&#xA;&#xA;#Kolumne #FürFortgeschrittene #OpenSim #Sim&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Wer aufmerksam <a href="https://opensimworld.com/" rel="nofollow">OpenSimWorld</a> beobachtet, wird auch die immer wieder neuen Freebie-Sims bemerken, die da auftauchen. Und wer sich diese neuen Freebie-Sims ansieht, wird in den meisten Fällen – wobei es Ausnahmen gibt, aber das sind Ausnahmen – eins feststellen:</p>

<p>Diese Sims enthalten beinahe alle denselben Kram.</p>

<p>Und geschätzte 99% davon sind aus Second Life geklaut. </p>

<p>Warum ist das so? Warum sieht man auf Freebie-Sims nicht mehr Sachen, die in OpenSim für OpenSim gemacht wurden? Am besten noch solche, die auch noch ganz offiziell unter freie Lizenzen gestellt wurden?</p>

<p>Dafür gibt es eine ganze Anzahl an Gründen:</p>

<h2 id="erstens-neue-heiße-freebie-sims-klauen-nur-bei-gleichermaßen-neuen-heißen-freebie-sims">Erstens: Neue heiße Freebie-Sims klauen nur bei gleichermaßen neuen heißen Freebie-Sims</h2>

<p>Wer unbedingt seine eigene Freebie-Sim, aber kein eigenständiges Konzept, sondern statt dessen einfach nur möglichst viel Erfolg mit möglichst geringem Aufwand haben will, klaut das Konzept von anderen Freebie-Sims. Und den ganzen Inhalt gleich mit. Dabei bedient man sich dann eben nur bei den Sims, die vom Konzept her der eigenen entsprechen: möglichst neue Sims mit möglichst viel und möglichst nicht zu altem Kram.</p>

<p>Als es noch einen beständigen Zustrom an Content gab, der aus Second Life geklaut wurde, gab es nicht wenige, die Freebie-Sim-Betreiber verbal attackierten, wenn die nicht mindestens wochenaktuell immer die neuesten Sachen in ihre Läden hängten – oder sogar dafür, daß sie überhaupt Artikel hatten, die älter waren als ein paar Wochen oder Monate.</p>

<p>Ich habe ja den Verdacht, daß so einige, die eigene Freebie-Sims aufbauen wollen, Copybot-Viewer installiert haben und damit ganze andere Freebie-Sims tutto kompletto abcopybotten. Nicht alle – ein beliebter Beweggrund, eine Freebie-Sim zu bauen, ist ja auch, Teile des eigenen Inventars auszulagern –, aber einige. Das geht schneller, als herumzulaufen und alle Items einzeln zu kopieren. Man hat ja keine Zeit, die Sim muß ja innerhalb von ein, zwei Nachmittagen eröffnungsreif sein. Deswegen verwenden auch fast alle die gleichen Gebäude, statt sich auf die Suche nach anderen zu machen oder gar, wie es früher üblich war, selbst welche zu bauen.</p>

<p>Deswegen werden die angebotenen Artikel auch einfach lieblos und fast ohne erkennbares Konzept gegen die Wände geballert. Die hängen dann so krumm und schief, wie die Straßenstücke verlegt sind, weil zum vernünftigen Ausrichten die Geduld nicht da ist. Es wird auch nicht darauf geachtet, ob man einen Artikel schon in dem Laden hat – oder an derselben Wand. Ich habe es schon oft genug gesehen, daß zwischen zweimal demselben Artikel an derselben Wand nur ein einziger anderer hing oder sogar zweimal derselbe Artikel direkt nebeneinander angebracht war. Und weil man keinen Bock hat, loszugehen und aktiv nach Content zu suchen, bleibt das Warenangebot von der Eröffnung bis zur Schließung meistens auch immer dasselbe.</p>

<p>Das eingangs genannte Problem kommt daher, daß Leute den Inhalt ihrer neuen heißen Freebie-Sim aus einer erst kürzlich neu eröffneten heißen Freebie-Sim holen, die ihrerseits ihre Ware aus einer anderen neuen heißen Freebie-Sim hatte, und so weiter und so weiter. Da kommt einfach selten neuer Content mit rein. Weil selten einer Bock hat, selbst mal aktiv nach Sachen zu suchen, die sonst keiner hat – jetzt erst recht nicht mehr, weil man nicht mehr für lau nach Sacrarium kommt, wenn überhaupt –, haben alle dasselbe.</p>

<p>Wenn schon nicht gecheckt wird, ob ein Artikel schon an der Wand hängt, bevor man ihn noch einmal an dieselbe Wand ballert, kann erst recht nicht erwartet werden, daß die Sachen mal überprüft werden, ob sie in Ordnung sind, geschweige denn wirklich kuratiert. Dafür ist die Zeit nicht da und die Menge an Artikeln zu groß. Klasse statt Masse. Soll der Kunde aussortieren. Der geht statt dessen nach OpenSimWorld und wertet die Sim für den Mist ab, den sie anbietet, oder dafür, daß man etliche Artikel überhaupt nicht mitnehmen kann.</p>

<p>Ein ziemlich eindeutiges Zeichen für Copybotting ist übrigens, wenn bei allem auf der Sim der Simbetreiber als Schöpfer eingetragen ist. Das ist zwar auch im God Mode per Hand hinzubekommen, aber eben aufwendig.</p>

<h2 id="zweitens-anderer-content-ist-uralt-schwer-zu-finden-oder-beides">Zweitens: Anderer Content ist uralt, schwer zu finden oder beides</h2>

<p>Wenn man mal andere Freebies haben will als die ganzen „Wir haben nur den ganzen neuesten heißen Scheiß“-Sims¹, dann muß man selbst in Second Life klauen gehen (was ich übrigens nicht gutheißen kann). Oder man nimmt wirklich Zeit in die Hand und geht auf die Suche. Da ist Detektivarbeit angesagt, und man braucht auch viel Glück. Wirklich weit verbreitet und damit leicht zu finden ist nämlich nicht viel, zumal vieles jeweils nur auf einer einzelnen unpopulären oder gar unbekannten Sim lagert. Und was leicht zu finden ist, ist „uralt“.</p>

<h3 id="linda-kellie">Linda Kellie</h3>

<p>Einmal sind das natürlich die vielen Sachen von Linda Kellie. Über die werde ich irgendwann noch einmal separat schreiben. Aber die ist schon seit vielen Jahren ein weithin bekannter Name, und sie hat zeitweise über 30 Sims gleichzeitig auf demselben Grid betrieben, alle voll mit Full-Perm-Sachen und ausschließlich mit Sachen, die sie selbst gemacht hat. Darunter waren letztlich auch mehrere (!) Freebie-Sims, die vom angebotenen Content her zu einem großen Teil deckungsgleich waren. Linda hat nämlich neuen Content nie in schon existierende Sims gepackt, sondern so lange gesammelt, bis es sich lohnte, damit eine ganz neue, größere, bessere, schönere Freebie-Sim zu bauen. Einzig die Freebie Mall ist mal upgegradet worden, vor allem mit einem großen Anbau für mehr Möbel, und bei der Gelegenheit ist das Obergeschoß entfallen.</p>

<p>Seit 2015 gibt’s aber von ihr nichts Neues mehr. Damals fiel ausgerechnet sie der Panik angesichts der Jagd auf illegalen Content zum Opfer. Sie wurde aus OpenSim gemobbt, weil gewisse Leute darüber sauer waren, daß zahllose Freebie-Stores ihre schönen aus Second Life gecopybotteten Sachen gegen ausschließlich solche von Linda Kellie ersetzten. Einerseits waren sie damit auf der sicheren Seite, andererseits entstand so eine gefühlte Monokultur, weil Linda die einzige Schöpferin von legalem Content war, die zum einen bekannt genug war und zum anderen eine hinreichend große Angebotspalette hatte. Zumindest hatte sie es damals noch geschafft, mit Clutterfly ihre erste und einzige Sim mit Mesh-Sachen zu eröffnen.</p>

<p>Das Problem mit Linda Kellie ist, daß seit damals für viele ihr Name verbrannt ist. Die einzigen, die noch ihre Sachen auf ihren Sims aufstellen, sind die, die entweder von dem ganzen Drama nichts wissen oder nicht wissen, von wem das ist, was sie da aufstellen, oder die, denen das so egal ist, wie verbal dafür attackiert zu werden, Linda-Kellie-Sachen aufgestellt zu haben.</p>

<h3 id="selea-core">Selea Core</h3>

<p>Einen ähnlich riesigen Output wie Linda Kellie hatte auch Selea Core. Wieviel das tatsächlich ist, ist gar nicht ersichtlich, weil sie alles fein säuberlich auf immer gleich illustrierte Kisten gezogen hat. Sie war aber spezialisiert auf Sim-Deko aller Art. Kaum einer hat ihre Sachen aufgestellt, denn zum einen wollten die ganzen Freebie-Store-Betreiber entweder Vollsortimenter sein oder Klamottenläden betreiben. Zum anderen ist Selea Cores Sortiment so gigantisch, daß man dafür alleine schon eine Riesenimmobilie braucht, um das anzubieten. Und so breiteten sich ihre Sachen kaum aus, weil die Leute natürlich immer nur das mitnahmen, was sie für den Eigenbedarf brauchten.</p>

<p>Eine Zeitlang fand man sie praktisch nur auf älteren Sims, aber inzwischen scheint es wieder en vogue zu sein, Selea-Core-Abteilungen oder -Läden zu haben. Es gibt sogar wie bei Arcadia Asylum Bestrebungen, irgendwann irgendwo endlich ihre gesamte Produktpalette zusammen zu haben. Auch Selea ist schon vor Jahren aus OpenSim und aus dem Internet im allgemeinen verschwunden, so daß erst kürzlich etwas ausgegraben werden konnte, was mal als Lizenz für ihre Produkte ansehen kann.</p>

<h3 id="hylee-bekkers">Hylee Bekkers</h3>

<p>Hylee Bekkers war auch spezialisiert auf Sim-Deko. Der eine oder andere ihrer Läden existiert heute noch, aber auch da kriegt man nicht ihr ganzes Schaffen zusammen.</p>

<h3 id="taarna-welles">Taarna Welles</h3>

<p>Taarna Welles ist im Gegensatz zu vielen anderen heute noch aktiv und betreibt <a href="https://opensimworld.com/hop/74862" rel="nofollow">ihr eigenes kleines Grid</a> mit der legendären La Baronnie und der neueren Bekleidungssim <a href="https://opensimworld.com/hop/75031" rel="nofollow">Savvy</a>. Sie startete ja mit Mesh erst richtig durch. Auch Taarna ist spezialisiert, aber auf ungleich populärere Sachen, nämlich Kleidung und Avataraccessoires.</p>

<p>Erstens kommt von ihr allerdings inzwischen nur selten neuer Content. Zweitens riggt sie ihre Sachen nicht für geklaute Bodys.² Die passen also nicht paßgenau auf z. B. eine Athena oder einen der anderen weiblichen Bodys, die auf eine irgendwann mal aus Second Life geklaute Maitreya Lara zurückzuführen sind. Das macht ihre Sachen „unbrauchbar“, weil fast alle weiblichen Avatare so einen Body haben, und daher unpopulär. Und drittens kommt noch erschwerend hinzu, daß sie mit Ausnahme der beiden Steampunk-Outfits nur Einzelitems oder Einzelsets anbietet. Ihre Sachen gibt&#39;s also nicht als praktische Verkaufsboxen, die man an Wände klatschen kann. Einzige Ausnahmen sind die senfgelben Poppy-Jeans- und Poppy-Ripped-Jeans-Boxen, die manchmal von Freebie-Sim zu Freebie-Sim kopiert werden, die hat aber jemand anders zusammengestellt. Ansonsten packt sich aus diesen genannten Gründen niemand ihre Sachen in die Freebie-Sim, weshalb sie ein Geheimtip bleibt.</p>

<h3 id="arcadia-asylum">Arcadia Asylum</h3>

<p>Arcadia Asylum ist ein Sonderfall. Sie war auch bekannt als Aley Arai oder Aley Resident, denn eigentlich war sie in Second Life tätig. Bekannt war sie für gewisse Themenbereiche, etwa Piraten, Steampunk oder Ghetto. Irgendwann fand aber jemand, der sowohl in Second Life als auch in OpenSim war, ihre Sachen so toll, daß er sie fragte, ob er die mitnehmen kann nach OpenSim. Erst stimmte sie zu, dann ging sie selbst nach OpenSim, um ihre Produktpalette auch da selbst anzubieten. <a href="https://opensimworld.com/hop/79330" rel="nofollow">Lana&#39;s Place</a> besteht übrigens aus modifizierten Arcadia-Asylum-OARs, deswegen wird so manch jemandem das Piratendorf auch bekannt vorkommen.</p>

<p>In Freebie-Sims findet man ihre Sachen deshalb nicht, weil sie dafür eigentlich gar nicht geeignet sind. Genau wie Selea Core war Arcadia Asylum ja auf Simdekor spezialisiert, aber im Gegensatz zu Selea hat sie sie nie auf Boxen gezogen, sondern immer so, wie sie waren, in die Sims gestellt. Niemand hat sich die Mühe gemacht, Arcadias Sachen doch noch zu verpacken und in Freebie-Stores zu hängen. Zum einen ist es nicht eben wenig, zum anderen würden kleine Bilder auf Boxen diesen Produkten eh nicht gerecht werden.</p>

<p>Bezüglich Lizenzen, unter denen Arcadias Kreationen stehen, weiß ich aber auch nichts.</p>

<p>Es gibt noch einiges mehr an entsprechendem Content. Der hat aber fast durchweg gemein, daß er zum einen schwer zu finden ist – auch weil man nirgendwo damit bombardiert wird, daß es ihn gibt – und zum anderen „uralt“. Und selbst wenn er nicht „uralt“ ist, packt sein Schöpfer ihn auf seine eigene Sim, macht dafür genau null Werbung – hat womöglich nicht mal ein OpenSimWorld-Beacon, weil er schlimmstenfalls noch nie auch nur von OpenSimWorld gehört hat – und wundert sich, warum niemand seine Sachen mitnimmt. Wie denn, wenn keiner weiß, daß die Sim und die Sachen existieren.</p>

<h2 id="drittens-die-no-transfer-seuche">Drittens: Die No-Transfer-Seuche</h2>

<p>Ein Großteil des OpenSim-eigenen Content hat aber abgesehen von seinem geringen Bekanntheitsgrad fast durchgängig eine andere Sache gemeinsam: Er wird nicht full-perm angeboten, sondern no-transfer und/oder gleich no-copy. Oder wenn es full-perm angeboten wird, steht im Readme-Beipackzettel, daß man die Sachen doch bitte, bitte, bitte nicht auf irgendwelche Freebie-Sims stellen soll – was möglicherweise darauf schließen läßt, daß der Ersteller nie verstanden hat, was no-transfer eigentlich ist.</p>

<p>Sehr viele Schöpfer wollen nämlich ihre Sachen exklusiv nur in ihren eigenen Läden anbieten, wie es ja in Second Life üblich ist. Wer sie da mitnimmt, darf sie nicht weitergeben und schon gar nicht in irgendwelche Freebie-Stores stellen.</p>

<p>Genau das würde eigentlich der Verbreitung ihrer Artikel ungemein auf die Sprünge helfen. Die meisten OpenSim-Nutzer sind nämlich zu bequem, um sich auf die Suche nach Sachen zu machen, die sonst keiner hat. Die bedienen sich lieber alle auf denselben Freebie-Sims, die gerade der heiße Scheiß du jour sind – und die alle dasselbe Sortiment haben, weil sie sich wie gesagt eh alle nur beieinander bedienen. Außerdem kennt sowieso fast niemand die kleinen schöpfergeführten Läden auf den obskuren Sims, wo es was anderes gibt als in den großen Freebie-Malls.</p>

<p>Die Schöpfer haben aber ihre Gründe, warum sie das nicht wollen.</p>

<h3 id="artikel-aktualisieren-kann-man-nur-im-eigenen-laden">Artikel aktualisieren kann man nur im eigenen Laden</h3>

<p>Der beste Grund ist noch, daß sie ihre Sachen immer mal wieder aktualisieren. Dann nehmen sie die alte Version aus dem Laden und stellen eine neue auf. Die Artikel bei ihnen im Laden sind dann immer aktuell.</p>

<p>Wenn jetzt aber Hans und Franz die Sachen mitnehmen und auf ihren eigenen Freebie-Sims aufstellen können, liegt die Wahrscheinlichkeit, daß die nie aktualisiert werden, bei 100%. Zunächst einmal werden Freebie-Sims sehr häufig eh nur einmal gebaut und bestückt und nie auch nur erweitert, geschweige denn, daß einzelne Artikel aktualisiert werden. Noch dazu erfahren Hans und Franz meistens gar nicht, daß es neue Versionen von Artikeln gibt, die sie anbieten.</p>

<p>Krethi und Plethi wiederum klauen den Content für ihren Freebie-Laden bei Hans und Franz und wissen überhaupt nicht, woher Hans und Franz den Kram eigentlich haben. Natürlich sind in den Boxen Landmarks zu den Läden der Schöpfer drin. Aber Krethi und Plethi wollen ihre tolle neue Freebie-Sim schnell-schnell zusammenballern. Da interessieren sie sich einen Scheiß dafür, was in den Boxen ist. Es kommt tatsächlich immer wieder vor, daß völlig leere Boxen an den Wänden von Freebie-Läden landen, weil sich keiner die Mühe macht, seinen Content zu kuratieren.</p>

<p>Und noch häufiger kommt es eben vor, daß sich veralteter Content unkontrolliert im Hypergrid ausbreitet. Selbst auf relativ jungen Freebie-Sims taucht immer wieder die Box auf mit Áine Caoimhes Clubmaster Dance Machine 2.0. Aktuell ist die Version 2.1, und auch die ist schon einige Jährchen alt, denn Áine ist, soweit ich weiß, 2019 gestorben und kann seitdem nichts Neues mehr gemacht haben. Aber weil immer noch an vielen Orten die 2.0 ausliegt, nehmen diejenigen sie gern mit, die gar nicht wissen, daß es die 2.1 gibt. (Mir liegt eine 2.2 vor, ich weiß aber nicht, wie authentisch die ist.)</p>

<p>Oder man sehe sich die vielen Läden an, die noch Ruth 2.0 RC#2, RC#1 oder gar den Testrelease ausliegen haben, aber keine neuere Version. Dabei ist eigentlich sogar der RC#3 schon veraltet, seit im September 2020 Ruth2 v4 erschienen ist. Und die werden immer noch mitgenommen von Leuten, die gar nicht wissen, was die aktuelle Version ist – zumal die eigentlich aktuelle Ruth2 v4 sich nur sehr langsam in Freebie-Läden ausbreitet und auch nur in solchen, die Handverlesenes anbieten. Zugegeben, daß es die alten Ruth-2.0-Versionen noch gab, machte es mir erst möglich, sie für mein geplantes Museum zu beschaffen.</p>

<p>Wenn eine Freebie-Sim alt genug wird, wird das Problem natürlich um so extremer. Wie gesagt, viele Freebie-Sim-Betreiber bauen ihre Sim einmal und lassen sie dann für immer so. An den angebotenen Sachen ändert sich dann nie wieder etwas. Stößt man also auf eine vier Jahre alte Freebie-Sim, kann man davon ausgehen, daß der ganze Content mindestens so alt ist. Wenn er seitdem aktualisiert wurde, dann nicht auf dieser Sim.</p>

<p>Es ist also verständlich, daß Content-Schöpfer nicht wollen, daß das Hypergrid durchseucht wird von völlig veralteten Versionen ihrer Sachen. Und es ist klar, daß das nur verhindert werden kann, wenn nur die Schöpfer selbst ihre Sachen anbieten. Das Problem ist eben nur, daß sie das meistens tun in einem einzigen Laden auf einer Sim, die kein Schwein kennt. Auf Werbung haben sie nämlich keinen Bock.</p>

<h3 id="zeigen-daß-man-s-gemacht-hat-indem-man-s-verkauft">Zeigen, daß man’s gemacht hat, indem man’s verkauft</h3>

<p>Dann gibt’s aber auch die, die glauben, daß ihre Sachen nur dann mit ihnen als Schöpfer in Verbindung gebracht werden, wenn sie sie selbst anbieten. Wenn ihre Sachen in irgendeiner Freebie-Sim liegen, erfährt das keiner.</p>

<p>Das klingt erst mal nach Kokolores. Es gibt viele Wege zu zeigen, daß man der Schöpfer ist. Man kann z. B. im Untertitel der Box oder des Artikels seine Schöpfer-Credits hinterlassen. Die liest dann jeder schon beim Mouseover (sofern der Viewer entsprechend eingestellt ist, aber Firestorm ist das standardmäßig) und weiß, von wem etwas ist.</p>

<p>Aber es gibt Freebie-Store-Betreiber, die löschen das raus oder ersetzen es. So manch ein nicht englischsprachiger Ladenbetreiber schreibt ja alles in seiner Muttersprache um – besonders oft Italienisch und Portugiesisch –, damit seine Muttersprachengenossen das besser verstehen. Und wenn er keinen Bock hat, den Untertitel umzuschreiben, dann löscht er ihn ganz, weil er ihn als unnötig ansieht.</p>

<p>Dann kann man noch Readme-Notecards und/oder am besten noch Landmarks zum eigenen Laden beilegen.</p>

<p>Zum einen aber: Nach so etwas gucken die Leute nur, wenn es in einer Box ist. In einem Kleidungsstück, einem Möbelstück oder einer Pflanze wird das also keiner finden. Zum anderen ist es eine beliebte Unsitte unter Freebie-Anbietern, dann doch mal die Boxen alle aufzumachen und alles rauszuschmeißen, was für den Kunden nicht direkt von Nutzen ist – Texturen, Notecards, Landmarks und so weiter. Wenn es also eine Kiste mit Klamotten ist, fliegt alles raus, was nicht an den Avatar gehängt werden kann, weil „stört nur“ und „müllt den Assetserver voll“. Die so modifizierten Boxen wandern von Freebie-Sim zu Freebie-Sim, und keiner erfährt mehr, woher die Sachen eigentlich sind.</p>

<p>Es gibt aber immer den Creator-Eintrag. Da steht man eh immer drin. Oder sollte man zumindest.</p>

<p>Zum einen aber steht man da nur dann wirklich drin, wenn der eigene Avatar auf dem Grid, wo der Freebie-Laden steht, bekannt ist. Und wenn der Freebie-Laden auf einem ganz neuen Grid steht, wo man noch nie war, dann steht man da eben nicht mit Namen drin, sondern dann steht da gar nichts. Und zum anderen gibt’s die Schweine, die ihren God Mode ausnutzen, um sich selbst bei allen Freebies als Schöpfer einzutragen. Beim Copybotten wird eh automatisch als Schöpfer der Name des Copybotters eingetragen.</p>

<p>Letzte Konsequenz wäre, den eigenen Namen auf die Box zu schreiben.</p>

<p>Erstens ist das aber kein guter Stil, außer man hat einen coolen Markennamen. Zweitens gibt’s nicht alles in Form einer Box, wo man seinen Namen draufschreiben kann, und nicht jeder hat Lust, z. B. seine Klamotten mit seinem Logo zu „verunstalten“, oder überhaupt auch nur ein eigenes Logo. Und drittens – selbst wenn es eine Box gibt, gibt es immer noch die schwarzen Schafe, die meinen, die Box Art komplett neu machen zu müssen. Und wenn die so verunstaltete Box – die Ersatz-Box Art wird meistens mit sehr geringem Aufwand in z. B. MS Paint zusammengefrickelt – zufällig auf einer sehr populären neuen Freebie-Sim landet, breitet sie sich von da auf alle möglichen anderen neuen Freebie-Sims aus.</p>

<p>Beides kann man eben nur versuchen zu verhinden, indem man die Verbreitung der eigenen Artikel in Freebie-Läden verhindert. Damit verhindert man aber die Verbreitung der eigenen Artikel an sich, wenn sie nicht auf Sims zu finden sind, die die Leute auch kennen. Wer dann jammert, daß die Leute statt der schönen legalen Sachen, die man selber macht, nur aus Second Life geklaute Sachen verwenden, geht das Thema vom falschen Ende her an.</p>

<h2 id="eine-win-win-lösung">Eine Win-Win-Lösung</h2>

<p>Die Lösung wäre: Präsenz zeigen! Einmal geht das mit Werbung. Erst letztes Jahr hat Aaack Aardvark OpenSimWorld entdeckt. Prompt hat er da seinen schon einige Jahre alten legendären <a href="https://opensimworld.com/hop/86546" rel="nofollow">Arcadia Shop</a> eingetragen – und obendrein für jeden einzelnen angebotenen Artikel einen Werbepost gemacht. Jeden Tag einen. Die Popularität seines Ladens dürfte immens gestiegen sein, auch wenn es Leute geben dürfte, die sagen: „Was? Keine aus Second Life geklauten Rigged-Mesh-Klamotten für Athena? Uninteressant! Saftladen!“ Aber vorher war der Arcadia Shop ein Geheimtip, den man nur zufällig fand.</p>

<p>Was auch gut geht, ist, nicht nur einen Laden zu betreiben, schon gar nicht nur einen Laden auf einer Sim, die keine Sau kennt. Man muß dafür auch nicht Linda-Kellie-mäßig etliche eigene Sims bauen. Es gibt ja Freebie-Malls, in denen man Ladenfläche anmieten kann. Die <a href="https://opensimworld.com/hop/75040" rel="nofollow">Wright Plaza</a> im OSgrid ist die Mutter aller solchen Sims mit Dutzenden Läden, die alle unterschiedliche Betreiber haben und obendrein keine Mietfristen, die alle Naselang verlängert werden müssen. Da ist Aaack Aardvark auch schon lange mit der einzigen Filiale des Arcadia Shop vertreten, die natürlich auch auf den Hauptladen hinweist. Viele haben ja erst über die Wright Plaza überhaupt vom Arcadia Shop erfahren. Und die Wright Plaza ist echt gut besucht, gerade weil man da nicht denselben Krams findet wie sonst überall – und obendrein nichts Illegales aus Second Life.</p>

<p>Inzwischen gibt es einiges an Freebie-Malls mit zu vermietenden Leerständen. Das heißt, das Konzept gibt’s eh schon lange, aber bis ca. 2020 waren die meisten dieser Malls auf kommerziellen Grids zu finden und verlangten Geld für das Anmieten eines Ladens. Das war dann natürlich nur interessant für Anbieter von Payware, die ihren Laden damit hätten finanzieren können. Und davon gibt’s nicht viele außerhalb von Kitely.</p>

<p>Aber wie auch das Angebot an kostenlosen Wohnparzellen wieder steigt – auch für Avatare, die nicht auf dem jeweiligen Grid zu Hause sind –, finden sich mehr und mehr Freebie-Malls bzw. -Sims, wo man kostenlos Ladenfläche mieten kann, entweder über eine Rentbox oder per schriftlicher Absprache mit dem Simbetreiber und dann häufig sogar unbefristet. Diese Sims sind dann auch (idealerweise) in OpenSimWorld unter „Freebies“ oder unter „Mall“ eingetragen und werden teilweise auch innerhalb ihres Grids zusätzlich beworben.</p>

<p>Gleichzeitig bieten die Simbetreiber selbst auf diesen Sims mitunter auch noch die übliche Standardware an Bekleidung und Avatarausstattung an. <a href="https://opensimworld.com/hop/87578" rel="nofollow">All Free Shopping Spree</a> funktioniert so. Die Leute kommen also für das, was sie gewohnt sind, und gucken sich dann auf der Sim um, was es denn da sonst noch so Schönes gibt. Und wenn jetzt Content-Schöpfer auf solchen Sims Ladenfilialen betreiben, dann entdecken die sich Umguckenden sie schnell – schneller, als wenn sie erst lange im Hypergrid nach ihnen suchen müßten. Siehe da, da gibt’s nicht nur Schönes, sondern Schönes, was man noch gar nicht kennt.</p>

<p>Für Content-Schöpfer hätte das zwar den Nachteil, sich um mehr als nur einen Laden kümmern zu müssen. Als Vorteil nimmt man aber mit, schneller entdeckt und damit populärer zu werden. Mir kann kein Content-Schöpfer mit eigenem Laden erzählen, daß er einfach nur gern Sachen macht und es ihm piepegal ist, ob irgendjemand das haben will. Dann bräuchte er den Laden nicht und könnte mit seinen Schöpfungen einfach nur seinen Avatar und/oder seine Sims ausstatten.</p>

<p>Für die Betreiber von Freebie-Malls hätte das auch einen Vorteil: Sie hätten damit in ihrer Mall Sachen, die andere Freebie-Sims nicht haben. Und zwar direkt vom Ersteller. Und obendrein damit legal (sofern der „Ersteller“ nicht selbst nur klaut, aber viele Malls lassen sowas gar nicht erst zu, etwa auf Craft-World). Und oft auch aktueller, denn während, wie ich schon schrieb, die durchschnittliche vom Erbauer bestückte Freebie-Sim mit demselben Kram wie alle anderen einmal gebaut und dann für immer so gelassen wird, halten Content-Schöpfer ihre Läden immer schön auf dem neuesten Stand. Da muß sich der Sim-Betreiber nicht mal selbst drum kümmern, das machen nämlich die Ladenbetreiber.</p>

<p>Ich meine, was macht denn eine Freebie-Sim populär? Dasselbe Zeug wie alle, aber „in meinem Grid“? Relativ unwichtig außer für die wenigen, die sich standhaft weigern zu hypergridden. Dasselbe Zeug wie alle, aber schicke Gebäude? Meh. Schick ist Ansichtssache, außerdem hat eh kaum einer irgendwelche spektakulären Eigenbauten. Statt dessen stellen sich alle dieselben Kästen hin. Dasselbe Zeug wie alle, aber man kennt den Chef? Da geht man doch eigentlich nur hin, um dem Chef einen Gefallen zu tun.</p>

<p>Nein, was wirklich zieht, ist, etwas anzubieten, was es eben nicht überall gibt.</p>

<p>Oder warum ist die uralte Wright Plaza, auf der obendrein <em>nichts</em> aus Second Life stammt und vieles noch nicht mal Mesh ist, immer noch die populärste Mall auf OpenSimWorld? Warum wird sie im Gesamtranking fast nur von Freebie-Sims übertroffen, die sich mit nicht als solchen eingetragenen NPCs oder ständig anwesenden AFK-Avataren nach oben schummeln?</p>

<p>Sie hat zwar nicht den neuesten heißen Scheiß aus Second Life, der von 2015 bis 2020 die Leute in Scharen auf die Freebie-Sims gelockt hat. Aber neuen heißen Scheiß aus Second Life gibt es eh nicht mehr flächendeckend. Dafür hat sie Unmengen an durchaus geilem Content, den die „aktuellen“, rein vom Betreiber befüllten Freebie-Sims nicht haben. Und den tragen nicht die Betreiber in die Plaza, sondern andere Nutzer. Die tun das überwiegend, indem sie einen Laden auf der Wright Plaza betreiben.</p>

<p>Mit mehr Malls nach diesem Franchise-Prinzip, die also Ladenflächen anbieten, und mehr Bereitschaft von Content-Schöpfern, da Filialen aufzubauen, könnte man drei Probleme auf einmal lösen: Freier, legaler Content aus OpenSim für OpenSim würde bekannter werden und eine größere Verbreitung finden. Kreative User kämen leichter an Ladenflächen, als wenn sie sich eine ganze Sim bauen müßten. Und die heutzutage fast alle austauschbaren neuen Freebie-Sims würden wieder interessanter und individueller.</p>

<p>¹Wobei es das eigentlich nicht mehr gibt, seit The Harbor nicht mehr alle paar Tage neue „Stuff“-Boxen mit fast tagesaktuell aus Second Life gecopybotteten Sachen aufgestellt hat, über die sich bis dahin alle gierig hergemacht haben. Wohlgemerkt, wer nicht selbst in Second Life war, konnte auch nicht sagen, wie alt die Sachen in neuen „Stuff“-Kisten tatsächlich waren. „Stuff“ enthält ja keine Verkaufsboxen für Läden, sondern lauter Einzelitems, die auch nicht groß kuratiert wurden. Als die gecopybottet wurden, konnten die durchaus schon ein paar Jährchen in der beklauten Region gestanden haben, nur daß sie eben noch nicht in OpenSim waren. Wahrscheinlich wurde nur alter Prim-Kram rausgeschmissen, weil ja alle nur geil auf Mesh waren.</p>

<p>²Taarnas Herrenkleidung ist für den Systembody geriggt, ihre Damenkleidung für Ruth 2.0.</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:Kolumne" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kolumne</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:F%C3%BCrFortgeschrittene" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">FürFortgeschrittene</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:Sim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Sim</span></a></p>
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      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/neuere-freebie-sims-im-grunde-fast-alle-austauschbar</guid>
      <pubDate>Sun, 16 Jan 2022 15:31:12 +0100</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title>Warum der #rC3 nicht in OpenSim stattfindet</title>
      <link>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/warum-der-rc3-nicht-in-opensim-stattfindet</link>
      <description>&lt;![CDATA[Ende 2020 war pandemiebedingt der erste #rC3, der erste virtuelle Chaos Communication Congress. Ende 2021 hat man dasselbe Prinzip noch einmal wiederholt. Man hat sich da wirklich Mühe gegeben, also nicht einfach nur irgendwo im Netz auf Webstreams verlinkt, sondern ein bißchen für Immersion gesorgt in Form einer virtuellen Welt.&#xA;&#xA;In Anfang-90er-Jahre-mäßiger 2D-Dreiviertelansicht à la Legend Of Zelda oder farbige grafische Tilesets für Nethack oder Dwarf Fortress. Obwohl wir doch heute ganz andere Möglichkeiten haben müßten. Virtuelle 3D-Online-Welten gibt’s schon ewig. 2003 kamen sie im Mainstream an mit Second Life. Warum hat man die nicht genutzt? Vor allem OpenSim? !--more--&#xA;&#xA;Gründe dafür dürfte es genügend geben.&#xA;&#xA;Erstens: die relative Unbekanntheit dieser Technologie. Selbst Second Life kennt heutzutage kaum mehr einer. Viele, die es während des Hypes Mitte der 2000er genutzt haben, wissen wiederum gar nicht, daß es immer noch existiert, geschweige denn, daß es immer noch weiterentwickelt wird.&#xA;&#xA;Zweitens: ein gesundes Mißtrauen gegenüber proprietären, kommerziellen Diensten mit Zentralserver in den USA. Kurzum: Second Life ist pöhse. Und man wollte sowas unbedingt selber hosten. Was ja auch nachvollziehbar ist.&#xA;&#xA;Mit OpenSim hätte man das auch. Aber drittens: der Unbekanntheitsgrad freier, dezentraler Alternativen. Wie so oft. Nur daß es derzeit nur eine ernsthafte Alternative gibt, und das ist OpenSim. Allerdings dürften selbst unter den noch aktiven Second-Life-Nutzern viele noch nie von OpenSim gehört haben, geschweige denn außerhalb. Kurzum: OpenSim kennt keine Sau.&#xA;&#xA;Aber selbst wenn der Chaos Computer Club OpenSim gekannt und auch in Erwägung gezogen hätte, hätte es noch weitere Hürden gegeben.&#xA;&#xA;Viertens: OpenSim wurde für Windows entwickelt und nicht für LAMP-Stacks. Es ist auch unter GNU/Linux lauffähig, aber dann braucht es Mono, weil es ursprünglich in .NET geschrieben wurde. Und der CCC dürfte einen Teufel tun und die virtuelle Ausgabe seines Speerspitzenevents komplett auf Windows hosten – auch deshalb, weil man überhaupt nicht genug Windows-Server zur Hand bekommen dürfte.&#xA;&#xA;Fünftens: OpenSim skaliert schlecht, um nicht zu sagen, überhaupt nicht. Second Life dürfte durchaus die Fähigkeit haben, einzelne Regionen bei Bedarf auf ganzen Serverclustern zu fahren, wenn da viel los ist. Früher gab es ja auch mal Veranstaltungen, die von abertausenden Avataren auf einmal besucht wurden. Wie gut, daß es damals noch kein Mesh gab, denn beim Rezzen von mehreren tausend Mesh-Avataren würde selbst heute kein Viewer hinterherkommen.&#xA;&#xA;In OpenSim wiederum ist es schon lobenswert, in einem Grid einzelne Sims auf eigenen Servern zu fahren. Veranstaltungssims haben häufig einen eigenen Server, während Privatsims, Wohnsims, Freebie-Sims etc. zusammen auf einem anderen laufen, weil da sogar zusammengenommen noch weniger passiert. Aber selbst dann braucht es bei einer Veranstaltung nur ein paar Dutzend Avatare mit in OpenSim häufig üblicher Ausstattung (Komplexität bei mehreren hunderttausend, Radar an, ZHAO-AO angehängt, vielleicht noch ein paar Extraskripte am Laufen), und die ganze Sim fängt selbst bei denen übelst an zu laggen, deren Avatar immer noch auf dem grundlegendsten Stand von 2007 ist.&#xA;&#xA;Daß OpenSim unter „vernünftigen“ Betriebssystemen auf Mono läuft und nicht auf, sagen wir, Ruby on Rails oder dergleichen, ist dabei wahrscheinlich mit ausschlaggebend.&#xA;&#xA;Was das ganze noch schlimmer macht, sind sechstens die gewaltigen Dimensionen des #rC3. Heise hat ja 2020 schon berichtet. Die doch relativ simple 2D-Welt brauchte an sich schon ein Netzwerk aus mehreren hundert Servern. Daß am Eröffnungstag allein in der Lobby 1600 Avatare aufeinandertrafen, sollte einen schon aufhorchen lassen. Die jährliche OpenSim Community Conference läßt meines Wissens insgesamt nur etwa 200 Avatare zu, und auch das geht nur mit drakonischen Maßnahmen wie Skriptsperren.&#xA;&#xA;Die gesamten Nutzerzahlen des #rC3 kenne ich nicht, aber generell ist der Chaos Communication Congress ja ziemlich gut besucht, und beim #rC3 erübrigten sich ja noch dazu Anfahrt und Unterkunft. Ich kann nur schätzen, aber ich schätze, insgesamt dürften da mehr Avatare unterwegs gewesen sein, als derzeit das Hypergrid insgesamt registriert hat – inklusive Alts, Karteileichen und solchen, die beides sind.&#xA;&#xA;Hätte der #rC3 auf einem eigenen geschlossenen Grid stattgefunden, wäre binnen kürzester Zeit das mit Abstand größte OpenSim-Grid aller Zeiten entstanden. Mit solchen Dimensionen hat niemand irgendwelche Erfahrungen.&#xA;&#xA;Hätte er im Hypergrid stattgefunden – warum auch immer, denn die Welt des #rC3 war eine einzige Insel –, wäre das Hypergrid in nullkommanix auf ein Vielfaches seiner bisherigen Avatarzahl angewachsen. Zunächst einmal wäre das weiterhin nur für dieses Grid problematisch gewesen. Aber vielleicht wären die #rC3-Besucher dann auch noch auf die Idee gekommen, mal ein bißchen hypergridden zu gehen. Wäre eine prima Werbung fürs Hypergrid geworden, zumal es sich herumgesprochen hätte. Aber die Grids im Hypergrid hätten auf einmal mit einer regelrechten Flut an Besuchern klarkommen müssen. Und im Hypergrid fürchtet man heute schon insgeheim einen großen Exodus aus Second Life – weil man den nur aufnehmen könnte, wenn gleichzeitig etliche neue Grids gestartet würden. Und selbst dann würden populäre Veranstaltungslocations überrannt.&#xA;&#xA;Ach ja, wo dann abertausende Avatare schon mal hypergridden gegangen wären, hätten deren User natürlich auch die einschlägigen Freebie-Sims entdeckt – und erstmal kostenlos ihre Avatare gnadenlos aufgepimpt. Wahrscheinlich hätte das #rC3-Grid aus Performancegründen nur Standardavatare mit Layerkleidung zur Verfügung gestellt, Komplexität jeweils 1.000. Aber so nach und nach wären aus dem Hypergrid tausende Avatare zurückgekehrt mit Meshbodys, Meshkleidung, Meshfrisuren, Mesh-Accessoires und einer Komplexität von mehreren hunderttausend. Selbst auf fetten Highend-Gaming-Rechnern dürften Viewer kam mehr als zwei Dutzend solcher Avatare vernünftig darstellen können – wenn sie nicht vorher den Server crashen. Auch alteingesessene OpenSim-Recken mit Erfahrung mit Großevents hätten das kaum verhindern können.&#xA;&#xA;Siebtens hätten wir den Aufwand beim Aufbau der Spielwelt. So klein war ja die Welt des #rC3 nicht. Auch wenn sie sich nur aus 2D-Kacheln zusammensetzte, deren Auswahl überschaubar gewesen sein dürfte, hat es sicherlich lange gedauert, die aufzubauen.&#xA;&#xA;In 3D hätte das Ganze noch sehr viel länger gedauert, vor allem, weil da natürlich die Ansprüche an die Qualität höher sind. Alleine das Terraforming und das Aufstellen vorhandener Assets hätte sehr, sehr lange gedauert.&#xA;&#xA;Aber die Assets hätte man auch erstmal haben müssen. Klar, man hätte losgehen und sie sich von Freebie-Sims angeln können. Aber idealerweise hätte man dafür nur Sachen unter freien Lizenzen nehmen können. Das meiste Zeugs im Hypergrid steht aber unter gar keiner Lizenz, nicht mal Copyright, geschweige denn irgendeine Copyleft-Lizenz. Nur sehr wenige Schöpfer haben ihre Kreationen unter Creative Commons oder eine andere freie Lizenz gestellt.&#xA;&#xA;Bei einigen Sachen ist noch nicht mal klar, ob es überhaupt legal ist, weil einfach zuviel gecopyrightetes, kommerzielles, eigentlich kostenpflichtiges oder überhaupt nicht für die Weitergabe vorgesehenes Material aus Second Life gecopybottet wurde, das sich dann übers ganze Hypergrid ausgebreitet hat. Man kann kaum mehr sagen, ob es geklaut ist oder nicht. Bei einem Großteil der Objekte im Hypergrid ist sogar klar: Die sind geklaut.&#xA;&#xA;Für den CCC wäre es der Super-GAU, wenn ihm während des #rC3 öffentlich – zu Recht, weil mit entsprechenden Nachweisen – vorgeworfen würde, seine schöne Onlinewelt aus Raubkopien aufgebaut zu haben. Hätten CCC-Leute die Materialbeschaffung und den Bau selbst durchgeführt, wäre das mit sehr großer Wahrscheinlichkeit schon deshalb passiert, weil sie gar nicht gewußt hätten, daß das ausgewählte Material nicht legal ist.&#xA;&#xA;Die Alternative wäre der Selbstbau gewesen, der wohl vor allem bei den Gebäuden sowieso noch am sinnvollsten gewesen wäre. Überall sonst von Wegen bis zu Pflanzen wäre er auch notwendig gewesen, um sich nicht von zweifelhaftem Content abhängig machen zu müssen. Das hätte natürlich als Vorteil fürs ganze Hypergrid eine Schwemme freier, legaler Objekte gehabt, an denen es immer noch mangelt, denn die Erbauer hätten sie definitiv unter freie Lizenzen und dann der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. In CCC-Kreisen gehört das zum guten Ton.&#xA;&#xA;Aber zum einen hätte es noch mehr Zeit gedauert, die Welt zu erschaffen, als sowieso schon. Man hätte Jahre vorher anfangen müssen – und zwischendurch einiges wieder aktualisieren, weil die ältesten Sachen schon wieder veraltet gewesen wären. Und zum anderen hätte es dafür die richtigen Leute gebraucht. Seien wir mal ehrlich: In Free-Software- und Hackerkreisen ist man schon seit Jahren derart auf minimalistische Window Managers und fast ausschließliche Benutzung von Konsolenanwendungen eingeschossen, daß endgültig niemand mehr auch nur eine annehmbare grafische Benutzeroberfläche bauen kann. Wie soll man da sowas wie glaubwürdige Bäume, Gräser oder Wegepflaster erwarten?&#xA;&#xA;Achtens, und auch das ist ein Killerkriterium: OpenSim läuft nicht im Browser und ist auf die Installation eines Viewers angewiesen. Zunächst einmal bedeutet das natürlich Zusatzsoftware. Dann ist kein einziger Viewer sicherheitsauditiert. Dann ist kein einziger Viewer in den Quellen irgendeiner GNU/Linux-Distribution verfügbar, will sagen, kein einziger Viewer wird irgendwie signiert verteilt. Und letztlich hätte man den #rC3 nur mit denjenigen Systemen besuchen können, für die es Viewer gibt. Smartphones (außer denjenigen, auf denen ein modifiziertes Desktopsystem läuft) wären beispielsweise ebenso außen vor geblieben wie BSD.&#xA;&#xA;Neuntens wäre die Wahl der Endgeräte noch weiter eingeschränkt worden durch den Leistungsbedarf des Viewers. Wenn man nicht gerade Highend-Hardware fürs Gaming zur Hand hat – und die meisten in der Zielgruppe des #rC3 haben so etwas entweder nur zum Numbercrunching à la SETI@Home oder überhaupt nicht –, hat man an OpenSim keine große Freude. Die Frameraten sind dann schon in einer einigermaßen ansehnlichen Welt ohne Avatare nur sehr niedrig – aus gutem Grunde gibt’s auf den eigentlichen OSCC-Konferenzsims keine Pflanzen und nur relativ simple Bauten –, und wenn dann auch noch Avatare dazukommen, geht sie endgültig in die Knie.&#xA;&#xA;Das hätte sich auch auf die Vorträge selbst ausgewirkt. Zehntens hätten die Vorträge ihre ganz eigenen Probleme mit sich gebracht. Man hätte sie per Video einspielen können, wie es jetzt ja tatsächlich war. Aber im Sinne der Immersion hätten die Vortragenden ihre Vorträge eigentlich wie auf der OSCC in-world auf einer Bühne mit einem eigenen Avatar halten müssen.&#xA;&#xA;Zunächst einmal hätten sie dafür entsprechende Hardware gebraucht. Das heißt, wahrscheinlich hätte auch das kaum etwas gebracht, denn ihre Avatare hätten ja das ganze gigantische Publikum, je nach Vortrag also womöglich tausende Avatare, gleichzeitig vor der Nase gehabt – sofern der Server diese Avatarmassen hätte wuppen können.&#xA;&#xA;Außerdem werden ja die CCC-Vorträge traditionell aufgezeichnet. Sagen wir, in OpenSim-tauglichen Viewern ist eine solche Funktion schon eingebaut, Screengrabbing wird man also nicht brauchen. Aber auch da hat man mit der Performance zu kämpfen – sogar noch mehr, denn von einem Online-Video wird natürlich eine bessere Qualität erwartet als von einem spontanen In-Game-Erlebnis. Wenn der Viewer derart an seinen Grenzen läuft, daß er ständig die Levels of Detail umschaltet oder gar von vornherein nur sehr niedrige auswählt, so daß womöglich noch das auf dem Bühnen-Backdrop Angezeigte überhaupt nicht mehr zu erkennen ist, dann kriegt man kein vorzeigbares Video aufgenommen. Und auch wenn es auch bei Video-Vorträgen zu Unwägbarkeiten kommt, können die in OpenSim noch häßlicher ausfallen, z. B. der Viewer des Vortragenden stürzt ab oder – noch schlimmer – der, mit dem die Präsentation aufgezeichnet werden soll.&#xA;&#xA;Elftens: Last but not least gibt es keine zentral zusammengefaßte OpenSim-Community, die einem helfen könnte. Die Nutzerschaft ist einfach zu sehr fragmentiert, mehr noch als bei anderen dezentralen Projekten. Es gibt kein zentrales Forum – OpenSimWorld wäre noch am nächsten dran –, schon gar keine zentrale Mailingliste, keinen zentralen Matrix-Raum, kein gar nichts. Es hätte also alleine ewig gedauert, um Hilfe beim Aufbau eines Grid für einen Kongreß zu bekommen – und diese Hilfe hätte man womöglich auch nur in-world finden können, weil man an fähige Personen anders gar nicht herangekommen wäre.&#xA;&#xA;Nun gut, die letzteren Punkte wären teilweise nicht von vornherein Ausschlußkriterien gewesen, denn man hätte sie erst bemerkt, wenn man einen virtuellen Kongreß in OpenSim wirklich hätte stattfinden lassen wollen. Das sind Erfahrungen, die man erst hätte machen müssen, um darauf aufzubauen und danach zu entscheiden. Vor der extrem langen Vorbereitungsphase und der mangelnden Eignung von OpenSim für riesige Avatarzahlen auf einen Haufen hätte die OpenSim-Community noch warnen können. Aber bei anderen Punkten wäre der CCC nichtsahnend auf die Schnauze gefallen, womöglich sogar erst während der eigentlichen Veranstaltung.&#xA;&#xA;Alles in allem kann ich verstehen, warum man statt dessen from scratch eine ganz eigene 2D-Onlinewelt aufgebaut hat.&#xA;&#xA;#OpenSim #AndereWelten #Event #Kolumne&#xA;]]&gt;</description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ende 2020 war pandemiebedingt der erste <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a>, der erste virtuelle Chaos Communication Congress. Ende 2021 hat man dasselbe Prinzip noch einmal wiederholt. Man hat sich da wirklich Mühe gegeben, also nicht einfach nur irgendwo im Netz auf Webstreams verlinkt, sondern ein bißchen für Immersion gesorgt in Form einer virtuellen Welt.</p>

<p>In Anfang-90er-Jahre-mäßiger 2D-Dreiviertelansicht à la Legend Of Zelda oder farbige grafische Tilesets für Nethack oder Dwarf Fortress. Obwohl wir doch heute ganz andere Möglichkeiten haben müßten. Virtuelle 3D-Online-Welten gibt’s schon ewig. 2003 kamen sie im Mainstream an mit Second Life. Warum hat man die nicht genutzt? Vor allem OpenSim? </p>

<p>Gründe dafür dürfte es genügend geben.</p>

<p><strong>Erstens: die relative Unbekanntheit dieser Technologie</strong>. Selbst Second Life kennt heutzutage kaum mehr einer. Viele, die es während des Hypes Mitte der 2000er genutzt haben, wissen wiederum gar nicht, daß es immer noch existiert, geschweige denn, daß es immer noch weiterentwickelt wird.</p>

<p><strong>Zweitens: ein gesundes Mißtrauen gegenüber proprietären, kommerziellen Diensten mit Zentralserver in den USA</strong>. Kurzum: Second Life ist pöhse. Und man wollte sowas unbedingt selber hosten. Was ja auch nachvollziehbar ist.</p>

<p>Mit OpenSim hätte man das auch. Aber <strong>drittens: der Unbekanntheitsgrad freier, dezentraler Alternativen</strong>. Wie so oft. Nur daß es derzeit nur eine ernsthafte Alternative gibt, und das ist OpenSim. Allerdings dürften selbst unter den noch aktiven Second-Life-Nutzern viele noch nie von OpenSim gehört haben, geschweige denn außerhalb. Kurzum: OpenSim kennt keine Sau.</p>

<p>Aber selbst wenn der Chaos Computer Club OpenSim gekannt und auch in Erwägung gezogen hätte, hätte es noch weitere Hürden gegeben.</p>

<p><strong>Viertens: OpenSim wurde für Windows entwickelt und nicht für LAMP-Stacks</strong>. Es ist auch unter GNU/Linux lauffähig, aber dann braucht es Mono, weil es ursprünglich in .NET geschrieben wurde. Und der CCC dürfte einen Teufel tun und die virtuelle Ausgabe seines Speerspitzenevents komplett auf Windows hosten – auch deshalb, weil man überhaupt nicht genug Windows-Server zur Hand bekommen dürfte.</p>

<p><strong>Fünftens: OpenSim skaliert schlecht, um nicht zu sagen, überhaupt nicht</strong>. Second Life dürfte durchaus die Fähigkeit haben, einzelne Regionen bei Bedarf auf ganzen Serverclustern zu fahren, wenn da viel los ist. Früher gab es ja auch mal Veranstaltungen, die von abertausenden Avataren auf einmal besucht wurden. Wie gut, daß es damals noch kein Mesh gab, denn beim Rezzen von mehreren tausend Mesh-Avataren würde selbst heute kein Viewer hinterherkommen.</p>

<p>In OpenSim wiederum ist es schon lobenswert, in einem Grid einzelne Sims auf eigenen Servern zu fahren. Veranstaltungssims haben häufig einen eigenen Server, während Privatsims, Wohnsims, Freebie-Sims etc. zusammen auf einem anderen laufen, weil da sogar zusammengenommen noch weniger passiert. Aber selbst dann braucht es bei einer Veranstaltung nur ein paar Dutzend Avatare mit in OpenSim häufig üblicher Ausstattung (Komplexität bei mehreren hunderttausend, Radar an, ZHAO-AO angehängt, vielleicht noch ein paar Extraskripte am Laufen), und die ganze Sim fängt selbst bei denen übelst an zu laggen, deren Avatar immer noch auf dem grundlegendsten Stand von 2007 ist.</p>

<p>Daß OpenSim unter „vernünftigen“ Betriebssystemen auf Mono läuft und nicht auf, sagen wir, Ruby on Rails oder dergleichen, ist dabei wahrscheinlich mit ausschlaggebend.</p>

<p>Was das ganze noch schlimmer macht, sind <strong>sechstens die gewaltigen Dimensionen des <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a></strong>. <a href="https://www.heise.de/news/rC3-DDoS-Angriff-und-DNS-Probleme-schmaelerten-das-Hackererlebnis-5001451.html" rel="nofollow">Heise hat ja 2020 schon berichtet</a>. Die doch relativ simple 2D-Welt brauchte an sich schon ein Netzwerk aus mehreren hundert Servern. Daß am Eröffnungstag allein in der Lobby 1600 Avatare aufeinandertrafen, sollte einen schon aufhorchen lassen. Die jährliche OpenSim Community Conference läßt meines Wissens insgesamt nur etwa 200 Avatare zu, und auch das geht nur mit drakonischen Maßnahmen wie Skriptsperren.</p>

<p>Die gesamten Nutzerzahlen des <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a> kenne ich nicht, aber generell ist der Chaos Communication Congress ja ziemlich gut besucht, und beim <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a> erübrigten sich ja noch dazu Anfahrt und Unterkunft. Ich kann nur schätzen, aber ich schätze, insgesamt dürften da mehr Avatare unterwegs gewesen sein, als derzeit das Hypergrid insgesamt registriert hat – inklusive Alts, Karteileichen und solchen, die beides sind.</p>

<p>Hätte der <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a> auf einem eigenen geschlossenen Grid stattgefunden, wäre binnen kürzester Zeit das mit Abstand größte OpenSim-Grid aller Zeiten entstanden. Mit solchen Dimensionen hat niemand irgendwelche Erfahrungen.</p>

<p>Hätte er im Hypergrid stattgefunden – warum auch immer, denn die Welt des <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a> war eine einzige Insel –, wäre das Hypergrid in nullkommanix auf ein Vielfaches seiner bisherigen Avatarzahl angewachsen. Zunächst einmal wäre das weiterhin nur für dieses Grid problematisch gewesen. Aber vielleicht wären die <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a>-Besucher dann auch noch auf die Idee gekommen, mal ein bißchen hypergridden zu gehen. Wäre eine prima Werbung fürs Hypergrid geworden, zumal es sich herumgesprochen hätte. Aber die Grids im Hypergrid hätten auf einmal mit einer regelrechten Flut an Besuchern klarkommen müssen. Und im Hypergrid fürchtet man heute schon insgeheim einen großen Exodus aus Second Life – weil man den nur aufnehmen könnte, wenn gleichzeitig etliche neue Grids gestartet würden. Und selbst dann würden populäre Veranstaltungslocations überrannt.</p>

<p>Ach ja, wo dann abertausende Avatare schon mal hypergridden gegangen wären, hätten deren User natürlich auch die einschlägigen Freebie-Sims entdeckt – und erstmal kostenlos ihre Avatare gnadenlos aufgepimpt. Wahrscheinlich hätte das <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a>-Grid aus Performancegründen nur Standardavatare mit Layerkleidung zur Verfügung gestellt, Komplexität jeweils 1.000. Aber so nach und nach wären aus dem Hypergrid tausende Avatare zurückgekehrt mit Meshbodys, Meshkleidung, Meshfrisuren, Mesh-Accessoires und einer Komplexität von mehreren hunderttausend. Selbst auf fetten Highend-Gaming-Rechnern dürften Viewer kam mehr als zwei Dutzend solcher Avatare vernünftig darstellen können – wenn sie nicht vorher den Server crashen. Auch alteingesessene OpenSim-Recken mit Erfahrung mit Großevents hätten das kaum verhindern können.</p>

<p><strong>Siebtens</strong> hätten wir <strong>den Aufwand beim Aufbau der Spielwelt</strong>. So klein war ja die Welt des <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a> nicht. Auch wenn sie sich nur aus 2D-Kacheln zusammensetzte, deren Auswahl überschaubar gewesen sein dürfte, hat es sicherlich lange gedauert, die aufzubauen.</p>

<p>In 3D hätte das Ganze noch sehr viel länger gedauert, vor allem, weil da natürlich die Ansprüche an die Qualität höher sind. Alleine das Terraforming und das Aufstellen vorhandener Assets hätte sehr, sehr lange gedauert.</p>

<p>Aber die Assets hätte man auch erstmal haben müssen. Klar, man hätte losgehen und sie sich von Freebie-Sims angeln können. Aber idealerweise hätte man dafür nur Sachen unter freien Lizenzen nehmen können. Das meiste Zeugs im Hypergrid steht aber unter gar keiner Lizenz, nicht mal Copyright, geschweige denn irgendeine Copyleft-Lizenz. Nur sehr wenige Schöpfer haben ihre Kreationen unter Creative Commons oder eine andere freie Lizenz gestellt.</p>

<p>Bei einigen Sachen ist noch nicht mal klar, ob es überhaupt legal ist, weil einfach zuviel gecopyrightetes, kommerzielles, eigentlich kostenpflichtiges oder überhaupt nicht für die Weitergabe vorgesehenes Material aus Second Life gecopybottet wurde, das sich dann übers ganze Hypergrid ausgebreitet hat. Man kann kaum mehr sagen, ob es geklaut ist oder nicht. Bei einem Großteil der Objekte im Hypergrid ist sogar klar: Die sind geklaut.</p>

<p>Für den CCC wäre es der Super-GAU, wenn ihm während des <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a> öffentlich – zu Recht, weil mit entsprechenden Nachweisen – vorgeworfen würde, seine schöne Onlinewelt aus Raubkopien aufgebaut zu haben. Hätten CCC-Leute die Materialbeschaffung und den Bau selbst durchgeführt, wäre das mit sehr großer Wahrscheinlichkeit schon deshalb passiert, weil sie gar nicht gewußt hätten, daß das ausgewählte Material nicht legal ist.</p>

<p>Die Alternative wäre der Selbstbau gewesen, der wohl vor allem bei den Gebäuden sowieso noch am sinnvollsten gewesen wäre. Überall sonst von Wegen bis zu Pflanzen wäre er auch notwendig gewesen, um sich nicht von zweifelhaftem Content abhängig machen zu müssen. Das hätte natürlich als Vorteil fürs ganze Hypergrid eine Schwemme freier, legaler Objekte gehabt, an denen es immer noch mangelt, denn die Erbauer hätten sie definitiv unter freie Lizenzen und dann der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. In CCC-Kreisen gehört das zum guten Ton.</p>

<p>Aber zum einen hätte es noch mehr Zeit gedauert, die Welt zu erschaffen, als sowieso schon. Man hätte Jahre vorher anfangen müssen – und zwischendurch einiges wieder aktualisieren, weil die ältesten Sachen schon wieder veraltet gewesen wären. Und zum anderen hätte es dafür die richtigen Leute gebraucht. Seien wir mal ehrlich: In Free-Software- und Hackerkreisen ist man schon seit Jahren derart auf minimalistische Window Managers und fast ausschließliche Benutzung von Konsolenanwendungen eingeschossen, daß endgültig niemand mehr auch nur eine annehmbare grafische Benutzeroberfläche bauen kann. Wie soll man da sowas wie glaubwürdige Bäume, Gräser oder Wegepflaster erwarten?</p>

<p><strong>Achtens</strong>, und auch das ist ein Killerkriterium: <strong>OpenSim läuft nicht im Browser und ist auf die Installation eines Viewers angewiesen</strong>. Zunächst einmal bedeutet das natürlich Zusatzsoftware. Dann ist kein einziger Viewer sicherheitsauditiert. Dann ist kein einziger Viewer in den Quellen irgendeiner GNU/Linux-Distribution verfügbar, will sagen, kein einziger Viewer wird irgendwie signiert verteilt. Und letztlich hätte man den <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a> nur mit denjenigen Systemen besuchen können, für die es Viewer gibt. Smartphones (außer denjenigen, auf denen ein modifiziertes Desktopsystem läuft) wären beispielsweise ebenso außen vor geblieben wie BSD.</p>

<p><strong>Neuntens</strong> wäre die Wahl der Endgeräte noch weiter eingeschränkt worden durch <strong>den Leistungsbedarf des Viewers</strong>. Wenn man nicht gerade Highend-Hardware fürs Gaming zur Hand hat – und die meisten in der Zielgruppe des <a href="/jupiter-rowland/tag:rC3" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">rC3</span></a> haben so etwas entweder nur zum Numbercrunching à la SETI@Home oder überhaupt nicht –, hat man an OpenSim keine große Freude. Die Frameraten sind dann schon in einer einigermaßen ansehnlichen Welt ohne Avatare nur sehr niedrig – aus gutem Grunde gibt’s auf den eigentlichen OSCC-Konferenzsims keine Pflanzen und nur relativ simple Bauten –, und wenn dann auch noch Avatare dazukommen, geht sie endgültig in die Knie.</p>

<p>Das hätte sich auch auf die Vorträge selbst ausgewirkt. <strong>Zehntens hätten die Vorträge ihre ganz eigenen Probleme mit sich gebracht</strong>. Man hätte sie per Video einspielen können, wie es jetzt ja tatsächlich war. Aber im Sinne der Immersion hätten die Vortragenden ihre Vorträge eigentlich wie auf der OSCC in-world auf einer Bühne mit einem eigenen Avatar halten müssen.</p>

<p>Zunächst einmal hätten sie dafür entsprechende Hardware gebraucht. Das heißt, wahrscheinlich hätte auch das kaum etwas gebracht, denn ihre Avatare hätten ja das ganze gigantische Publikum, je nach Vortrag also womöglich tausende Avatare, gleichzeitig vor der Nase gehabt – sofern der Server diese Avatarmassen hätte wuppen können.</p>

<p>Außerdem werden ja die CCC-Vorträge traditionell aufgezeichnet. Sagen wir, in OpenSim-tauglichen Viewern ist eine solche Funktion schon eingebaut, Screengrabbing wird man also nicht brauchen. Aber auch da hat man mit der Performance zu kämpfen – sogar noch mehr, denn von einem Online-Video wird natürlich eine bessere Qualität erwartet als von einem spontanen In-Game-Erlebnis. Wenn der Viewer derart an seinen Grenzen läuft, daß er ständig die Levels of Detail umschaltet oder gar von vornherein nur sehr niedrige auswählt, so daß womöglich noch das auf dem Bühnen-Backdrop Angezeigte überhaupt nicht mehr zu erkennen ist, dann kriegt man kein vorzeigbares Video aufgenommen. Und auch wenn es auch bei Video-Vorträgen zu Unwägbarkeiten kommt, können die in OpenSim noch häßlicher ausfallen, z. B. der Viewer des Vortragenden stürzt ab oder – noch schlimmer – der, mit dem die Präsentation aufgezeichnet werden soll.</p>

<p><strong>Elftens:</strong> Last but not least <strong>gibt es keine zentral zusammengefaßte OpenSim-Community, die einem helfen könnte</strong>. Die Nutzerschaft ist einfach zu sehr fragmentiert, mehr noch als bei anderen dezentralen Projekten. Es gibt kein zentrales Forum – <a href="https://opensimworld.com/" rel="nofollow">OpenSimWorld</a> wäre noch am nächsten dran –, schon gar keine zentrale Mailingliste, keinen zentralen Matrix-Raum, kein gar nichts. Es hätte also alleine ewig gedauert, um Hilfe beim Aufbau eines Grid für einen Kongreß zu bekommen – und diese Hilfe hätte man womöglich auch nur in-world finden können, weil man an fähige Personen anders gar nicht herangekommen wäre.</p>

<p>Nun gut, die letzteren Punkte wären teilweise nicht von vornherein Ausschlußkriterien gewesen, denn man hätte sie erst bemerkt, wenn man einen virtuellen Kongreß in OpenSim wirklich hätte stattfinden lassen wollen. Das sind Erfahrungen, die man erst hätte machen müssen, um darauf aufzubauen und danach zu entscheiden. Vor der extrem langen Vorbereitungsphase und der mangelnden Eignung von OpenSim für riesige Avatarzahlen auf einen Haufen hätte die OpenSim-Community noch warnen können. Aber bei anderen Punkten wäre der CCC nichtsahnend auf die Schnauze gefallen, womöglich sogar erst während der eigentlichen Veranstaltung.</p>

<p>Alles in allem kann ich verstehen, warum man statt dessen from scratch eine ganz eigene 2D-Onlinewelt aufgebaut hat.</p>

<p><a href="/jupiter-rowland/tag:OpenSim" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">OpenSim</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:AndereWelten" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">AndereWelten</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:Event" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Event</span></a> <a href="/jupiter-rowland/tag:Kolumne" class="hashtag" rel="nofollow"><span>#</span><span class="p-category">Kolumne</span></a></p>
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      <guid>https://publish.ministryofinternet.eu/jupiter-rowland/warum-der-rc3-nicht-in-opensim-stattfindet</guid>
      <pubDate>Sat, 15 Jan 2022 23:01:58 +0100</pubDate>
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